Coburg
Begegnung

Was macht denn dieser Künstler hier im Hofgarten?

Carolin Herrmann Noch voll im Gange sind die Sommerfestspiele des Landestheaters im Hofgarten, an einem neu entdeckten sehr stimmungsvollen theatralen Platz, dem Herzog-Alfred-Brunnen. Der liegt prakt...
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Carolin Herrmann Noch voll im Gange sind die Sommerfestspiele des Landestheaters im Hofgarten, an einem neu entdeckten sehr stimmungsvollen theatralen Platz, dem Herzog-Alfred-Brunnen. Der liegt praktischerweise zwischen zwei entzückenden, 1754 errichteten Pavillons, die jetzt für die Bewirtung bei dem poetisch-gewitzten Open Air "Shakespeare in Love", dem ballettösen "Sommernachtstraum" und dem fechtenden Familienstück "Robin Hood" genutzt werden. Dabei stoßen die Besucher auf herausragende moderne Kunst, auf Benno Nolls bundesweit renommierte und gehandelte Malerei in sehr spezieller Technik, und auf den Künstler selbst.

Viele sind ziemlich überrascht. "Die Besucher wissen doch sehr wenig über mich und viele denken, das dies nur eine temporäre Aktion zum Theater ist", muss er dabei feststellen, obwohl Benno Noll schon 2013 den von der Stadt sehr schön renovierten Pavillon als Atelier und Galerie übernommen hat.

Eigenwillige Technik

Er nannte sie 10grad58east, was den geografischen Punkt im Hofgarten bezeichnet. Benno Nolls vollkommen eigenständige Gemälde sind längst in Museen und Sammlungen vertreten, er kann auf zahlreiche Ausstellungen im Bundesgebiet verweisen. Noll betreibt eine Art Wandmalerei auf Holztafeln. In eine getrocknete Gips-Spachtelmasse gräbt er die Linien seiner Bilder ein. Die Vertiefungen füllt er mit einer Mischung aus Eisenspänen und flüssigem Acryl. Dann wird stundenlang gewässert, das Eisen korrodiert, es entstehen jene für Noll typischen Brauntöne im Paradox zwischen stumpfer Abgestorbenheit und erdiger Lebendigkeit. Er kratzt wieder heraus, arbeitet mit Acrylfarbe und Pinsel nach, bis alle Kontraste stimmen.

Neben den aus der rostigen Vergänglichkeit von Eisenspänen geschaffenen Porträts von Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, von Ghandi, Klaus Kinski oder Martin Luther King etwa, und sonstigen Gemälden ist jetzt eine neue Folge von Bildern zu erleben, die Noll nach den Indianer-Fotografien von Edward Curtis (1868 - 1952) geschaffen hat: Curtis reloaded.

Benno Noll wurde 1958 in Odenbach in der Pfalz geboren. Er hat Grafikdesign in Bielefeld studiert und arbeitet seit Mitte der 80er Jahre als freier Künstler. Seine materielle Existenz sichert er sich durch die Anstellung im benachbarten Naturkundemuseum. - Noll, seine Kunst und der Pavillon sind stets einen Besuch, einen Spaziergang auf halbe Höhe des Hofgartens, wert.

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