Zeil am Main

"Weihnachten im Sonnenkreis"

Jesuitenpater Ngoc The Nguyen erzählt, wie die Christen in seiner Heimat Vietnam die Geburt Jesu feiern. Der Geistliche kommt zu einem Weihnachtsgottesdienst der vietnamesischen Gemeinde am 25. Dezember nach Zeil.
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Im Gebiet Binh An im Erzbistum Saigon, in dem Ngoc The Nguyen aufgewachsen ist, wird Weihnachten im Freien geiert - auch mit einer Krippe.
Im Gebiet Binh An im Erzbistum Saigon, in dem Ngoc The Nguyen aufgewachsen ist, wird Weihnachten im Freien geiert - auch mit einer Krippe.
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Asiatische Länder verbindet man nicht so häufig mit dem Christentum. Die vorherrschenden Religionen sind der Hinduismus und der Buddhismus.

Doch auch dort gibt es das Christentum und es wird Weihnachten gefeiert. Jesuitenpater Ngoc The Nguyen, seit 1. September 2019 Seelsorger für die katholischen Vietnamesen in der Diözese Würzburg, berichtet von Weihnachten in seiner Heimat und über das, was in diesem Jahr in seinen vietnamesischen Gemeinden geplant ist, wie aus einer Mitteilung des Bistums hervorgeht. Ferner wird darauf hingewiesen, dass ein Weihnachtsgottesdienst der vietnamesischen Gemeinde am 25. Dezember um 15.30 Uhr in Zeil in der Kirche Sankt Michael stattfindet. In Zeil leben viele Christen, die aus Vietnam kommen. Frage: Wie wird in Vietnam Weihnachten gefeiert? Was gibt es für besondere Traditionen und Bräuche? Pater Ngoc The Nguyen: Das Christentum ist erst seit 400 Jahren in Vietnam. Sonst ist unser Land von Konfuzianismus, Buddhismus, Taoismus und etwas vom Hinduismus geprägt. Wir sind eine Minderheit der Bevölkerung. Als Christen feiern wir an Weihnachten einen Gottesdienst mit einem Krippenspiel.

In den Familien wird nicht so sehr Weihnachten gefeiert. Wir feiern eher im Freundeskreis. Ich bezeichne das als "Weihnachten im Sonnenkreis".

Bei uns gibt es auch einen Geschenkaustausch. Es gibt zwar keine besonderen traditionellen Speisen und auch keine Plätzchen, aber es gibt schon besseres Essen als sonst.

Im Gebiet Binh Thai und Binh An im Erzbistum Saigon, in dem ich aufgewachsen bin, gibt es draußen vor der Kirche eine große Krippe. Sie ist drei bis vier Meter hoch und zwei Meter breit. Außerdem gibt es einen großen Platz, auf dem die Weihnachtsgeschichte als Stationsweg erzählt wird. Da ist zum Beispiel die zweite Etappe "Joseph und Maria gehen von Nazareth nach Jerusalem". Manche der Figuren bewegen sich sogar, es sind aber keine echten Personen.

