Herzogenaurach

Wasserlauf oder Kloake?

Seit dem Hochmittelalter führte ein kleiner Kanal von der einstigen Burg in den Schlossgraben. Die Archäologen stöbern weiter nach Schätzen der Vergangenheit. Die Brückenmauern am Römmelt-Tor sind jünger als gedacht.
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Fund im westlichen Schlossgraben: Man erkennt das Fundament der "neueren" Burgmauer und dahinter einen kleinen Kanal, der seit dem Hochmittelalter nach rechts in Richtung Burgmauer verlief.  Fotos: Bernhard Panzer
Fund im westlichen Schlossgraben: Man erkennt das Fundament der "neueren" Burgmauer und dahinter einen kleinen Kanal, der seit dem Hochmittelalter nach rechts in Richtung Burgmauer verlief. Fotos: Bernhard Panzer
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bernhard Panzer Weiterhin im Grabungsfieber ist der Archäologe Marco Goldhausen. Und mit ihm sind es die Mitarbeiter der Stadt. Denn rund ums Schloss sind neue Funde ans Tageslicht gerückt, weitere schlummern noch unter der Erde. Am Donnerstag informierte der Fachmann über die aktuellen Entdeckungen.

Weil ja das Gelände rund um das ehrwürdige Schlossgebäude zur Großbaustelle wird, haben die Archäologen die Möglichkeit, nach verborgenen Schätzen zu schauen. Im östlichen Schlossgraben, dort wo bislang der Kinderspielplatz angrenzte, ist jetzt ein bisher neuartiger Fund gemacht worden. Es handelt sich um einen kleinen Kanal, der wohl aus dem Hochmittelalter stammt.

Die Rinne dürfte von der einstigen Burg, also dem Vorgängerbau des Schlosses, über eine ebene Fläche zum Burggraben geführt haben, erläuterte Goldhausen. Ob da einst Wasser floss oder der Kanal als eine Art Kloake genutzt wurde, muss erst noch ermittelt werden. Jedenfalls muss der kleine Lauf bis ins 20. Jahrhundert hinein offen gelegen haben, worüber Abfallreste selbst aus Plastik Aufschluss geben.

Steiler Graben

Der Experte entdeckte sogar einen "Laufhorizont", der sich innerhalb des Burggeländes befand. Darauf deuten Keramikfunde hin. Dieser Pfad führte die Ringmauer entlang, die die Burg vor Eindringlingen schützte. Jenseits der Burgmauer war eine mehrere Meter breite Fläche, bevor sich offenbar eine Stützmauer anschloss. Dahinter wiederum muss dann der Burggraben steil abgefallen sein. Dort, wo bislang der Spielplatz war und auch wieder hinkommt.

Spannend ist eine weitere Geschichte. Unterhalb dem Fundament der Ringmauer aus dem 15. Jahrhundert, auf das man an verschiedenen Stellen stieß, muss noch eine ältere Mauer liegen. Diese dürfte aus der Stauferzeit stammen, also bis ins 12. Jahrhundert zurück reichen.

Richtige Grabungen folgen

Diese hochmittelalterliche Ringmauer, wie Goldhausen es feierlich formuliert, habe man jetzt noch nicht freilegen können, weil schlicht die Zeit fehlt. Das aber werde nachgeholt. Denn nach dem Abbruch des Rathauses folgen die eigentlichen archäologischen Grabungen. Bislang sind es ja noch Voruntersuchungen.

Neue Erkenntnisse gibt es auch zur Brücke, die vor ein paar Wochen im Steinweg freigelegt worden ist. Forschungen im Stadtarchiv durch Museumsleiterin Irene Lederer haben ergeben, dass diese allerdings nicht im 17. Jahrhundert, sondern erst hundert Jahre später gebaut wurde. Lederer stieß in einem alten Ratsprotokoll auf den Auftrag zum Brückenbau. Ein gewisser Konrad Winkelmann hat diese wohl errichtet und 45 Goldgulden dafür erhalten.

Wenig Geld, wie Goldhausen anmerkt. Vermutlich hat der Baumeister deshalb auch Mauerreste und Ziegelbruch aus vergangenen Zeiten verwendet, um zu sparen, oder auch Steine der Burg, die vor dem Schlossbau abgerissen worden war.

Ratsprotokolle bis 1409

Der Eintrag im Protokoll deutet laut Goldhausen darauf hin, dass Winkelmann damals aber "mächtig übertrieben" habe. So sei von einer Brücke mit vier Bögen und 70 Metern Länge die Rede gewesen - viel zu viel, wie der Archäologe meint. Geschuftet hat er wohl trotzdem: "Der hat die Abbruchsteine mit dem Karren über den Marktplatz gefahren."

Vielerlei Schätze aus vergangenen Jahrhunderten schlummern also in Herzogenaurach. Nicht nur vergraben unter der Erde, auch im Stadtarchiv im Keller des Rathauses. Die alten Ratsprotokolle, die Irene Lederer nur mit weißen Handschuhen anfasst, reichen sogar bis ins Jahr 1409 zurück.

Ein Geheimnis aber bleibt nach wie vor: Wo mag nur der legendäre Königshof versteckt sein?



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