Coburg
coburg.inFranken.de  Wegen des überaus trockenen und heißen Sommers breiteten sich Borkenkäfer in Fichtenbeständen aus.

Wegen der Käfer war's ein schwieriges Jahr

"Das abgelaufene Wirtschaftsjahr war für die Waldbauern ein ungewöhnlich schwieriges Jahr." Mit diesem besorgten Rückblick begann Geschäftsführer Manfred Herter seinen Geschäftsbericht bei der Hauptve...
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Ein Borkenkäfer kriecht über eine Fichte. Die Schadinsekten breiteten sich wegen des Dürresommers 2018 in den heimischen Wäldern aus.  Foto: Matthias Hiekel, dpa
Ein Borkenkäfer kriecht über eine Fichte. Die Schadinsekten breiteten sich wegen des Dürresommers 2018 in den heimischen Wäldern aus. Foto: Matthias Hiekel, dpa

"Das abgelaufene Wirtschaftsjahr war für die Waldbauern ein ungewöhnlich schwieriges Jahr." Mit diesem besorgten Rückblick begann Geschäftsführer Manfred Herter seinen Geschäftsbericht bei der Hauptversammlung der "Waldbauernvereinigung Coburger Land" (WBV) am Freitag im Coburger Stadtteil Beiersdorf. "Infolge des Dürresommers hatten wir ein Holzeinschlags- und vermarktungsaufkommen, das die bisherigen Normaljahre deutlich überboten hat."

Dann ging es rasant nach oben

Bis Juli 2018 habe die Holzvermarktung noch bei rund 4500 Festmetern gelegen. Herter: "Danach kam alles anders als erwartet." Mit der Sommerdürre habe die Aufarbeitung und Vermarktung des Käferholzes begonnen. Die WBV habe bis Ende des Jahres 9500 Festmeter Käferholz aufarbeiten und vermarkten können.

Die WBV Coburg hatte zu Jahresbeginn 945 Mitglieder. Die Fläche, die die Mitglieder insgesamt bewirtschaften, betrug zu Jahresbeginn 12 585 Hektar.

2018 seien 15 516 Festmeter Holz durch die WBV bei 162 Geschäftsvorgängen vermarktet worden. Das war ein Jahresumsatz von knapp 1,191 Millionen Euro brutto. Beim Holzverkauf gebe es zwei Kategorien, erläuterte Herter: einmal der eigenwirtschaftliche Betrieb, zum andern das Vermittlungsgeschäft. Beim Vermittlungsgeschäft, dem kleineren Teil des Umsatzes, erfolge der Holzverkauf durch die Mitglieder direkt. Beim eigenwirtschaftlichen Betrieb sei die WBV als Kollektiv wesentliche Herrin des Verfahrens bei Bearbeitung und Marketing. "Der Durchschnittserlös lag beim Vermittlungsgeschäft bei 76,02 Euro pro Festmeter; bilanzierte Herter mit Blick auf 62,67 Euro pro Festmeter im zurückliegenden Jahr. Bei beiden Vermarktungsformen seien es in der Gesamtbetrachtung 66,3 Euro pro Festmeter gewesen. Herter: "Trotz des hohen Käferholzaufkommens ist der Durchschnittserlös lediglich um etwas über zwei Euro pro Festmeter gefallen."

Das Käferholzaufkommen 2018 gab Herter mit knapp 9500 Festmetern an, das seien 61,2 Prozent des Gesamtanfalls gewesen. "Der Anteil des Laubholzes liegt mit rund acht Prozent unter dem des Vorjahres mit 15,8 Prozent."

Gutes Ergebnis

Eine vor kurzem abgeschlossene Submission habe bei 424,52 aufgelegten Festmetern ein gutes Ergebnis gebracht, stellte der WBV-Geschäftsführer fest. Das habe es einen Gesamterlös von rund 170 000 Euro gegeben. Herter freute sich über die gute Holzqualität von Eichen, Bergahorn-Exemplaren, Kiefern und Lärchen. Es gebe einen steigenden Markttrend bei Eichen. Und: "Den Schwerpunkt für 2019 bildet jedoch weiterhin die Aufarbeitung und Vermarktung des Käferholzes."

Wichtiger Waldumbau

Forstdirektor Oliver Kröner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg und Lichtenfels stellte fest, dass das vergangene Jahr 2018 das heißeste und trockenste Jahr seit 1991 gewesen sei. Gerade in der Vegetationszeit von April bis Oktober habe es in Bad Staffelstein eine Niederschlagsmenge von lediglich 129 Millimetern gegeben. Waldumbau sei wichtiger denn je. Das Anbaurisiko für Fichten werde bis zur nächsten Jahrhundertwende enorm steigen. Dann könnte die Fichte in einem Mischwald nur noch in geringen Anteilen vorhanden sein. Es gebe weiterhin Fördermittel für Wiederaufforstungen, Naturverjüngungen und Jungbestandspflegen.

Besonders wies Kröner darauf hin, dass die erhöhte Förderung bei der Wiederaufforstung von Borkenkäfer- und Sturmschadenflächen bis Ende 2019 verlängert worden sei. "Sie gestalten mit Ihrem Eigentum unsere Kulturlandschaft", lobte Vize-Landrat Rainer Mattern die Waldbauern. Leitender Landwirtschaftsdirektor Harald Weber wies darauf hin, dass das Niederschlagsdefizit des vergangenen Jahres noch nicht ausgeglichen sei: "Ich bin für jeden Tropfen Regen, der jetzt noch fällt, dankbar."

WBV-Vorsitzender Wolfgang Schultheiß stelle die Bedeutung der Waldbauern in Bayern heraus. Rund 30 Prozent des Gebietes in Bayern seien Waldflächen. Außerdem sagte er: "Klimaschutz bedeutet Verzicht für uns alle!" Martin Koch

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