Was Bausback mit Bonifatius eint

In Eltmann bezog Bayerns Justizminister Winfried Bausback Stellung zu kirchlichen Belangen und sprach dabei auch rechtliche Fragen an.
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Der bayerische Justizminister Winfried Bausback bei seiner Kanzelrede in Eltmann  Foto: Günther Geiling
Der bayerische Justizminister Winfried Bausback bei seiner Kanzelrede in Eltmann Foto: Günther Geiling
Es war der 58. Kirchweihgottesdienst in der Eltmanner Kirche überhaupt, das Fest Erntedank und zugleich ein Festgottesdienst zum 500. Jubiläum der Reformation, bei dem der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) auf die Kanzel stieg und sich als Katholik mit den beiden Kirchen auseinandersetzte. Dabei brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die ökumenische Dynamik weiter voranschreitet.
Der evangelische Pfarrer Volkmar Gregori äußerte sich erfreut darüber, dass sich die Kirche wieder in neuem Glanze zeige. So seien zu diesem Festgottesdienst die Trockenlegung der Fundamente und Neugestaltung der Außenanlagen abgeschlossen worden und auch im Innern habe man dem Gotteshaus den letzten Schliff gegeben. Dass nun sogar der bayerische Justizminister Winfried Bausback seine Zusage zu einer Kanzelrede gegeben habe, freue ihn sehr, zumal dieser hier ja nicht vor Fernsehkameras und großem Publikum, sondern vor einer beschaulichen Gemeinde auftrete.


Dem Ort verpflichtet

Bausback gab zu, dass er sich so eine Kanzelrede bisher noch nicht vorstellen konnte und als Jurist dafür nach einer Definition gesucht habe. Ein Redner solle sich demnach der theologischen Dimension eines solchen Ortes verpflichtet fühlen und für ihn sei es schon etwas Besonderes, hier zu sprechen.
"Was mir am Protestantismus schmeckt und woran ich zu kauen habe", lautete dazu sein Auftrag. "Es gibt zwar noch zahlreiche Unterschiede, aber wir sind schon sehr weit auf dem gemeinsamen Weg der Annäherung und uns verbindet auch sehr viel", meinte er zum Miteinander der Konfessionen.


Rolle der Musik

An der evangelischen Kirche gefalle ihm die Kirchenmusik "und hier will ich die herausragende Persönlichkeit eines Johann Sebastian Bach neidlos anerkennen". Aber auch für Martin Luther sei die Musik ja etwas Besonderes gewesen, "nämlich Medizin gegen das Böse und ein Labsal gegen Verdruss. Musik und Singen sind ohne Zweifel ein Markenzeichen der Reformation", sagte er. In der katholischen Kirche habe die Musik lange nicht diese Bedeutung gehabt, sagte Bausback.


Das soziale Gewissen

Der zweite Punkt sei der große persönliche Einsatz evangelischer Christen für das, was sie als gerecht empfinden. Dabei erwähnte er konkret den Einsatz gegen tyrannische Systeme oder auch auf das Auftreten gegen das nationalsozialistische Regime. Die Begriffe Protestant oder Protestation bedeuteten ja das Vorbringen einer Gegenposition und erst 1648 mit dem "Westfälischen Frieden" seien die Konfessionen gleichgestellt worden. Wichtig sei aber das entscheidende Eintreten für die gemeinsame Sache Jesu zum Wohle der Menschen. Dafür gebe es trotz Unterschiede im Seelsorgeramt zahlreiche Beispiele.


Großes Vorbild

Winfried Bausback erwähnte in diesem Zusammenhang auch den heiligen Bonifatius, als Apostel der Deutschen, der mit dem Namen Winfried geboren worden sei. Dieser Name bedeute nichts anderes als "Friedensfreund". So sei auch für ihn, der den gleichen Namen hat, Bonifatius ein großes Vorbild.
Gleichzeitig sei er dabei auch schon bei einem Unterschied der Religionen. "Das mit dem Namenspatron wäre für mich schon etwas, woran ich zu kauen hätte, wenn ich nicht katholisch wäre."


