Vestenbergsgreuth

Was bleibt, ist die Freude

Fast 50 Jahre dirigierte Friedemann Grau die Sänger des Liederkranzes Vestenbergsgreuth. Mit dem Ende dieser Ära steht der Chor vor der Frage, wie es weiter gehen soll. Denn den Sängern fehlt zudem immer mehr die Zeit zum Proben.
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Die Mannschaft schrumpft: Der Liederkranz Vestenbergsgreuth ist kein mitgliederstarker Chor - und nun hört auch noch der langjährige Chorleiter auf.  Foto: Evi Seeger
Die Mannschaft schrumpft: Der Liederkranz Vestenbergsgreuth ist kein mitgliederstarker Chor - und nun hört auch noch der langjährige Chorleiter auf. Foto: Evi Seeger
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"Eine so lange Strecke kann man nur durchhalten, wenn die Harmonie stimmt", sagt Friedemann Grau. Er betont, dass dies sowohl musikalisch als auch menschlich zu verstehen sei. Als Dirigent des Liederkranz-Chores habe er von Anfang an Vertrauen gespürt. Nach 48 Jahren als musikalischer Leiter dirigierte Grau seinen Liederkranz bei der Sommerserenade nun zum letzten Mal.

Die Chorarbeit sei nicht mehr effektiv, erklärt er seine Entscheidung. Durch Beruf, Hospizarbeit, Krankheit oder Pflege von Angehörigen seien insbesondere die Damen sehr gefordert. "Bei den Proben sind wir daher nie komplett." Der Aufwand, "um dahin zu kommen, wo man hin will", sei zu groß. Zumal es nicht leicht sei, Nachwuchs zu generieren - gerade bei so kleinen Chören, wie dem Vestenbergsgreuther.

Dankbar blickt Grau auf die lange und harmonische Zusammenarbeit, auf die vielen schönen Chorkonzerte und geselligen Veranstaltungen zurück.

"Ich bin ein Trainer ohne Trainerschein", scherzt er. Denn er habe zwar einige Lehrgänge absolviert, aber nie eine staatliche Chorleiterprüfung abgelegt. Als junger Lehrer in Vestenbergsgreuth habe er 1971 den Chor übernommen. Auf das Drängen und die Hartnäckigkeit des damaligen Bürgermeisters hin Martin Bauer hin - seines Zeichens selbst ein eifriger Chorsänger. "Er hat mich so lange bearbeitet, bis ich nicht mehr Nein sagen konnte." Martin Bauer habe auch 25 Jahre als Vorsitzender den Verein geführt. Seine Freude darüber "dass wir einen Chorleiter haben", habe er immer spüren lassen.

Als 1978 nicht mehr genügend Männerstimmen zur Verfügung standen, wurde der einstige Männerchor in einen gemischten Chor umgewandelt. "Wir haben alles an Chorliteratur gesungen, von der Renaissance bis zur Gegenwartsmusik." Ausgenommen englischsprachiges Liedgut, dafür habe sich der Chor nicht begeistern können.

"Die Freude an schönem Chorklang ist geblieben", sagt Grau. In Erlangen habe er in einem Projektchor gesungen, der internationale Chorleiter hatte. Das habe ihm sehr viel für seine Stimme aber auch für die eigene Chorleitung gebracht. Leider sei die Chorgemeinschaft aus organisatorischen Gründen aufgelöst worden.

Langeweile wird bei Friedemann Grau auch künftig nicht aufkommen. Die Musik - er spielt Klavier und Viola da gamba, hat früher in einem Blockflötenquartett mitgewirkt - wird ihm auch weiterhin viele schöne Stunden bescheren. Aktuell sei er Nachlassverwalter eines Nürnberger Symphonikers, der drei Sinfonien komponiert hat. Unter der Anleitung eines Generalmusikdirektors aus München soll eine davon als CD herauskommen.

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