Burglesau

Wann kommt das wieder weg?

Bei Burglesau wurden illegal Wald gerodet und Asphalt abgelagert. Der muss nun weg - und Wald wieder her. Der Zeitraum ist noch unklar.
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Die Forstleute Gregor Schießl (links) und Matthias Ott auf der Asphalthalde  Fotos: Matthias Hoch
Die Forstleute Gregor Schießl (links) und Matthias Ott auf der Asphalthalde Fotos: Matthias Hoch
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Gregor Schießl hat mit seinem Dienstantritt am 1. August die Zuständigkeit für ein Stück Wald übernommen, dessen Zustand ihm ganz und gar missfällt. Denn in dem Wäldchen zwischen den Scheßlitzer Ortsteilen Ehrl und Burglesau steht auf einer Fläche von etwa 5000 Quadratmetern kein einziger Baum mehr. Stattdessen stehen Schießl, Abteilungsleiter Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), und Revierleiter Matthias Ott auf einer etwa 4000 Quadratmeter großen, bis über zwei Meter hohen Halde aus Asphaltbruchstücken.

"Das hier ist eindeutig eine vorsätzliche, bewusste Rodung", stellt Schießl fest. Deshalb habe das Amt den Vorfall beim Landratsamt angezeigt und in seiner Stellungnahme für eine empfindliche und spürbare Bestrafung im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben plädiert. Nach Artikel 46 des bayerischen Waldgesetzes wäre ein Bußgeld bis zu einer Höhe von 25 000 Euro möglich. Doch darüber muss das Landratsamt entscheiden.

Von dort ließ Landrat Johann Kalb (CSU) Ende Juli mitteilen, er habe angeordnet, "dass die nicht genehmigte Ablagerung von Asphalt auf einer Fläche von mehr als 500 Quadratmetern in der Nähe von Burglesau beseitigt werden muss". Einen Monat später hat sich auf dem Areal nach Aussagen aller Beobachter noch nichts getan.

Spätestens seit Mai bekannt

Bekannt war der Umweltfrevel schon im Frühjahr. Den Stein ins Rollen gebracht hat Gerald Ziegmann. Der Scheßlitzer ist beruflich wie privat viel im Wald unterwegs. Aufmerksam wurde er, als der Stadtrat am 30. April in öffentlicher Sitzung den Antrag des Betreibers der unmittelbar daneben befindlichen, genehmigten Deponie auf Erweiterung beriet und schließlich einstimmig ablehnte. Wenige Tage später suchte Ziegmann besagtes Waldstück auf - und entdeckte die, von der Straße her kaum sichtbaren, Asphalthalden. Der Abraum muss also schon in Dutzenden Lkw-Fuhren hergeschafft worden sein, bevor eine Deponie möglicherweise hätte genehmigt werden können. Wobei der Betreiber der angrenzenden Deponie und Eigentümer des Waldgrundstücks laut Stadtratsprotokoll für das Erweiterungsareal nur die Sammlung von privatem Bauschutt in Containern für das Areal beantragt hatte. Forstmann Schießl meint dagegen, der seinem Amt zur Prüfung vorgelegten Antrag sei von einer Firma Bayerische Asphaltmischwerke gestellt worden. Einem Unternehmen mit Sitz im oberbayerischen Hofolding, mit Niederlassungen und Werken unter anderem in Bamberg und Nürnberg.

Der Fall schlug in Scheßlitz und darüber hinaus jedenfalls hohe Wellen. So holten die örtlichen Grünen mit Stadt- und Kreisrat Ralph Behr die Landtagsabgeordnete Ursula Sowa zur Ortsbegehung. Diese forderte "einen Rückbau bis auf den letzten Quadratmeter und eine Wiederaufforstung auf der gesamten Fläche". Sowa appelliert an den Landrat, nun Strafanzeige zu stellen und vermutet, dass das Landratsamt mit der Angabe "auf mehr als 500 Quadratmeter" den Vorgang auf einer tatsächlich etwa zehn Mal so großen Fläche herunterspiele.

Bauschutt unter dem Asphalt?

Der Scheßlitzer CSU-Stadtrat Thomas Firnstein berichtet, Anwohner seien aufgrund der Dimension der Ablagerungen davon ausgegangen, dass es sich um einen genehmigten, legalen Vorgang handle. Heute würden ihn die Leute vor allem fragen: "Wann kommt das wieder weg?"

Eine konkrete Antwort darauf ist derzeit vom Landratsamt nicht zu bekommen. Auf die FT-Anfrage, ob dem Verursacher eine Frist gesetzt und ein Bußgeld angedroht wurde, antwortet Kreisjurist Steffen Nickel, dass gegenwärtig das Beseitigungsverfahren laufe. Die Beachtung einer Beseitigungsanordnung werde entsprechend vom Landratsamt kontrolliert, entsprechende Nachweise über die ordnungsgemäße Entsorgung seien vorzulegen. "Hinsichtlich einer möglichen strafrechtlichen Ahndung werden umweltrechtliche Sachverhalte mit einer möglichen Strafbarkeit zur Beurteilung an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben", erklärt Nickel weiter.

Vor Ort schwingt derweil noch eine andere Befürchtung mit: Handelt es sich bei der Ablagerung tatsächlich um "sauberen" Asphalt, wie er auf einer sogenannten DK-0-Deponie für "unbelastete bzw. gering schadstoffhaltige Abfälle" - wie es das Landesamt für Umwelt (LfU) definiert - ausgebracht werden dürfte?

"Wir wissen nicht, was sich darunter verbirgt", sagen die Forstleute Schießl und Ott. "Unter dem Asphalt ist Bauschutt in erheblichen Maße", glaubt Gerald Ziegmann bei seiner Ersterkundung festgestellt zu haben. Und Ralph Behr wird in der Pressemitteilung von Ursula Sowa mit den Worten zitiert: "An den Rändern ist deutlich zu sehen, dass die Fläche darüber hinaus mit Bauschutt aufgefüllt wurde, der möglicherweise belastet ist." Der Verdacht ist nicht unbegründet. "Meist handelt es sich bei Asphalt allerdings um Bitumengemische, die diese Vorgaben für DK-0-Deponien in der Regel nicht einhalten", schreibt die Pressestelle des LfU auf eine allgemeine Anfrage zur Behandlung von Asphalt.

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