Kulmbach

Weg im Geheimnis Gottes

Viel Beifall gab es für das Oratorium "Golgatha" in der Petrikirche. Es führt durch eindringliche Klang- und Textcollagen in das Mysterium von Tod und Auferstehung Christi.
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Die Kulmbacher Kantorei und das Orchester "musica juventa" aus Halle unter der Gesamtleitung von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn sind ein eingespieltes Team. Foto: Archiv/Stephan Herbert Fuchs
Die Kulmbacher Kantorei und das Orchester "musica juventa" aus Halle unter der Gesamtleitung von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn sind ein eingespieltes Team. Foto: Archiv/Stephan Herbert Fuchs
Margareta Schoberth

Berührend und eindringlich präsentierten die Kulmbacher Kantorei und das Orchester "musica juventa" unter der Leitung von Ingo Hahn den Kreuzweg "Golgatha". Der Komponist und Textdichter Michael Lippert, Kirchenmusiker an der Ordenskirche St. Georgen in Bayreuth, begleitete die bewegende Aufführung von der Orgel der Petrikirche aus.
Das Oratorium ist von den Prozessionen der Karwoche in Andalusien geprägt. Von Palmsonntag bis Ostern sind im Süden Spaniens die Menschen auf den Straßen, um leidenschaftlich und inbrünstig die Passion Christi zu feiern. Lebensgroße Figuren aus der Leidensgeschichte werden durch die Gassen getragen. Unheimliche Trommelschläge, dazu Posaunen, Trompeten und Pfeifen, die in hoch aufsteigenden Tönen klagen, weinen, triumphieren oder in zarten Melodien den Schmerz der Muttergottes ausdrücken, bilden einen archaisch anmutenden Klangteppich.
Eineinviertel Stunden nimmt das Oratorium "Golgatha" die Zuhörer in der Petrikirche mit auf den Kreuzweg, der wie in der Semana Santa, der heiligen Woche in Spanien, den Karfreitag als Tag des Todes und zugleich des Lebens feiert. Eröffnet wird das Oratorium mit dem eingängigen und mitreißenden "Sehet wir gehen hinauf, nach Jerusalem", das dann in einen Trauermarsch übergeht.
Der Chor intoniert die homophonen Sätze klar, markant, bewegt und mit großer Textverständlichkeit. Ingo Hahn erspürt die feinnervig die innere, seelische Bewegung, vermeidet überscharfe dramatische Ausschläge. Immer wieder wird angehalten auf dem Leidensweg, der unerbittlich auf Golgatha zuschreitet. Mit betontem Gestus zeigt der Chor auf die einzelnen Stationen des Geschehens: Seht, schaut, das Abendmahl, der Verrat des Judas, das Versagen der Jünger.
Das Orchester akzentuiert die Schritte des Gefangenen. Es weint mit Petrus, spottet mit der Menge und hält inne zur Anbetung des Gotteslamms. Instrumentalisierung, Melodieführung und Rhythmen zeigen den Einfluss der spanischen Passionsmusik, vor allem die dominante Trommel und die markanten Blasinstrumente.
Daneben hat der Komponist zeitgenössische Lieder aus dem evangelischen Gesangbuch und einen Hymnus der alten Kirche aufgenommen. So verschmelzen süd- und mitteleuropäische, katholische und protestantische Traditionen der christlichen Liturgie.
Von der Kanzel aus führt Rüdiger Baumann in der Rolle des biblischen Erzählers durch das Geschehen. Sein Vortrag ist bewegt, er moduliert als Evangelist stark, nimmt sich aber bei der Rezitation eines modernen Liebesgedichts eher nüchtern zurück und lässt Psalmen und Propheten schlicht und umso berührender zu Wort kommen.
Eine sehr persönliche Stimme im Tumult der Ereignisse verkörpert der Bariton Markus Simon in seinen Solo-Passagen. Die Verlassenheit Jesu, Entsetzen, Zuwendung zu den Menschen und Hingabe kommen in seiner klaren und warmen Interpretation der sieben Worten Christi zu einem musikalischen Höhepunkt. Dann der Tod. Ein lang gezogener Ton von der Orgel wie aus einer anderen Welt, das Beben der Erde. Stille. Läuten der Glocken vom Turm, Totenglocke, Osterglocken. Ein Moment der Anbetung, in dem die Zeit keine Rolle mehr spielt.
Am Ende dann die mystische Andeutung der Auferstehung: "Da haben die Dornen Rosen getragen." Die Strophe des Weihnachtsliedes ist zum Osterlied geworden. Der Weg des Gottessohnes ist vollendet.
Erst nach einer Pause der Ergriffenheit dankten die Zuhörer in der nahezu voll besetzten Petrikirche mit langem Beifall den Sängern und Musikern. Sie haben auf dem Weg im göttlichen Geheimnis geführt.
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