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Warum die westliche Rohstoffpolitik viele Nigerianer zur Flucht zwingt

Seit Anfang April leben etwa 150 Geflüchtete aus Nigeria in der AEO in Bamberg - ein Herkunftsland, für das die Stadt bisher nicht zuständig war. Trotz der teilweise katastrophalen Lage in Nigeria hab...
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Seit Anfang April leben etwa 150 Geflüchtete aus Nigeria in der AEO in Bamberg - ein Herkunftsland, für das die Stadt bisher nicht zuständig war. Trotz der teilweise katastrophalen Lage in Nigeria haben die von dort Geflüchteten eine schlechte Bleibeperspektive. Zudem wird kaum über die Fluchtursachen diskutiert. Wie ist die Menschenrechtslage in Nigeria? Welche Auswirkungen hat die westliche Rohstoffpolitik auf Migrationsbewegungen? Was hat es mit dem Ökozid im Nigerdelta auf sich? Diesen Fragen gehen laut einer Pressemitteilung die Bamberger Aktionstage zu Ökozid als Fluchtursache in Nigeria vom 3. bis zum 13. Juli auf den Grund.
Mit Vorträgen und Straßentheater möchten die Veranstalter, die Hochschulgruppen von Amnesty International, Attac und Solidarity4all, darauf aufmerksam machen, inwiefern Flucht, Ölförderung und westliche Wirtschaftspolitik und Lebensweise zusammenhängen.
Am Dienstag, 3. Juli, steht um 13 Uhr der "Ölraub" im Mittelpunkt: Mit einem bunten Straßentheater am Grünen Markt soll vor Augen geführt werden, welche Rolle Aktivisten in Nigeria, der Shell-Konzern und die westlichen Staaten spielen. Die nigerianische Bevölkerung trägt die Kosten für die Ölförderung, ist aber nicht an den Gewinnen beteiligt.
In einem ersten Vortrag am Freitag, 6. Juli, um 19 im Lui20 (Luitpoldstraße 20), wird Peter Donatus über Ölförderung im Nigerdelta berichten. Der freie Journalist und Menschenrechtsaktivist beschreibt die Zerstörung durch die Ölförderung von Konzernen wie Shell, die das Nigerdelta zu "einem der meistverschmutzten Orte der Welt" machen. An diesem und weiteren Beispielen werde deutlich, dass Flucht und Migration auch Folge westlicher Rohstoffpolitik sind. Seit mehr als drei Jahrzehnten kämpft er gegen die ökologischen und sozialen Folgen des Ökozids durch Wirtschaftskonzerne und musste nach Haft und Folter aus seinem Heimatland fliehen. Seit den 90er Jahren lebt er in Deutschland. Eine Woche später, am Freitag, 13. Juli, um 19 Uhr im Balthasar, wird Lisa Noeth von Amnesty International zur Menschenrechtslage in Nigeria sprechen. Neben den Konsequenzen der Ölförderung wird sie weitere Aspekte der Menschenrechtslage im Land beleuchten, unter anderem Folter, widerrechtliches Verschwindenlassen und außergerichtliche Hinrichtungen durch Regierungsinstitutionen, verfassungswidrige Zwangsräumungen und gewalttätige Konflikte (zum Beispiel Boko Haram).
Zusätzlich wird sie die dortige Arbeit von Amnesty International vorstellen und über die Arbeitsbedingungen von NGOs und Aktivisten sprechen, die wie die Presse teilweise staatlichen Repressionen ausgesetzt sind. red
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