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Coburg
Interview 

Walde fordert Vollgas über volle Distanz

Der Neuzugang des BBC Coburg, der bei den Brose Baskets und in der Pro A bei Baunach Erfahrungen sammelte, hat mit den Vestestädtern noch viel vor. Aber die nächste Aufgabe ist für den Flügelspieler die wichtigste: Morgen Abend steigt um 19 Uhr das Regionalliga-Topspiel gegen Jena.
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Zum Auftakt der Rückrunde der 2. Regionalliga Nord empfangen die Basketballer des BBC Coburg am morgigen Samstag um 19 Uhr in der HUK-Coburg-Arena im Gipfeltreffen Science City Jena II.
Die Gastgeber führen ungeschlagen mit 22:0 Punkten die Tabelle an. Jena rangiert mit 18:4 Punkten auf Rang zwei. Ein Sieg wäre ein Meilenstein auf dem Weg zur Meisterschaft und zum anvisierten Aufstieg in die 1. Regionalliga
Das Tageblatt sprach vor diesem Event mit dem Führungsspieler Steffen Walde, der vor dieser Saison vom Zweitligisten Baunach in die Vestestadt kam, über dessen sportlichen Werdegang, die morgige Begegnung und die Perspektiven des BBC.

Steffen Walde, Sie absolvierten in der vergangenen Serie alle Pflichtspiele in der Pro A für ihren Vorgängerklub Bike Cafe Messingschlager Baunach. Was hat Sie veranlasst, drei Klassen tiefer beim BBC Coburg anzuheuern?
Steffen Walde: Das Baunacher Konzept als Unterbau der Brose Baskets Bamberg setzt vermehrt auf Nachwuchskräfte, die weitgehend eine Doppellizenz haben. Mit 23 Jahren bin ich praktisch nicht mehr jung genug für den Perspektivkader und hätte mich möglicherweise mit einer kleineren Rolle als bisher abfinden müssen.
Der Kontakt zu Coburg kam über einen langjährigen Freund Yasin Turan zu Stande, mit dem ich schon länger gemeinsam in einem Team spielen wollte. Deshalb nahm ich diese Herausforderung an. Beim BBC ist Potenzial vorhanden, man merkt, dass der Verein sportlich etwas erreichen will.

Sozusagen in ihrem Schlepptau wurde ihr Kumpel Kevin Eichelsdörfer kurz nach Beginn der Punkterunde nachverpflichtet, der ebenfalls einen wichtigen Eckpfeiler der Mannschaft darstellt.
Yasin Turan verletzte sich in einem Vorbereitungsspiel schwer, was eine längere Pause nach sich zog. Folglich gelang es Kevin, der in Bayreuth ein Lehramtsstudium absolviert und bei Bayreuth II in der 1. Regionalliga tätig war, auch durch meinen Einfluss unter Vertrag zu nehmen. Das finde ich klasse.
Wir gehörten gemeinsam der Bamberger Talentschmiede in Nachwuchs-Bundesligen der verschiedenen Altersklassen an. Später gingen wir in der Pro A einige Zeit miteinander auf Korbjagd. Kevin ist Aufbau-, ich Flügelspieler. Wir verstehen uns auf dem Spielfeld blind.

Der BBC verzeichnete nach dem unglücklich verpassten Aufstieg in der vergangenen Spielzeit eine gewaltige Fluktuation. Neben Eichelsdörfer wurden die Center Conner Nord und Daniel Stawowski erst nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs geholt. Konnte man unter diesem Aspekt mit einer so dominanten Vorrunde rechnen?
Wir besitzen eine Mannschaft von großer individueller Klasse, die bislang vor allem in der Offensive glänzte. In den letzten Begegnungen hat sich aus unsere Defense gefestigt. Zu verbessern gilt es noch die mannschaftliche Geschlossenheit und das Verinnerlichen unserer Systeme. Bei einer hohen Führung schalten wir häufig noch einen Gang zurück und passen uns ein wenig dem Gegner an.
Ziel muss es aber sein, über die gesamte Distanz Vollgas zu geben. Steigerungspotential ist nach dem sich Zusammenfinden sicherlich vorhanden.

Kann euch unter diesem Gesichtspunkt überhaupt noch jemand gefährlich werden?
Wir sind lange noch nicht durch. Der Saisonbeginn lief holprig mit einigen nur sehr hart erkämpften Erfolgen, so auch in Jena, als wir in die Overtime mussten. Auch der 91:80-Pokalsieg im Dezember gegen die Fibalon Rocks Stauf zeigte auf, wie gut sich vermeintlich schwächere Widersacher in unserer Liga zur Wehr setzen. Ich glaube jedoch, die Pause über Weihnachten kam zur rechten Zeit und hat uns gutgetan.

Mit welchen Empfindungen geht der BBC in das Gipfeltreffen gegen Jena und was erwarten Sie persönlich?
Ich rechne trotz des gleichzeitigen Allstar-Days der Bundesliga-Stars in Bamberg mit über 1000 Zuschauern, die uns hoffentlich kräftig unterstützen werden. Wir sind fokussiert auf dieses Schlüsselspiel und werden alles geben. Jena besitzt eine junge athletische und dynamische Truppe, die uns im Hinspiel mit aggressiver Vereidigung und Ganzfeldpressing das Leben schwer gemacht hat. Das wird diesmal nicht anders sein. Auch auf exzellente gegnerische Dreierschützen müssen wir uns einstellen. Wir sind sehr gut vorbereitet. Eine Niederlage sollten wir uns nicht leisten, denn dann könnte es noch einmal eng werden, zumal wir noch zu den weiteren Verfolgern TTL Bamberg und Regnitztal Baskets müssen.

Wohin wird der Weg des BBC Coburg in den kommenden Jahren führen?
Der Aufstieg ist das A und O. Dieser kann hoffentlich nach der letzten Partie der Rückrunde am 9. April zu Hause gegen BC Dresden gebührend gefeiert werden. Sicher werden unsere Verantwortlichen mit Wolfgang Hörnlein, Bobby Fischer und Trainer Michael Böhm die Weichen für die 1. Regionalliga rechtzeitig stellen. Natürlich dürfte es dann einen Umbruch geben, zumal Michael Stoschek als Mäzen einsteigt. Für ein Überspringen der 1. Regionalliga und einen Durchmarsch in die drittklassige Pro B mittels einer Wildcard gibt es derzeit keine Anzeigen. Mittelfristig sollte der Weg aber zumindest dorthin führen. Aufgrund der Infrastruktur mit der HUK-Arena als Trumpf-Karte und steigender Sponsorengelder erscheint auch der Sprung in die Zweitklassigkeit denkbar.

Wird Steffen Walde diese sportliche Herausforderung mitgehen?
Mein Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Mir gefällt es beim BBC aber sehr gut und wir verfügen über eine harmonische und ausbaufähige Truppe, so dass ich einer Weiterverpflichtung nicht abgeneigt bin.

Wer wird in der Saison 205/16 deutscher Basketballmeister?
Meiner Einschätzung nach sollten die Brose Baskets die Nase vorn haben, wenn sie die Dauerbelastung von BBL und Euroleague ohne gravierende Verletzungen überstehen. Sie besitzen ein super Team und mit Andrea Trinchieri den besten Coach der Titelaspiranten bestehend aus Bamberg, Alba Berlin und Bayern München. Ich durfte Trinchieri nach seinem Amtsantritt im Sommer 2014 einige Monate genießen, als ich im erweiterten Kader war. Er ist ein exzellenter Fachmann und strahlt Autorität aus.


Die Fragen
stellte Hans
Haberzettl

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