Bamberg

Was soll ich studieren?

Die Universität Bamberg bietet Beratungen bei Zweifeln am Studium an.
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Wohin geht der Weg? Die Universität Bamberg hilft bei der Weichenstellung. Foto: Katharina Thoma/Universität Bamberg
Wohin geht der Weg? Die Universität Bamberg hilft bei der Weichenstellung. Foto: Katharina Thoma/Universität Bamberg

Falsche Erwartungen, Erkrankungen oder finanzielle Probleme: Die Gründe für Zweifel am Studium sind vielfältig. Philip Naser etwa studiert an der Universität Bamberg und ist sich nicht mehr sicher, ob ihn sein Studiengang wirklich auf das gewünschte Berufsfeld vorbereitet. In einem solchen Fall bietet die Uni Bamberg gemeinsam mit Kooperationspartnern Beratungen an.

Kurz vor den Prüfungen im ersten Semester nagen Zweifel an ihm. Zweifel an seinem Bachelorstudium. Philip studiert Politikwissenschaft als Hauptfach. In den kommenden Jahren müsste er viel Zeit investieren, mehrere Hausarbeiten schreiben - und wozu das alles? "Dann haben mir Absolventen erzählt, dass sie die meisten Inhalte aus ihrem Studium im Beruf nicht mehr benötigen", erinnert sich der 21-Jährige. Aber Interesse an dem Fach hat er nach wie vor. Was soll er jetzt tun?

Philip Naser ist nicht der einzige Student an der Universität Bamberg, der Zweifel hat. "Zu zweifeln ist ein wesentliches Element von Bildungsprozessen", weiß Prof. Frithjof Grell, Vizepräsident für Lehre und Studierende. Alle Studenten kennen mehr oder weniger starke Zweifel. "Manche merken, dass ihnen ihr Nebenfach nicht gefällt, andere überlegen, das Studium komplett abzubrechen", erzählt Kai Imhof aus seinem Alltag in der Zentralen Studienberatung.

In der Zentralen Studienberatung sind Zweifel das ganze Jahr über präsent. Häufungen gibt es im Januar, weil Erstsemester an Weihnachten mit Verwandten gesprochen haben und zwei Wochen Zeit zum Nachdenken hatten. Außerdem kommen Studenten öfter ins Grübeln, wenn sie ihre Prüfungsergebnisse erhalten haben. An dieser Stelle betont Kai Imhof: "Zweifeln führt nicht automatisch zum Studienabbruch." Wie oft das Studium tatsächlich abgebrochen wird, könne nur geschätzt werden, weil es unter anderem aus datenschutzrechtlichen Gründen keine flächendeckende Erhebung der Zahl gebe.

Grundsätzlich gilt: Je früher Studenten merken, dass sie einen anderen Weg einschlagen möchten, desto geringer sind die Kosten für den Einzelnen und den Staat. Öffentliche Universitäten gaben durchschnittlich 8500 Euro pro Student im Jahr 2014 aus, wie das Statistische Bundesamt 2017 bekanntgab. Finanziert wurde dies von den Bundesländern, die entsprechend ein großes Interesse daran haben, dass sich potenzielle Studienabbrecher bald entscheiden.

Philip Naser weiß, dass er weiterstudieren möchte. Die Frage ist nur: Was? Er überlegt sich, Politikwissenschaft zu behalten, weil ihn der Studiengang interessiert und er sich seine bisherigen Leistungen anrechnen lassen kann. Zusätzlich möchte er sich gezielt auf berufliche Tätigkeiten im Rechnungswesen oder in der Geschäftsführung vorbereiten. Die passenden Inhalte verspricht er sich durch die Nebenfächer BWL und VWL, die er statt seines bisherigen Nebenfachs "European Economic Studies" (EES) studieren möchte. Mit dieser Idee ruft er in der Zentralen Studienberatung an, wo er unter anderem erfährt, dass man Politikwissenschaft nicht im Hauptfach eines Dreifach-Bachelors studieren kann.

Suche nach den Gründen

Während Philip sich mit Blick auf seine Berufswünsche neu orientiert, zweifeln andere Studenten zum Beispiel, wenn sie erkranken, Angehörige pflegen müssen oder sich das Studium finanziell nicht leisten können. Zweifel entstehen auch, weil die Leistungsanforderungen des Studiums zu hoch sind oder die Erwartungen an den Studiengang falsch waren. Sind die Gründe bekannt, können Studienberater Tipps geben und weitere Ansprechpartner nennen.

Philip Naser sucht als Nächstes bei den Fachstudienberatern für Politikwissenschaft Hilfe. Sowohl an der Universität Bamberg als auch an der Universität Würzburg. Beide Fachstudienberater merken an, dass ein Wechsel der Universität nichts bringe, wenn er finde, dass ihn die politikwissenschaftlichen Inhalte nicht auf sein gewünschtes Tätigkeitsfeld vorbereiten. Also in Bamberg bleiben und den Studiengang komplett wechseln?

Ein wichtiger Grund für solche Beratungsangebote ist laut Universitätspräsident Prof. Godehard Ruppert: "Als Universität haben wir einen Bildungsauftrag und eine gesellschaftliche Verantwortung. Dazu gehört auch, dass wir Studieninteressierte über unsere Studiengänge informieren. Und dass wir im Studium Beratungen zu den beruflichen Möglichkeiten anbieten."

Bis sich Philip Naser über konkrete Arbeitsstellen Gedanken macht, hat er noch Zeit. Er beendet jetzt erst mal sein Studium an der Universität Bamberg. Seit dem Wintersemester 2018/19 ist er für den Ein-Fach-Bachelorstudiengang BWL eingeschrieben - ein Fach, das ihn auf sein gewünschtes Berufsfeld vorbereitet. Bei dieser Entscheidung haben ihm neben der Zentralen Studienberatung und der Fachstudienberatung auch Gespräche mit Studenten aus höheren Semestern geholfen, denn: "Sie konnten mir aus eigener Erfahrung sagen, was ich in Politikwissenschaft und BWL jeweils lernen würde." pa

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