Forchheim

Weihnachtspost verschwunden

Kunden beklagen Probleme bei der Zustellung ihrer Weihnachts-Glückwünsche. Geld wurde aus Weihnachtskarten gestohlen. Schwarze Schafe bei den Logistik-Unternehmen?
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"Bei einem Massengeschäft wie dem Brief-Versand lassen sich Sendungsverluste nie ganz vermeiden", bedauert der DHL-Pressesprecher. Foto: DHL
"Bei einem Massengeschäft wie dem Brief-Versand lassen sich Sendungsverluste nie ganz vermeiden", bedauert der DHL-Pressesprecher. Foto: DHL

Ihre Weihnachtspost hat die Weilersbacherin Alexandra Kreller mit der Hand geschrieben und mit der Deutschen Post, beziehungsweise dem Unternehmen DHL, das zum Konzern der Deutschen Post gehört, verschickt. Angekommen sei aber nur ein Teil der versendeten Briefe und Pakete. "Briefe wurden geöffnet, Geld aus Weihnachtskarten entnommen und Gutscheinbriefe nicht zugestellt", klagt Kreller.

Kein Einzelfall, denn in Ludwigsburg sind die Sendungen ebenso wenig angekommen wie in der Sächsischen Schweiz und in Mecklenburg-Vorpommern. "Ich habe keine Weihnachtspost bekommen", bedauerten die Freunde der Familie Kreller.

Lilly S., die unerkannt bleiben möchte, verschickte ein DHL-Paket nach München. Der Stollen und die kleinen Geschenke kamen zwar an, doch die Karte mit 200 Euro, die ebenfalls in dem Paket lag, war verschwunden. Lilly schickte erneut Geld, diesmal in einem wattierten Kuvert, die Scheine mit Stanniolpapier umwickelt. Diesmal kamen in dem äußerlich unversehrt wirkenden Brief nur 50 statt der abgeschickten 200 Euro an.

Bedauern bei DHL

"Natürlich bedauere ich, dass diese Damen mit unseren Leistungen nicht zufrieden waren", schreibt DHL-Pressesprecher Klaus-Dieter Nawrath in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen. Er könne aber "nicht objektiv und abschließend beurteilen", ob in diesen Fällen tatsächlich fehlerhaftes Verhalten der Post-Mitarbeiter vorliege. Die Sendungen könnten ja ganz einfach verloren gegangen sein.

In einem Massengeschäft mit 112 000 Zustellern könne immer mal etwas nicht funktionieren, bedauert Nawrath. Dennoch sei der Verlust von Sendungen die große Ausnahme. Deren Zahl bewege sich mit Blick auf die täglich beförderten Briefe im "kaum messbaren Bereich".

Im Promillebereich

Pressesprecher Friedemann König vom Mitbewerber Hermes beziffert die Quote der verloren gehenden oder beschädigten Pakete auf 0,03 Prozent. Das sind drei von 10 000 Sendungen. "Für uns Antrieb genug, die Prozesse, die Technik und die Abwicklung vor Ort zu hinterfragen", so König.

Auch Peter Rey von dpd (Deutscher Paket Dienst) spricht auf Nachfrage von einer Verlustquote im niedrigen Promillebereich. Genaue Zahlen würden aus Wettbewerbsgründen nicht bekannt gegeben. Anne Putz von GLS stellte eine Stellungnahme zu dieser Thematik in Aussicht, allerdings ohne Zeit-Angabe.

Sicherheit wird groß geschrieben

Die Sicherheitsvorkehrungen würden groß geschrieben, betonen die Sprecher der Unternehmen. So unterstreicht Klaus Dieter Nawrath (DHL): "Für den Schutz der uns anvertrauten Sendungen haben wir sowohl in unseren Sortierzentren als auch beim Transport entsprechende Vorkehrungen getroffen, um kriminellen Handlungen vorzubeugen. Sobald wir von Kunden entsprechende stichhaltige Hinweise erhalten, wird umgehend unsere eigene Security Abteilung eingeschaltet und je nach Sachverhalt auch die Polizei."

Bei jeder Niederlassung seien mehrere Security Mitarbeiter eingesetzt, die selbst Ermittlungen durchführten und eng mit der Polizei zusammenarbeiteten. Bei Sendungen, die den Empfänger nicht erreicht haben, empfiehlt Nawrath den Kunden, einen Nachforschungsauftrag an den Kundenservice zu stellen. Bargeld in Briefen zu verschicken sei grundsätzlich nicht zulässig, auch nicht mit dem Zusatz "Einschreiben". Aus diesem Grund könne die Post bei Verlust auch keine Haftung übernehmen.

Auch dpd und Hermes unterstreichen, dass alles unternommen werde, um einen sicheren und zuverlässigen Paketversand zu gewährleisten. Dazu gehörten laut Peter Rey von dpd eine lückenlose Dokumentation jedes Transportschrittes und strenge Zugangskontrollen für die Niederlassungen. Jeder Mitarbeiter müsse ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Daneben gebe es "zahlreiche weitere Sicherheitsvorkehrungen", die jedoch nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt werden sollten.

Hermes-Sprecher Friedemann König verweist auf zahlreiche und umfassende Sicherheitsmaßnahmen entlang der Logistikkette. "Neben Zusteller-Schulungen, einer internen Sicherheitsabteilung und dem engen Austausch mit den Betrugs-Präventionsabteilungen unserer Auftraggeber gelten strenge Sicherheitsstandards", so König. So gebe es bei Hermes stichprobenartige Personenkontrollen und regelmäßige Kontrollgänge von Mitarbeitern der beauftragten Sicherheitsunternehmen.

Haftung für Päckchen?

Große Unterschiede gibt es übrigens beim Thema Haftung. Während das Logistikunternehmen Hermes beim Päckchen-Versand von Kunde zu Kunde immer einen Verlustausfall von 50 Euro garantiere - bei Paketen 500 Euro - gibt es beim Mitbewerber DHL für Päckchen keinerlei Haftung. "Ohne Ein- und Auslieferungsdokumentation sei das nicht möglich", bedauert Klaus-Dieter Nawrath. Pakete dagegen könnten nachverfolgt werden. Deshalb hafte das Unternehmen bei nachweisbarem Verlust oder Beschädigung bis zu einem Betrag von 500 Euro.

Alexandra Kreller stellen diese Beteuerungen allerdings nicht zufrieden. Sie erklärt: "Mich hat die Post als Kundin verloren." Ihr Neujahrswunsch an die schwarzen Schafe: "Ein Höchstmaß an schlechtem Gewissen."

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