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Herzogenaurach
Brauchtum

Warum an Dreikönig die Wirtshäuser voll waren

Klaus-Peter Gäbelein Der Tag der Heiligen Drei Könige, der 6. Januar, ist nicht nur der Tag, an dem die Sternsinger gute Wünsche für Haus und Hof in die Haushalte tragen, es ist auch ein wichtiger Tag...
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Klaus-Peter Gäbelein Der Tag der Heiligen Drei Könige, der 6. Januar, ist nicht nur der Tag, an dem die Sternsinger gute Wünsche für Haus und Hof in die Haushalte tragen, es ist auch ein wichtiger Tag, was die Trinkgewohnheiten betrifft - vor allem im fränkischen Brauchtumskalender. Früher hatten die Wirtshäuser am Neujahrstag und am 6. Januar Hochbetrieb. Altem Brauch zufolge musste man sich am ersten Tag im neuen Jahr die Schönheit und am Dreikönigstag, dem "Obersten" oder "Öberschten", die "Stärke antrinken".

Beim Trinken der Schönheit hatten es früher am Land verständlicherweise die jungen Mädchen und die Bauernburschen am notwendigsten, und deshalb waren am 1. Januar die Gaststätten vor allem vom "Jungvolk" besucht, während sich am "Obersten" die älteren Burschen und die Bauern einfanden, um sich die Kräfte anzutrinken für die kommenden schweren Arbeiten im Laufe des Jahres. Selbst wer sonst das gesamte Jahr über Alkohol mied, ließ es sich nicht nehmen, dem Bier oder Schnaps tüchtig zuzusprechen, und es galt auch nicht als Schande, wenn man beim Stärketrinken etwas zu viel hinter die Binde gegossen hat.

Die "Alten" schwören und schworen übrigens schon immer darauf, dass dem Trunk am Morgen große Zauber- und Heilkraft zukommt; und der in der Flasche verbliebene Schnaps wurde von der Hausfrau sorgfältig für alle Krankheitsfälle aufbewahrt, galt er doch als schützend und stärkend bei allen wichtigen Unternehmungen. Es war ganz einfach ein Gesundheitstrunk.

Ein germanisches Trunkopfer

Volkskundler behaupten, dass das "Trinken der Stärk'" der Rest eines alten germanischen Trunkopfers sei. Am Tag der Wende der Sonne, am sogenannten Julfest, brachte man den Göttern (dem Altvater Wodan sowie dem Sonnengott Freir und seiner Gemahlin Freia) besondere Opfergaben und versammelte sich zu einem "Julbiertrinken", das noch viele Jahre bei den Nordgermanen in Norwegen und Schweden Brauch war. So bewahrheitet sich auch der Spruch "Die alten Germanen tranken immer noch eins!".

Ich höre heute noch meinen Firmpaten sagen, als er mich mit 14 Jahren am Dreikönigstag ins Wirtshaus mitnahm: "Bu(b) trink, was du heute verträgst, das verträgst du das ganze Jahr!"

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