Coburg
KOMMENTAR von Christian Pack

Was der VfL vom HSC lernen kann

Es ist noch gar nicht so lange her, da wäre der HSC Coburg als krasser Außenseiter ins Duell gegen den VfL Gummersbach gegangen. Spätestens nach dem Abstieg des oberbergischen Traditionsvereins ist de...
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Es ist noch gar nicht so lange her, da wäre der HSC Coburg als krasser Außenseiter ins Duell gegen den VfL Gummersbach gegangen. Spätestens nach dem Abstieg des oberbergischen Traditionsvereins ist der Gastgeber heute aber mindestens auf Augenhöhe.

Das ist nur wenig verwunderlich: Der Abstieg der VfL war dramatisch, letztlich aber ein Absturz auf Raten. In einer Stadt, in der die Kinder davon träumen, das blau-weiße Trikot zu tragen, wurde die Marke VfL sukzessive beschädigt. Das lag zum einen an den (zu) vielen Köpfen, die schon immer ein Stück vom Kuchen abhaben wollten, eine moderne Vereinsführung aber nie im Blick hatten. Das lag zudem an dem Kuchen selbst, der schon länger nicht mehr üppig belegt ist, weil sich die Sponsorensuche aufgrund der Verfehlungen der Vorjahre äußerst schwierig gestaltet - und trotzdem bis zuletzt üppige Gehälter gezahlt wurden.

Und das lag am beharrlichen Festhalten an der wuchtigen Tradition. Zwei Beispiele: Obwohl die Fernsehsender bei der altehrwürdigen Eugen-Haas-Sporthalle regelmäßig Probleme hatten, einen passenden Standort für ihre Kameras zu finden, wurde ein Hallenneubau viel zu spät realisiert. Zudem verließen unzählige talentierte Jugendspieler aufgrund fehlender Perspektive Jahr für Jahr frustriert den Verein. Erst nach dem Abstieg setzt man notgedrungen auf Kräfte aus dem eigenen Nachwuchs. Das freut die Anhänger (es wurde ein Dauerkartenrekord aufgestellt), führt aber auch dazu, dass der VfL weit davon entfernt ist, durch die Liga zu spazieren.

Für die VfL-Verantwortlichen dürfte es sich lohnen, beim Besuch in Coburg etwas genauer hinzuschauen. Hier findet man etwas weniger Titel und Tradition, dafür aber ein nachhaltiges Konzept. Jan Gorr hat es geschafft, durch eine punktuelle Transferpolitik und eine erkennbare Vision den HSC zu einer festen Größe in der 2. Liga zu machen. Das Tor zur 1. Liga hat sich bisher zwar erst ein Mal geöffnet. Gleichwohl hat sich der HSC finanziell aber nicht übernommen und ist durchgereicht worden wie viele andere Vereine.

c.pack@infranken.de

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