Herzogenaurach

Was kostet die "alte Puma"?

Die CSU-Stadtratsfraktion will prüfen lassen, ob die Stadt das Interimsrathaus kaufen kann und zu welchem Preis. Man befürchtet eine Explosion der Kosten. Die SPD reagiert mit Kopfschütteln.
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Die ehemalige Puma-Verwaltung in der Würzburger Straße dient als Interimsrathaus. Die CSU regt Verhandlungen mit dem Immobilienbesitzer an, damit die Stadt das Gebäude eventuell erwirbt.  Foto: Michael Busch
Die ehemalige Puma-Verwaltung in der Würzburger Straße dient als Interimsrathaus. Die CSU regt Verhandlungen mit dem Immobilienbesitzer an, damit die Stadt das Gebäude eventuell erwirbt. Foto: Michael Busch

Bernhard Panzer Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Die CSU-Fraktion hat sich mit einem Antrag an den Bürgermeister gewandt, der das Interimsrathaus in der früheren Puma-Verwaltung in der Würzburger Straße betrifft. Demnach will man prüfen lassen, ob die Stadt das Gebäude kaufen kann, und welchen Preis der neue Investor verlangt.

Bürgermeister German Hacker äußert sich vor der Behandlung im Stadtrat nicht inhaltlich, die SPD-Fraktion hat allerdings Stellung bezogen und äußert sich verwundert.

Hintergrund des Antrags ist nach Aussage des stellvertretenden CSU-Fraktionsvorsitzenden Walter Drebinger die Sorge um die Finanzen. Denn "jeder Monat, den wir länger Pacht zahlen müssen, kostet wahnsinniges Geld", behauptet Drebinger. Und das Mietverhältnis könne noch eine lange Zeit in Anspruch nehmen, meint er.

Die Fraktion nennt Verzögerungen beim Neubau des Rathauses als Begründung ihrer Sorge. "Nicht zuletzt im Hinblick auf die derzeitige konjunkturelle Lage zeichnet sich bereits heute ab, dass die Errichtung des neuen Rathauses nicht innerhalb des ursprünglich geplanten Zeitrahmes zu bewerkstelligen sein wird", heißt es im Antrag wörtlich. Denn schon beim ersten großen Gewerk - dem Kellerabbruch und der Einrichtung der Baugrube durch Bohrpfähle - habe es eine Verschiebung von zwei bis drei Monaten gegeben, sagte Drebinger. Das habe die Stadt durch das Vorziehen der archäologischen Arbeiten zwar ausgleichen können, aber es folgen ja noch weitere große Gewerke. "Wir haben noch keinen einzigen Stein vergeben", sagt der Stadtrat. Und ergänzt: "Wir machen uns Sorgen, dass die Bauzeiten nicht eingehalten werden können."

Erwerb wirtschaftlicher?

Die Fraktion sieht Einsparpotenzial, wenn man statt einer verlängerten Anmietung das Gebäude erwirbt. "Das können wir dann auch wieder verkaufen", sagt Drebinger. Im Idealfall könnte die Stadt sogar noch Gewinn dabei machen. Im offiziellen, von Jurist und Stadtratskollegen Frank Gäbelein verfassten Antrag heißt es wörtlich: "...gilt es abzuklären, ob ein Erwerb der Immobilie im Hinblick auf den zu erwartenden langen Anmietzeitraum sich nicht als wirtschaftlichere und bessere Alternative - gerade auch im Hinblick auf eine zukünftige Nutzung - darstellt."

Auf diese angesprochene zukünftige Nutzung wird nicht näher eingegangen. Offensichtlich ist aber, dass die CSU eine Tendenz meint, die sie in Teilen der Bevölkerung erkennt. Fraktionsvorsitzender Bernhard Schwab sagte: "Die Stimmen werden immer lauter, dass wir den Rathaus-Neubau überprüfen sollen". Das geschehe mit diesem Antrag. Schwab: "Wir vergeben uns ja nix dabei." Das sieht auch sein Vize Drebinger so. Wenn man nach der Überprüfung erfährt, dass ein Erwerb des Interimsrathauses eine astronomische Summe kosten würde, "dann bräuchten wir einen eventuellen Rathaus-Neubau gar nicht mehr zu prüfen." Denn eines nennt Drebinger als wesentlich: "Ich will das Einsparpotenzial."

Bürgermeister German Hacker (SPD) bestätigte auf Anfrage des FT den Eingang des Antrags und sicherte zu, dass dieser selbstverständlich behandelt wird. Ansonsten blieb er seinem Prinzip treu, was Anträge von Fraktionen zum Stadtrat angeht: Inhaltlich äußerte sich Hacker im Vorfeld der Sitzung nicht. Anzunehmen ist freilich, dass der Bürgermeister dem Wunsch nicht folgen wird. Nicht zuletzt hat die Verwaltung ja auch schon etwaige Verzögerungen mit berücksichtigt, wie der FT am 19. Januar berichtete ("Vier bis sechs Jahre im 'neuen' Rathaus"). Das Mietverhältnis wurde demnach auf eine Dauer von vier Jahren plus zweimal ein Jahr Verlängerungsoption abgeschlossen.

Reaktion der SPD

Stellung bezogen hat am Nachmittag Sandra Wüstner als stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion. Sie habe sich über den Antrag schon sehr gewundert, sagte sie. Die Verzögerungen seien angesichts eines solchen Großprojekts doch im Rahmen, meinte sie. Außerdem sei sich der Stadtrat einig gewesen, dass Mieten die bessere Lösung sei. "An den Fakten hat sich doch nichts geändert", stellt die SPD-Stadträtin fest. Und betont: "Die Stadtverwaltung ist kleine Immobilienfirma."

Auch zum Standort eines neuen Rathauses äußert sich Wüstner. "Das Rathaus gehört in den Kern der Innenstadt. Die SPD steht dazu!" Die Fraktion sehe keine Notwendigkeit, darüber nachzudenken. Für sie sei die alte Puma-Verwaltung keine Alternative als Rathaus, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

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