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Großenhül

Was der Aberglaube heute lehrt

Adrian Roßner war zu Gast in Großenhüll und informierte im Dorfhaus über die Rauhnächte.
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Adrian Roßner während seines Vortrages im Großenhüler Dorfhaus Foto: Jürgen Valentin
Adrian Roßner während seines Vortrages im Großenhüler Dorfhaus Foto: Jürgen Valentin

Obwohl Adrian Roßner mittlerweile sogar eine eigene TV-Reihe im Bayerischen Fernsehen hat - "Adrians G‘schichtla" im Rahmen der Serie "Wir in Bayern" - gab es bei seiner Premiere in Großenhül tatsächlich noch einige Besucher, die ihn bislang weder live erlebt noch von ihm gehört hatten. Dieser Personenkreis war unter den rund 80 Zuhörern im vollbesetzten Dorfhaus freilich in der Minderheit. Doch spätestens nach seinem Vortrag "Rauhnächte - Aberglaube und Brauchtum während der Feiertage" dürfte der 29-Jährige aus Zell seinen Fankreis um die erwähnte Minderheit erweitert haben.

Roßner arbeitet u. a. als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Team des im Thurnauer Schloss angesiedelten Instituts für Fränkische Landesgeschichte und an der Uni Bayreuth (Englische Fachdidaktik) als Dozent in der "Qualitätsoffensive Lehrerausbildung". Seine große Liebe seit früher Kindheit gilt jedoch der Heimatforschung.

Bei seinem Vortrag in Großenhül räumte Roßner u. a. die Legende beiseite, der Aberglaube entstamme dem Heidentum. Nein, es sei der Urinstinkt des Menschen, dem der Aberglaube entspringt: Die Angst, die entweder zu Kampf oder Flucht führt und eine der wichtigsten Schutzfunktionen des Menschen ist. "Instinkt vor Logik" lautete demnach vor allem zu früheren Zeiten das Verhaltensmuster in Krisensituationen.

Wer kennt sie nicht, die Augenblicke, wenn die Stille durch ein plötzliches Geräusch zerrissen wird, was dann oftmals zu übertriebenen Abwehrreaktionen führt. Dass dieses Verhalten in früheren Zeiten, als vieles im Vergleich zu heute noch nicht derart licht- und erklärungstechnisch ausgeleuchtet war, einen bleibenden Eindruck hinterließ, ist für Roßner verständlich.

Alles soll nachvollziehbar sein

Hinzu komme eine zweite Komponente: Die Erklärungssucht des Menschen, für den alles nachvollziehbar sein muss. Gebe es aber dennoch etwas vermeintlich Unerklärliches, wurde dies früher übernatürlichen Phänomenen und höheren Mächten zugeschrieben. Um die Kontrolle über derartige Situationen wieder zu behalten, setzte man Zoßner zufolge in früheren Zeiten auf Rituale, die unbedingt eingehalten werden mussten. Oder man kaufte sich vom fahrenden Volk sogenannte "Himmelsbriefe". Diese Schriftstücke, die man heute noch oft in alten Gebäuden findet, beinhalteten mysteriöse Formeln in unerklärlicher Sprache.

Im zweiten Teil seines Vortrages ging der junge Heimatforscher auf konkrete Bräuche gerade während der Raunächte, der Zeit zwischen Heiligabend und 6. Januar, ein. Wer beispielsweise während dieser Zeit Wäsche draußen aufhängt, läuft Gefahr, dass sich darin Dämonen und Geister verfangen und bleiben (siehe auch die Auflistung unten).

Auf jeden Fall waren die Zuhörer nach dem Vortrag beeindruckt - von den damaligen Bräuchen und von Adrian Roßner, der das Publikum fast zwei Stunden fesselte.

Auch der Vorstand des Dorfvereins war derart begeistert, dass er gleich einen weiteren Vortrag buchte: Voraussichtlich wird Adrian Roßner im Herbst 2020 ein weiteres Mal im Dorfhaus gastieren. Das Thema dann: "Kartoffeln"!

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