Auch die Familien versuchen, die Krippen nachzuahmen. Die Figuren sind normalerweise aus Ton, Holz oder Coladosen. Und sie stehen draußen, weil es in Saigon immer warm ist. Zwei Wochen lang kommen dann auch die ganzen Leute aus der Stadt, um sich die Krippen anzuschauen. Außerdem gibt es Christbäume, Kugeln und viel Licht. Früher gab es nicht so Geschenke, mittlerweile ändert sich die Wirtschaft in Vietnam. Ganz moderne Kinder glauben an den Weihnachtsmann. In der Kirche erklären wir, dass der Nikolaus die Geschenke bringt. Weihnachten ist in Vietnam zwischen 20. und 25. Dezember. Wie feiern die vietnamesischen Gemeinden im Bistum Würzburg Weihnachten? Ich bin erst neu hierher gezogen und Seelsorger für die Bistümer Würzburg, Bamberg und Eichstätt geworden, davor war ich in Dänemark. In diesem Jahr feiere ich das erste Mal mit den Gemeinden im Bistum Würzburg. Für dieses Jahr habe ich mir das Thema "Der Besuch" überlegt. Ich besuche kranke Menschen und gebe ihnen eventuell auch die Krankenkommunion oder die Krankensalbung. Zu manchen Krankenbesuchen nehme ich auch Kinder mit. Am 24. Dezember findet ein Gottesdienst in Erlangen statt, bei einem Krippenspiel berichten die Kinder von ihren Erfahrungen mit dem Thema Besuch. Im Bistum Würzburg finden auch einige Gottesdienste statt, zum Beispiel am 25. Dezember in der Kirche Sankt Michael in Zeil am Main und am zweiten Weihnachtsfeiertag in Schweinfurt in der Christkönigskirche. Ich bin tief in der pastoralen Arbeit verwurzelt und versuche zu organisieren und zu gestalten. Deswegen ist auch der Besuch ein so wichtiges Thema. Was bedeutet zum Beispiel der Besuch von Maria bei Elisabeth? Außerdem habe ich mir in diesem Jahr ein Quiz als Wettbewerb für die Gemeinden zum Thema Advent ausgedacht. Die Gemeinden haben 50 Fragen und Antworten bekommen - für die Kinder auf Deutsch, für die Eltern auf Vietnamesisch. Dann haben sie einen Monat Zeit, die Antworten auf die Fragen zu lernen. Ich plane, sieben bis zehn Kinder nach dem Gottesdienst zu befragen. Wenn sie richtig antworten, bekommen sie eine Kleinigkeit. Das Quiz gibt den Leuten die Möglichkeit, Erkenntnisse aus der Bibel zu gewinnen. Zum Beispiel über den Stammbaum Jesu im Matthäus-Evangelium. Hier frage ich zum Beispiel nach der Anzahl der genannten Frauen. Die Antwort ist übrigens fünf: Tamar, Rahab, Rut, Frau von Urija und Maria. Eine andere Frage ist zum Beispiel "Wie hieß der Vater von David?". Was ist der größte Unterschied zwischen Weihnachten in Deutschland und Weihnachten in Vietnam? In Deutschland ist es kalt und in Vietnam ganz warm. Kulturell ist es auch ganz anders. In Vietnam gibt es keinen Weihnachtsmarkt, keine Christstollen, keinen Glühwein und es gibt weniger gesetzliche Feiertage. In Deutschland ist der Advent klarer abgegrenzt, mit Rorate und Messen. Der feierliche Segen im Weihnachtsgottesdienst ist in beiden Ländern gleich. Außerdem gibt es auch eine vietnamesische Version von "Stille Nacht, heilige Nacht". Würden Sie gerne eine vietnamesische Tradition in Deutschland einführen wollen oder andersherum? Ich würde gerne einen Adventskranz einführen. Ich habe auch einen Adventskranz für meine Mitbrüder gemacht. Außerdem finde ich die Sternsinger, die Rorate und die Weihnachtskonzerte toll. Und den Nikolaus am 6. Dezember, den würde ich gerne mit nach Vietnam nehmen. Manche Pfarrer feiern hier mit den Kindern, das finde ich gut. Wird in Vietnam an Weihnachten gesungen, und gibt es ein bestimmtes traditionelles Weihnachtslied? Ja, es gibt das Lied "Hang Betlehem" - auf Deutsch also "Krippe Bethlehem". Wie feiern Sie in diesem Jahr persönlich Weihnachten? Ich wohne in der Kommunität und wir feiern gemeinsam. In der pastoralen Arbeit feiere ich auch mit den vietnamesischen Gemeinden. Wir haben außerdem ein Programm gestartet, das heißt "Das Herz der Barmherzigkeit für die Menschen in Laos". Wir rufen dazu auf, statt Geschenke zu kaufen Geld zu sparen, damit man es den armen Menschen in Laos geben kann. Dort werden sie von Missionaren unterstützt, die ihnen helfen, eine Ausbildung an der Nähmaschine zu machen. Das Interview führte Anna-Lena Ils vom Pressedienst des Ordinariats Würzburg (pow).

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