Frage des Rechts

Als bayerischer Justizminister ist er für den weltlichen Rechtsstaat zuständig und dabei ist er überzeugt, dass dieser Rechtsstaat eine unabdingbare Voraussetzung für das friedliche Zusammenleben der Menschen untereinander sei. "Im Wort Gerechtigkeit steht das Wort Recht. Aber ob diese beiden Begriffe deckungsgleich sind, diese Frage ist so alt wie unsere Zivilisation", betonte der CSU-Politiker. Natürlich gebe es unterschiedliche Ansichten, was im Einzelfall Recht oder Unrecht sei. Hier gehe es auch um Grundwerte oder Gebote, die allgemein anerkannte Regeln und länger als das Grundgesetz oder Strafbuch vorhanden seien. Wichtig sei aber, dass die Bürger bei der Suche nach ihrem Recht nicht allein gelassen würden. Auch für Christen gelte, dass sie Recht und Gesetze anerkennen müssten. Das habe nichts damit zu tun, dass man in einem freiheitlichen Rechtsstaat trotzdem für seine Überzeugung oder auch für Veränderungen eintreten und gemeinsam nach Lösungen suchen müsse.
Die Diskussion um das "Kirchenasyl" ließ er nicht aus. Hier gehe es um das humanitäre Engagement der Kirchen einerseits, um unerlaubten Aufenthalt im Bundesgebiet andererseits. Die Staatsanwaltschaft sei verpflichtet, bei Vorliegen Ermittlungen aufzunehmen. Natürlich stoße man dabei auch auf den Begriff des Gewissens und deswegen seien die Verfahren dazu wegen geringer Schuld eingestellt worden. Er habe nie eine Weisung an einen Staatsanwalt ausgegeben und er kenne keinen Fall, in dem deswegen ein Pfarrer oder Kirchenvorstand verurteilt worden wäre, versicherte er.


Der Jurist im Kreuzverhör

Der Justizminister stellte sich dann auch dem "Kreuzverhör", das Pfarrer Volkmar Gregori und der Mediziner Martin Luckardt mit Fragen aus dem Zuhörerkreis inszenierten. So kam die Frage, ob er in der Rechtsprechung mit Religion etwas verändern wolle. Minister Bausback bezog Stellung mit den Worten: "Die Religionsfreiheit ist ein ganz wichtiges Grundrecht, das wir uns aber genauer anschauen müssen. Hier geht es um die Interpretation, was geschützt ist. Wir stoßen mit dieser Freiheit auch an Grenzen und müssen auch religiösen Extremismus bekämpfen."


Religion als Basis

Aus dem Zuschauerkreis gab es aber auch ganz einfache Fragen wie "Haben sie in ihrem Beruf viel mit der Religion und der Kirche zu tun?" oder: "Welche Impulse würden Sie setzen, dass wieder mehr Menschen für etwas sind als dagegen?" Bei Letzterem meinte der CSU-Politiker, dass nach seiner Meinung das Vorbild immer noch ein wichtiger Anhaltspunkt ist. Für sich stellte er heraus: "Jeder, der politisch tätig ist, braucht eine Basis, und für diese sehe ich bei mir auch die Religion."
Als ein anderer Teilnehmer die Aussage vertrat: "Wir Protestanten sind offener, freier und freiheitlich denkender als die Katholiken", bejahte Bausback tatsächlich eine stärkere politische Neigung als im Katholizismus. Er begründete dies mit den anderen Strukturen und einem anderen Priestertum. Dennoch sei der katholische Weg ein guter Weg zum Glauben. Schließlich griff er ein Wort von Kardinal Marx auf:. "Die ökumenische Dynamik hat Fahrt aufgenommen und sie möge weiter voranschreiten."


Festlicher Rahmen

Für den festlichen Rahmen sorgten der Jugendchor "Cantarella" der Sängerlust Eltmann unter der Leitung von Sonja Wissmüller sowie Organist Ingbert Sollmann. Der Festabend klang aus mit einem Stehempfang auf dem Kirchenvorplatz.
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