Forchheim

Wegbegleiter sagen "Ade, Reinhold"

Der Leiter der Forchheimer Stadtwerke wurde mit einer beeindruckenden Feier in den Ruhestand verabschiedet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Taschentücher schwenkend verabschiedeten sich Otto Trautner (l.) und Wolfgang Geus (r.) von Reinhold Müller (Mitte).  Foto: Josef Hofbauer
Taschentücher schwenkend verabschiedeten sich Otto Trautner (l.) und Wolfgang Geus (r.) von Reinhold Müller (Mitte). Foto: Josef Hofbauer
+3 Bilder

Josef Hofbauer Es waren Tränen der Rührung, gegen die Reinhold Müller, scheidender Leiter der Forchheimer Stadtwerke, bei seiner offiziellen Verabschiedung immer wieder ankämpfte. Bereits die herzlichen Umarmungen seiner Gäste waren mit Erinnerungen an viele gemeinsame Erlebnisse verbunden, die Anlass zu Wehmut gaben. So räumte Reinhold Müller ein: "Ich bin hin- und hergerissen zwischen Freude und Trauer."

Auch Zweiter Bürgermeister Franz Streit bestätigte in seiner Laudatio das Schiller-Zitat auf der Eintrittskarte zu dieser Feier. "Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich." Der Eletrotechniker und -ingenieur Müller sei ein "Stromer", den Energie von Kopf bis Fuß durchfließe, beschrieb Streit den langjährigen Weggefährten, der die Stadtwerke Forchheim auf den Stand der Zeit und an die Spitze der kommunalen Versorgungsunternehmen in Bayern gebracht habe.

"Stromer" durch und durch

Dank Kommunikation und Innovation habe Müller den einstigen Eigenbetrieb zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen weiterentwickelt, die Herausforderungen der zunehmenden Digitalisierung gemeistert und dafür gesorgt, dass der Begriff Ressourcen-Management Einzug hielt. Augenzwinkernd fügte Streit an: Müller sei auch ein Stromer, den Lokale fast magisch anzögen. Streit beschrieb Müller als "Mann der Ideen" und "unruhigen Geist", dem "der Herrgott aber auch die notwendige Bodenständigkeit verliehen" habe. Abschließend wünschte Streit dem Ruheständler Gelassenheit, Glück, Gesundheit, Gottes Segen und "alles Gute, mein Freund."

Lebensweisheiten

Die Nachfolger an der Spitze der Forchheimer Stadtwerke, der technische Geschäftsführer Christian Sponsel und der kaufmännische Geschäftsführer Mathias Reznik zeichneten anhand von Lieblingszitaten Müllers - die allermeisten von seiner Großmutter, die er sehr verehrt hatte - das Wesen ihres scheidenden Chefs nach.

Lebensweisheiten wie "ein Jagdhund ist keiner, wenn du ihn auf die Jagd tragen musst" oder "A höckada Kroha (eine hockende Krähe) find't nix!" prägten das Handeln Müllers. Aber alles Handeln habe er unter Gottes Segen gestellt. "Wo du nicht bist, Herr Jesu Christ, verstummen deine Lieder", erinnerten Sponsel und Reznik.

Müller habe aber auch das Motto von Heinz Schwab, dem ehemaligen Wirtschaftsförderer der Stadt, befolgt, der stets betont hatte: "Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt." Bevorzugt in den Brauereien Hebendanz und Neder, denn diese Wirtschaften liegen am Jakobsweg, so dass der Besuch für den frommen Christenmenschen zur lieben Pflicht geworden sei. Nach dem Motto "turne bis zur Urne" habe er für die Fitness seiner Mitarbeiter gesorgt. Ebenso wichtig war Müller der Leitspruch: "Gute Leute finden und binden."

Wohl am eindrucksvollsten charakterisierten Reznik und Sponsel den Menschen Reinhold Müller mit der Geschichte vom perfekten Herzen.

Hier hält ein Mann mit einem vernarbten Herzen einem jungen Menschen, der mit seinem perfekten Herzen geprahlt hatte, entgegen: "Ich möchte nicht mit deinem Herzen tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es meinen Mitmenschen und oft geben sie mir dann ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau gleich sind, habe ich einige Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten." Manchmal habe er aber auch nichts zurückbekommen.

"Liebe geben heißt auch, ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde."

Mehr Öko geht nicht

Wolfgang Geus, Geschäftsführer der Erlanger Stadtwerke, und Otto Trautner, Geschäftsführer der Omexom Frankenluk GmbH erinnerten ihrerseits mit komödiantischem Geschick an die lange Wegstrecke, die sie mit Reinhold Müller zurückgelegt haben.

Dabei unterstrichen sie die Vorbildfunktion und Leistungsbereitschaft des scheidenden Kollegen. "Mehr Öko geht nicht", zollten sie vor allem der Aufgeschlossenheit des bekennenden CSU-Manns Reinhold Müller für Biogas, Wasserkraftwerke vor Ort, Photovoltaikanlagen und eine "Mustersiedlung" in Forchheim vollstes Lob, das in dem musikalischen Ständchen "Wasserkraft und Sonnenschein" endete.

Auch "FoOne", die "Formel Eins des Internet", sei ein Verdienst Müllers, von dem sich schließlich alle Taschentücher schwenkend verabschiedeten.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren