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LKR Forchheim

Wanderer trotzen der Sperre

Die Ausgangsbeschränkung lässt Wanderer kalt: Sie spazieren wie gewohnt durch die Fränkische Schweiz - was bei vielen Anwohnern auf Unverständnis stößt.
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So ruhig wie hier an der Lillachquelle war es in der Fränkischen Schweiz am Wochenende selten. Hunderte von Wanderern genossen das schöne Wetter. Foto: Matthias Hoch, Archiv
So ruhig wie hier an der Lillachquelle war es in der Fränkischen Schweiz am Wochenende selten. Hunderte von Wanderern genossen das schöne Wetter. Foto: Matthias Hoch, Archiv
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Die Sonnenstrahlen haben wieder zahlreiche Wanderer in die Fränkische Schweiz gelockt. Doch anders als üblich erzeugte der Touristenansturm großen Unmut in der Bevölkerung. "Mindestens 500 Wanderer sind hier unterwegs. Junge und ältere Menschen. Haben sie den Schuss nicht gehört?", fragen die Anwohner in Gräfenberg, Weißenohe und Dorfhaus mit Blick auf die vielen parkenden Autos entlang des Wegs zu den Sinterstufen und der Lillachquelle.

Die Menschen haben Angst. Vor einer drohenden Ausgangssperre und vor allem vor einer Infizierung mit dem gefährlichen Coronavirus durch die Leute aus der Stadt und aus anderen Landkreisen. "Ich dachte, wir haben Ausgangssperre. Da merkt man nichts davon. Kennzeichen aus Nürnberg und Neumarkt", sagt ein Anwohner im Obertrubacher Raum. Auch dort sind die Parkplätze voll belegt und etliche Wanderer unterwegs. "So geht das doch immer weiter mit dem Corona", schimpfen die Bürger und raten, die Polizei zu rufen, damit diese dem Treiben ein Ende bereitet.

Viele haben Polizei gerufen

Das haben ohnehin viele Menschen ohne Aufforderung getan und die Nummer der Polizeidienststelle in Ebermannstadt gerufen. "Die Wanderparkplätze waren alle belegt", gibt Manfred Hänchen, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion in Ebermannstadt zu. Das gebe ein seltsames Bild ab, er könne die besorgten Anrufer verstehen. Aber: "Wir sind am Samstag zu den Hot Spots in Behringersmühle oder Gräfenberg gefahren. Es waren wirklich Einzelpersonen oder Familien unterwegs", sagt Hänchen.

Die Polizei hat auch Verständnis für die Wanderer und warb bei den besorgten Anrufern in der Polizeidienststelle um Verständnis. "Wir haben versucht, zu erklären, was es heißt, in Nürnberg in einem Hochhaus zu leben", erklärt Hänchen. Man müsse auch diesen Menschen, gerade wenn die Krise länger dauere, entgegenzukommen.

"Ist es besser, wenn sich 300 000 Menschen im Stadtpark treffen, als hier verteilt zu wandern?", fragt Holger Strehl, Pressesprecher im Landratsamt Forchheim. Natürlich im Rahmen der Vorsichtsmaßnahmen und der gesetzlichen Bestimmung. Die lautet, dass Menschen nur in Gruppen laufen dürfen, wenn sie mit diesen Leuten ohnehin im häuslichen Bereich leben, erklärt Holger Strehl. Andere Gruppen sind nicht zulässig.

Ist das überhaupt kontrollierbar? Doch, meint Strehl, denn die Gruppen aus dem häuslichen Bereich müssen dann dieselbe Anschrift auf dem Personalausweis haben. Auch in den Zügen oder Bussen dürfen die Wanderer fahren. Immer den Abstandsregeln entsprechend. Diese halten aber nicht alle ein, meinte eine Einheimische, die auch an der Lillachquelle unterwegs war.

Mindestabstand als Problem

Auch das Landratsamt weiß, dass sich nicht alle an den geforderten Mindestabstand halten. "Das Verständnis hört auf, wenn man Gruppen sieht. Bei etlichen ist es trotzdem noch nicht angekommen", sagt Strehl. Mit "es" meint er beides: die Bestimmungen und die Gefahr des Virus. Denn die Zahl der Infizierten wird auch im Landkreis noch weiter steigen. Wie schnell und wie lange es dauert, bis die Maßnahmen greifen, ist noch nicht bekannt. "Es muss uns bewusst sein, dass es - das Virus - die Bevölkerung durchsetzen wird. Es geht nur ums Verlangsamen, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird und wir keine italienischen Verhältnisse bekommen", erklärt Strehl. Denn gerade die jungen Menschen glauben, es werde sie nicht treffen oder bei einer Infektion mit Corona nur mild treffen. "Sie verbreiten es weiter", betont Strehl.

Italienische Verhältnisse gab es wohl in Lauf, als sich alle am Marktplatz trafen und Volksfeststimmung herrschte. Mit Lautsprecher mussten die Menschen dann zum Weitergehen aufgefordert werden. Ein ähnliches Szenario fürchtete auch die Polizei in Ebermannstadt auf dem Marktplatz wegen der Eisdiele, die Eis zum Mitnehmen im Straßenverkauf angeboten hatte. "Eis ist eigentlich keine Speise, sondern ein Luxus", meint Hänchen. So müsste die Eisdiele schließen. Das ging ans Landratsamt, schließlich an die Regierung, mit dem Ergebnis, die Eisdielen dürfen verkaufen, aber die Leute dürfen sich zum Eisessen nicht treffen.

Seit Samstag gilt der Bußgeldkatalog. Unerlaubtes Verhalten müsste dann dem Landratsamt gemeldet werden. Bisher mussten keine Sanktionen eingefordert werden. Auch nicht bei den Wanderern, wie die mehrmalige Kontrolle an den Hotspots zeigte. "Es war nicht die Problemgruppe", sagt Hänchen über die Spaziergänger. Denn am Bierwanderweg war nichts los.