Hirschaid

Wasser: viel Geld und viel Arbeit

Der im Bau befindliche Hochbehälter für Hirschaid verschlingt 2,7 Millionen Euro. Beim einem Tag der offenen Tür der Wasserversorgung fand jetzt die Grundsteinlegung statt.
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Mit vereinten Kräften kommt der Betondeckel drauf: Fertig ist der Grundstein des neuen Wasserhochbehälters. Foto: Werner Baier
Mit vereinten Kräften kommt der Betondeckel drauf: Fertig ist der Grundstein des neuen Wasserhochbehälters. Foto: Werner Baier

Wer der Einladung zum Tag der offenen Tür der Wasserversorgung folgte, lernte den Markt Hirschaid als Discounter kennen, zumindest was den Erwerb von hochwertigem Trinkwasser betrifft. Diplom-Ingenieur Winrich Bussinger vom Büro Höhnen & Partner rechnete den im Bauhof zahlreich versammelten Hirschaidern vor, dass eine dreiköpfige Familie bei einem Tagesverbrauch von drei Litern Wasser als Durstlöscher übers gesamte Jahr gesehen nur etwa zwei Euro ausgeben muss. Die gleiche Menge Trinkwasser in Flaschen, etwa 1100 Liter, koste im Supermarkt bis zu 670 Euro und im Sonderangebot beim Billigdiscounter wenigstens 140 Euro.

Und dabei, so Bussinger, sei doch das Leitungswasser noch viel bequemer zu nutzen (Einkaufsfahrten und das Kisten schleppen entfallen). Und die Umwelt profitiere auch noch, denn für das Reinigen von Pfandflaschen und Kästen werde zusätzlich eine Menge Wasser verbraucht; Einweg-Plastikflaschen seien ebenfalls umweltbelastend.

Mit dieser Rechnung trat Bussinger der allenthalben erhobenen Kritik an der Steigerung des Wasserpreises von 1,60 auf 1,75 Euro entgegen. Das Hirschaider Wasser bleibe auch nach der Preiserhöhung äußerst günstig. Nötig wurde sie vor dem Hintergrund Millionen teurer Investitionen in die kommunale Trinkwasseranlage, die einerseits in Folge des Bevölkerungswachstums und der Bautätigkeit ertüchtigt werden muss. Andererseits müssen einige Quellen geschlossen oder saniert werden; es reichen teilweise die Trinkwasserreservoirs nicht oder es müssen Wasserleitungen ergänzt und erneuert werden.

2006 verbrauchten 11 600 Hirschaider 640 000 Kubikmeter, 2018 sprudelten bei 12 500 Einwohnern 760 000 Kubikmeter aus Hähnen und Gartenschläuchen. Weil die Kälberbergquellen nicht mehr so ergiebig sind wie früher und weil in den Hochbehältern Seigendorf, Friesen und Hirschaid ein Speicherdefizit von bis zu 1540 Kubikmetern besteht, waren dauerhafte Versorgungsengpässe programmiert. Kurzfristige Ausfälle entstehen durch Rohrbrüche oder mechanische Beschädigungen von Hauptleitungen oder in Folge von Verunreinigungen, mal durch einen eingedrungenen Siebenschläfer oder vom Wind verwehte Jauche.

Davon hatte "Wasserwart" Ronald Welsh ein Lied zu singen. Er muss immer wieder seine Kompetenz als "Fachkraft für Wasserversorgungstechnik" unter Beweis stellen und erfreut sich dabei der zuverlässigen Unterstützung des gemeindlichen Bauhofs.

Eine Entlastung um 50 000 Kubikmeter/Jahr brachte die Eigenwasserversorgung der Frankenlagune (Investitionsaufwand: 135 000 Euro) sowie der Anschluss an die Fernwasserversorgung Oberfranken (315 000 Euro). Als weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserversorgung in Hirschaid-Ost und -West nannte Ingenieur Bussinger die Grundwassererschließung, den Hochbehälter und die Erweiterung der Aufbereitungsanlage für Seigendorf mit einem Aufwand von 1,2 Millionen Euro.

Nachholbedarf decken

Der im Bau befindliche Hochbehälter für Hirschaid verschlingt einschließlich der erdverlegten Rohrleitung 2,7 Millionen Euro. 280 000 Euro sind für die Generalsanierung des Hochbehälters Friesen nötig, für 140 000 Euro wird der Hochbehälter am Mainberg saniert. Eine zweite Einspeisung für Friesen kostet 145 000 Euro. Summe bisher: 4,9 Millionen Euro. Es stehen noch aus die Sanierung und Ertüchtigung der Kälberbergquellen für rund 1,1 Millionen Euro und die Erweiterung des Hochbehälters Mainberg mit einem Aufwand von rund 900 000 Euro. Derzeit nicht zu beziffern sind die Kosten von Rohrnetzerweiterungen und -verknüpfungen.

Bürgermeister Klaus Homann (CSU) ist es ein großes Anliegen, den lange aufgestauten Nachholbedarf zu decken, "damit wir das Wasser nicht von der Feuerwehr im Tankwagen ausfahren lassen müssen". Umso mehr freut er sich über die erreichten Erfolge, etwa den einheitlichen Härtegrad des Leitungswassers in Seigendorf oder die Sicherstellung des Dargebots auch an Spitzenverbrauchstagen durch den Anschluss an die FWO.

Homann verwies ferner auf gemeinsame Bemühungen mit einer Reihe von Nachbargemeinden, durch Investitionen in die Schlammtrocknung die Abwasserbeseitigung voranzubringen. Während einer Besichtigungsfahrt mit dem Omnibus lernten die interessierten Besucher die derzeitigen Wasser-Baustellen der Marktgemeinde kennen. Höhepunkt war die Teilnahme an der Grundsteinlegung für den Hirschaider Hochbehälter.

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