Mauthaus

Wandern zu versunkenen Burgen

Eine Zeitreise in die Vergangenheit führt zu der untergegangenen Burg Wallenrod auf dem Schlossberg bei Mauthaus. An Heiligabend hatten Schatzsucher dort ein furchterregendes Erlebnis.
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Der Nortwaldwanderweg zwischen dem kleinen und dem großen Kaugelbach führt vorbei am 534 Meter hohen Schlossberg bei Mauthaus. Die Lage der Burg ist selbst für Alteingesessene heute nicht mehr zu orten, da weder Mauer- und Grabenreste noch sonstige Hinweistafeln an die Stammburg des fränkischen Adelsgeschlechtes derer von Wallenrode erinnern.  Foto: Alexander Grahl
Der Nortwaldwanderweg zwischen dem kleinen und dem großen Kaugelbach führt vorbei am 534 Meter hohen Schlossberg bei Mauthaus. Die Lage der Burg ist selbst für Alteingesessene heute nicht mehr zu orten, da weder Mauer- und Grabenreste noch sonstige Hinweistafeln an die Stammburg des fränkischen Adelsgeschlechtes derer von Wallenrode erinnern. Foto: Alexander Grahl

Auf dem Schlossberg bei Mauthaus erlebten vorzeiten Schlegelshaider Schatzsucher in einer tief verschneiter Winternacht eine böse Überraschung. Für die Wanderer im 21. Jahrhundert indes wäre auf ihrer verzweifelten Suche nach Berg, Burg und Burgstelle in wildromantischer Landschaft ein Smartphone mit integriertem Satellitensystem GPS wärmstens zu empfehlen.

Schatzgräber von Burg Wallenrod

Burgen, Burgruinen, Schlossberge, Burgställe und Burgstellen gelten als Stätten der Romantik, der Sagen und Märchen. Sie ermuntern uns einfache Wandersleute, ihren Daseinszweck zu ergründen, ihre Geschichte und die ihrer Herren zu erforschen, ihre Strukturen zu verstehen und sie als Ausdrucksformen ihrer Zeit zu werten und zu begreifen.

Vor fast 800 Jahren stand auf dem Schlossberg bei Mauthaus eine Burg. Die Herzöge von Meranien haben sie erbauen lassen. Albert Förtsch von Thurnau, der Marschall des Herzogs Otto  VIII., nahm hier seinen Wohnsitz und benannte sich nach ihr. Er ist der Stammvater derer von Wallenrode. Wallenrod im Frankenwald ist somit die Stammburg des fränkischen Adelsgeschlechtes von Wallenrode oder Waldenroth.

In einer Urkunde vom 25. August 1244 heißt es: "Eberhardus Froscho de Turnowe et filius suus Albertus de Waldenrode, marscalus."

Die Herzöge von Meranien starben aus. Im Jahr 1248 kam ihr Besitz an die Grafen von Orlamünde und an die Bischöfe von Bamberg. Im ältesten Besitznachweis der Bamberger Bischöfe (Urbar A, um 1325) werden folgende Burgen im Frankenwald aufgezählt: Rosenberg, Steinberg, Rothenkirchen, Nordhalben, Waldenrod und Waldenfels. Die betreffende Stelle lautet: "Waldenrod castrum est Episcopi", das heißt die Burg Waldenrod gehört dem Bischof.

Neue Siedlungen entstanden

Von ihrem Castrum aus rangen die Herren von Waldenrode dem großen Nordwalde, so hieß unser Frankenwald ehedem, Stück um Stück ab und es entstanden neue Siedlungen: Horb, Neufang, Lahm, Effelter, Birnbaum, Posseck, Nurn und Tiefenbach.

Von diesen genannten acht Orten sind späterhin zwei abgegangen: Horb und Tiefenbach. Horb ist in der Flur Neufang verschwunden; es wird urkundlich 1325, 1348 und 1406 erwähnt. Tiefenbach lag bei Birnbaum am gleichnamigen Floßteich oberhalb der Obergrümpelmühle. Es ist die Waldabteilung "Wüstentiefbach".

1565 gehörte zum Castrum Waldenrod der Platz der Burg Hohenrod (siehe Bericht "Wanderwege zu versunkenen Burgen" vom Samstag, 12. Oktober), die unweit davon gelegen und im Jahr 1325 bereits abgegangen war. Hohenrod ist der heutige Schlossberg bei Wolfersgrün im Lamitzgrund, zwischen Langenau und Thiemitz.

So weit die älteste und einzige Urkunde über die Burg Waldenrod. In späterer Schrift ist beigefügt: "Notandum quod Waldenrode est alterum feodum ab Ecclesia ut in libro feud. Continetur" (Es ist zu beachten, dass Waldenrode ein Wechsellehen ist). Die Erbnachfolger der Grafen von Orlamünde, die Vögte von Gera, erhoben Rechtsansprüche auf Waldenrod. Das zweite Besitzverzeichnis des Bamberger Landes (Urbar B, 1348) erwähnt die Burg Waldenrod nicht mehr und auch sonst sind bis jetzt keine weiteren historischen Notizen hierüber gefunden worden. Weder Erbauung noch Ende der Burg können mit konkreten Jahreszahlen belegt werden.

Lage umstritten

Sehr umstritten war die Lage der Burg, und die Meinungen gingen weit auseinander. Man suchte sie bei Neukenroth, Wolfersgrün, Steinwiesen und Stadtsteinach. Schließlich stellte man als Burgstelle den Schlossberg bei Mauthaus fest. Diese Annahme ist sicherlich richtig, wenn man die Lage der zugehörigen Orte betrachtet. Dieser Berg erhebt sich in versteckter Lage zwischen dem großen und kleinen Kaugelbach am Wanderweg nach Schlegelshaid und hat eine Höhe von 534 Meter. Das Castrum Wallenrod indes scheint für immer versunken zu sein in der Tiefe von Zeit und Raum.

Goldschätze

Auch die Sage beschäftigt sich mit dem Berg. Güldene Schätze sollen in ihm vergraben sein, die nur in der Christnacht gehoben werden können. Schon manche Schatzgräber versuchten ihr Glück. Einmal machten sich drei Männer von Schlegelshaid an einem Heiligenabend auf, um die verborgenen Schätze zu heben. Die Schlegelshaider gingen zur Christmette nach Steinwiesen; die Schatzgräber aber hatten sich mit Pickeln, Schaufeln und Laternen versehen und befanden sich auf dem Weg zum Schlossberg. Einer stapfte hinter dem anderen durch den tiefen Schnee. Es ging auf Mitternacht zu. Auf einmal erhob sich ein mächtiger Wind.

Doch merkwürdig, die Buchen und Tannen im Wald standen ruhig, nichts bewegte sich. Da kam hoch in der Luft ein feuriger Reiter auf die drei Männer zugebraust. Voller Angst drängten sie sich zusammen und sanken in den Schnee nieder. Einer von ihnen hatte die Geistesgegenwart, mit dem Schaufelstiel schnell einen Kreis um sich und seine Kameraden zu ziehen. Und das war gut so. Denn innerhalb dieses Bannkreises waren die Männer vor dem feurigen Reiter sicher.

Voller Wut schrie dieser: "Bedürftig seid ihr, aber nicht würdig!" Dann entschwand er ihren Blicken. Schreckensbleich kehrten die Männer in ihr Dorf zurück. Niemand hat seitdem mehr gewagt, auf dem Schlossberg nach verborgenen Schätzen zu suchen.

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