Coburg

Wartezeit für wichtige Arzneien

Apotheker registrieren Lieferengpässe für Medikamente, Patienten müssen warten oder Apotheken abklappern. Für die schwierige Situation gibt es mehrere Ursachen.
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Jochen Schreeck, der Sprecher der Coburger Apotheker und Apothekerinnen, im Gespräch mit einer Kundin. Er kennt mehrere Gründe für die Lieferengpässe bei bestimmten Medikamenten.  Foto: Christoph Winter
Jochen Schreeck, der Sprecher der Coburger Apotheker und Apothekerinnen, im Gespräch mit einer Kundin. Er kennt mehrere Gründe für die Lieferengpässe bei bestimmten Medikamenten. Foto: Christoph Winter

Optimistisch gibt sich Jochen Schreeck nicht. Die Liefersituation von Arzneimitteln wird eher schlechter als besser, die Engpässe bei vielen Präparaten eher schlimmer, ist sich der Sprecher der Coburger Apotheker sicher. "Wir haben keine hochkritische Situation, aber etwa bei Blutdruck senkenden Präparaten ist die Versorgung zurzeit sehr aufwendig. Bis manchmal eine Firma gefunden ist, die liefern kann, dauert es mitunter etwas länger." Für die Kunden bedeutet dies, Apotheke um Apotheke abzuklappern, um irgendwo noch eine Tablettenschachtel mit dem gewohnten Medikament zu ergattern. Oder aber einige Tage zu warten.

Beginnt schon an der Basis

Die Ursachen für den aktuellen Lieferengpass sind mehrere. Einerseits gab es in der Vergangenheit Probleme bei der Herstellung von Wirkstoffen. Das Gros der Produktionsstätten ist in China oder Indien angesiedelt. "Wenn schon Grundstoffe fehlen oder die Qualität nicht gegeben ist, dann stockt die Produktion und durch die weltweit steigende Nachfrage entstehen rasch Engpässe." Auch bei häufig nachgefragten Schmerzmitteln müssen Patienten oft ohne das Medikament die Apotheke verlassen. Hier ist nach den Worten von Jochen Schreeck ein Hersteller ausgefallen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) definiert "Lieferengpass" bei den Human-Arzneimitteln als "eine über voraussichtlich zwei Wochen hinausgehende Unterbrechung einer Auslieferung im üblichen Umfang oder eine deutlich vermehrte Nachfrage, der nicht angemessen nachgekommen werden kann". Die im Internet einsehbare Datenbank des BfArM listet Mitte Dezember 282 Lieferengpässe auf. Impfstoffe sind dabei nicht berücksichtigt.

Kurz und knapp gibt die Datenbank auch Auskünfte über die Gründe: "Produktionsprobleme" ist häufig vermerkt. Und bei einem willkürlich ausgewählten Präparat aus der langen Liste ist von einem "EU-weiten Rückruf" die Rede, weil "bei den Wirkstoffherstellern eine produktionsbedingte Verunreinigung des Wirkstoffes [...] festgestellt wurde". Die erste Meldung bei diesen Tabletten stammt vom 16. Juni. Ein Alternativpräparat gibt es laut des Bundesinstituts nicht.

Ein weiterer Grund für die Lage sind die Rabattverträge der Krankenkassen mit den Herstellern. Apotheken dürfen im Rahmen dieser Verträge nur das kostengünstigste Medikament herausgeben. Nur bei begründeten Ausnahmen darf auf ein anderes Präparat zurückgegriffen werden - wenn dieses verfügbar ist. Schreeck: "Für die Apotheken bedeutet das einen enormen Aufwand." Geblättert wird in Listen, um einen Lieferanten ausfindig zu machen. Nicht unbeteiligt ist nach der Ansicht von Jochen Schreeck die Politik: Der Druck nach immer niedrigeren Preisen befördere die Engpässe für immer mehr Arzneimittel. "Das wird sich auch auf Impfstoffe ausdehnen", meint Schreeck.

Der Coburger Apotheker engagiert sich einigen Jahren bei der Organisation "Apotheker ohne Grenzen". "Vor einigen Wochen war ich im Kongo. Dort habe ich viele Medikamente gesehen, die aktuell bei uns fehlen", wundert er sich.

Bessere Situation für Kliniken

Die Lieferengpässe bei Arzneimitteln "bestimmen mittlerweile unser Tagesgeschäft", stellt Andrea Beitzinger fest. Die Versorgung der Patienten mit Medikamenten sei gesichert, stellt die Chefapothekerin des Klinikums Coburg fest, aber viel Zeit und Personal werde gebunden. "Vor fünf Jahren", erinnert sie sich, "gab es für rund ein Dutzend Arzneimittel Lieferprobleme". Im Gegensatz zu den Apotheken seien Kliniken in einer etwas besseren Situation, "weil wir nicht an Rabattverträge der Krankenkassen mit Herstellern gebunden sind".

Langfristige Lieferverträge der Kliniken mit den Herstellern machen die Situation planbarer. Darüber hinaus steht in der Krankenhaus-Apotheke der Wirkstoff und nicht die Marke eines bestimmten Herstellers im Vordergrund. Die Apotheke des Klinikums Coburg hat rund 1800 verschiedene Artikel am Lager, 140 davon sind aktuell nur eingeschränkt lieferbar. Jeden Tag werden in den Kliniken des Regiomed-Verbundes etwa 18 000 Tabletten an die Patienten ausgegeben.

Die Apotheken der Regiomed-Kliniken Coburg und Sonneberg sind mit 23 anderen Krankenhaus-Apotheken in der PBMG-Genossenschaft zusammengeschlossen. Diese Einkaufsgenossenschaft organisiert einen gemeinsamen wirtschaftlichen und möglichst sicheren Einkauf von Arzneimitteln.

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