Bamberg

Warum Roboter Bamberg guttun

Um die Digitalisierung der Arbeitswelt dreht sich eine Podiumsdiskussion am Dienstag, 15. Januar, bei der VHS. Experte Professor Dieter Spath sieht hier auch viele Chancen für die Welterbestadt.
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Dieter Spath  Foto: Christof Rieken
Dieter Spath Foto: Christof Rieken

Nützliche Helfer oder gefährliche Konkurrenz? Roboter halten am Arbeitsplatz verstärkt Einzug. Einen zuversichtlichen, aber nicht naiven Blick auf diese Entwicklung will eine Podiumsdiskussion am Dienstag, 15. Januar, um 19 Uhr unter dem Titel "Wie uns Lernende Systeme in der Arbeit unterstützen können" werfen, zu der die Volkshochschule (VHS) Bamberg-Stadt in Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk, der Katholischen Erwachsenenbildung und der VHS Bamberg-Land ins Alte E-Werk einlädt. Nach einem Impulsvortrag von Professor Dieter Spath, Präsident der Acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften), wird dieser unter anderem mit Klaus Roos, Leiter Strategie Technik und Digitalisierung bei Brose, und Azubis von Brose und VR-Bank über das Thema diskutieren. Es moderiert Luise Ortloff. In einem Interview erklärt Professor Spath schon mögliche Auswirkungen auf Bamberg.

Herr Spath, Sie sagen: "Roboter, intelligente Maschinen und Software helfen den Menschen, produktiver zu arbeiten." Können Sie uns auch helfen, kreativer zu sein?

Dieter Spath: Uns wird mehr Freiraum bleiben für Kreativität und Zwischenmenschliches, weil wir bei den monotonen und körperlich anstrengenden Arbeiten entlastet werden. Ein Beispiel: Wo wir heute im Büroalltag Formulare häufig per Hand ausfüllen, digitalisieren, einordnen und weiterbearbeiten, übernehmen künftig intelligente vernetzte Systeme viele dieser Arbeitsschritte. Uns bleibt mehr Zeit für anspruchsvollere und kreativere Tätigkeiten. Gleichzeitig mit den Aufgaben der Beschäftigten ändert sich auch die Rolle der Führungskräfte: Sie müssen in stärkerem Maße Orientierung geben, Netzwerke bilden, Kreativität fördern und Prozesse gemeinsam mit Mitarbeitenden gestalten.

Müssen sich 20-Jährige fürchten, dass Roboter sie in naher Zukunft arbeitslos machen?

Roboter entlasten uns und übernehmen verschiedene Tätigkeiten. Doch Menschen stehen im Zentrum der Arbeitswelt, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Durch den zunehmenden Einsatz von Robotern und intelligenten Systemen werden selbstbestimmtere, qualifiziertere und besser bezahlte Arbeitsplätze entstehen, in denen Überblicks- und Kontextwissen wichtiger sind denn je. Wo Roboter und Künstliche Intelligenz unterstützen, werden es nur die Menschen sein, die die Zusammenhänge und Prozesse vollständig durchdringen. Die heute 20-Jährigen werden in ihrer beruflichen Zukunft entsprechend viel stärker mit Managementaufgaben konfrontiert sein - darauf müssen wir sie in ihrer Ausbildung vorbereiten. Das gilt übrigens nicht nur für die 20-jährigen: Für Berufserfahrene ist Weiterbildung umso wichtiger. Ältere Mitarbeiter mitzunehmen und ihr tiefes Know-how an Bord zu halten, ist auch im ureigenen Interesse der Arbeitgeber.

Inwiefern könnte eine Stadt wie Bamberg von dieser Entwicklung profitieren?

Bamberg kann selbstbewusst in die Zukunft aufbrechen. Unter rund 400 Landkreisen und Städten gehört Bamberg laut ZDF-Deutschlandstudie zu den 30 lebenswertesten Städten. Hier möchte man wohnen, bleiben, wiederkommen und arbeiten. Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen, weil sich die Menschen in der Digitalisierung ihren Arbeitsort zunehmend aussuchen können. Bosch und Brose, der größte und der drittgrößte Arbeitgeber, gehören zu den Impulsgebern für die industriellen Arbeitswelten von heute und morgen. Sie engagieren sich übrigens auch bei uns, bei Acatech.

Für die Sozialstiftung Bamberg als zweitgrößte Arbeitgeberin der Stadt werden Künstliche Intelligenz und Robotik in Medizin und Pflege bedeutsam. Im September hat das Klinikum am Bruderwald bereits das Roboter-assistierte OP-System "Da Vinci" der Öffentlichkeit vorgestellt. Dann wäre da noch die Einführung intelligenter Verkehrssysteme. Fahrzeuge werden untereinander und mit dem Verkehrssystem insgesamt vernetzt. Carsharing und selbstfahrende Shuttles senken den Blechanteil auf den Straßen noch weiter. Unfälle und Staus werden weniger - in Bamberg würde das die Lebensqualität noch ein Stück weit erhöhen.

In Bamberg entsteht ein Digitales Gründerzentrum - ist die Stadt damit für die Zukunft gerüstet?

Erfolg werden die Städte und Regionen haben, die den Menschen gute Weiterbildungsmöglichkeiten bieten, große und kleine Unternehmen anziehen, Forschung fördern sowie eine offene Gesellschaft und ein lebensfreundliches Umfeld ermöglichen. Bamberg hat das Zeug zu so einem Innovations-Ökosystem. Die Stadt hat ja schon 2007 ein wichtiges Online-Startup hervorgebracht - die Tradoria GmbH, die 2011 von Rakuten.de übernommen und umbenannt wurde. Das Digitale Gründerzentrum ist eine kluge Investition: Als Kristallisationspunkt wird es die Bildung des Bamberger Innovations-Ökosystems beschleunigen. Die Fragen stellte

Michael Memmel

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