Forchheim

Was soll nur aus ihr werden?

Seit 40 Jahren berät der Caritas-Kreisverband besorgte Eltern. Oft ist es das Thema Pubertät, das schwierige Fragen aufwirft. Helene Wölfel-Wagner und Markus Messingschlager haben darauf interessante Antworten.
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Selbst wenn sich Kinder während der Pubertät ekelhaft verhalten, sollten Eltern nie aufhören, auf die Kinder zuzugehen, rät Helene Wölfel-Wagner, die Leiterin der Erziehungsberatung bei der Caritas des Landkreises Forchheim: "Satt zu verbieten, sollten sich die Eltern interessieren."  Foto: dpa
Selbst wenn sich Kinder während der Pubertät ekelhaft verhalten, sollten Eltern nie aufhören, auf die Kinder zuzugehen, rät Helene Wölfel-Wagner, die Leiterin der Erziehungsberatung bei der Caritas des Landkreises Forchheim: "Satt zu verbieten, sollten sich die Eltern interessieren." Foto: dpa

Ekkehard Roepert Forchheim —  Kinder entwickeln sich zu neuen Persönlichkeiten, distanzieren sich von ihren Eltern und treiben sie dabei an den Rand des Wahnsinns. Dieses Phänomen ist seit rund zwei Jahrtausenden dokumentiert und in der jüngeren Zeitgeschichte unter dem Stichwort Pubertät bekannt. Wer sich, wie

Helene Wölfel-Wagner und Markus Messingschlager, professionell mit Erziehungsberatung beschäftigt, weiß um die nie endende Aktualität des Themas. Weil die Anfragen besorgter Eltern seit Jahren kein Ende nehmen, haben sich die Diplom-Sozialpädagogin und der Diplom-Psychologe diesem Thema auch im 40. Jubiläumsjahr der Caritas-Erziehungsberatung gewidmet.

An der Konfrontation zwischen Eltern und Kindern (etwa im Alter zwischen 12 und 18 Jahren) habe sich nichts geändert. Lediglich, der Stoff, an dem sich dieser Ärger entzündet, sei immer wieder neu, sagt Sozialpädagogin Wölfel-Wagner. In ihrer eigenen Jugend hätten die Eltern entnervt auf die "endlosen Telefonate" der Kinder reagiert; oder darauf, dass sich die Jugendlichen zu lange an den Bushaltestellen herumtrieben. "Heutzutage stehen in der Pubertät Themen wie Handy- und Internetnutzung im Vordergrund."

Typische Pubertätsgeschichten im Jahr 2018 hören sich so an: M., eine gute Schülerin, verändert plötzlich ihr Verhalten. Der 14-Jährigen scheint alles andere wichtig: Schminken, Klamotten, Freundinnen, Partys. Sie sagt, dass Lernen was für Streber sei. "Hauptsache das Schuljahr ist geschafft."

In diesem Fall reagierten die Eltern "verzweifelt", erzählt Helene Wölfel Wagner. Sie fragen sich: Was soll nur aus unserer Tochter werden? Sie könnte mir wenig Aufwand eine gute Schülerin sein. Aber keine Ermahnung, kein Ratschlag hilft. M. zieht sich zurück, macht erst recht, was sie will. Jede Ansprache durch die Eltern ist ein Anlass für einen lautstarken Konflikt. Die Eltern fühlen sich machtlos und resignieren. Schimpfen und Verbote zeigen keine Wirkung. An Abmachungen hält sie sich nicht. Am Abend kommt sie nach Haus wann sie will, kürzlich sogar sichtlich angetrunken...

Oder dieses Fallbeispiel: Die besorgten Eltern von C. erleben, wie sich das Kinderzimmer ihres 15-jährigen Sohnes zu einem Schlachtfeld entwickelt. Neben Wäschebergen türmen sich Müslischalen mit eingetrockneten Resten und leeren Energydrink-Flaschen. Er ist nur noch mit Headset am PC oder mit Smartphone anzutreffen. Selbst bei den Mahlzeiten ist er nicht bereit, das Handy wegzulegen. Er hat doch mal so gut Tischtennis gespielt. Er ist der Meinung, dass E-Sport die Zukunft sei. Und er ist überzeugt: "Die Eltern haben keine Ahnung!"

Am Morgen nicht wach zu kriegen

Was tun, wenn Eltern mit dem aus ihrer Sicht ungesunden Verhalten ihrer Kinder konfrontiert sind? Wenn der Sohn nachts nicht ins Bett geht und am Morgen nicht wach zu kriegen ist und wenn er seine Freundschaften vernachlässigt und nur noch zu Hause sitzt.

Eine konsequente Haltung der Eltern sei sinnvoll, sagt Pädagogin Wölfel-Wagner. Betont aber: "Strenge allein hilft nichts. Es bedarf einer Veränderung der Rolle der Eltern. Sie müssen lernen, zu begleiten, statt zu schützen und führen."

Das ist die gute Nachricht, die Helene Wölfel-Wagner und Markus Messingschlager den Eltern pubertierender Eltern überbringen können: Die meisten Fälle sind lösbar!

"Während Jugendliche rebellieren und sich emotional von den Eltern lösen, um zur eigenen reifen Identität zu finden, bleibt den Eltern die Aufgabe, diese manchmal herausfordernde und auch spannende Zeit zu begleiten", weiß Caritas-Psychologe Messingschlager. Entscheidend sei, betont Wölfel-Wagner, die Leiterin der Erziehungsberatung, einen festen Rahmen zu schaffen: "Innerhalb der Regeln sollten Kinder Freiheit bekommen. Etwa kann ein Zeitbudget für das Smartphone und das Internet festgelegt werden. Mit dem Hinweis: Wenn du die Zeit überschreitest, wird das morgen vom Budget abgezogen." Solche Regeln müssten "klar abgesprochen sein.

"Es darf nicht willkürlich sein, daher müssen die Eltern immer wieder das Gespräch suchen."



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