Fabrikschleichach

Waldarbeiten sorgen für Ärger

Weil bei einem Harvester-Einsatz im Naturschutzgebiet Weilersbachtal ein Bachbett beschädigt wurde, ist der Verein Nationalpark Nordsteigerwald sauer. Die Naturschutzbehörde sagt: zu Recht. Der Forstbetrieb Ebrach rechtfertigt sein Vorgehen.
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Ein sogenannter Harvester (englisch "harvest"= Ernte) bei Arbeiten im Wald: Damit er nicht zu tief in den Boden einsinkt, sind Kettenbänder aufgezogen. Das Bild zeigt nicht die im Artikel beschriebenen Arbeiten im Nordsteigerwald, sondern dient der Veranschaulichung. Nach Angaben des Forstbetriebs Ebrach war der von ihnen eingesetzte Harvester mit bodenschonenden Moorbändern bestückt. Foto: Rainer Lutz/Archiv
Ein sogenannter Harvester (englisch "harvest"= Ernte) bei Arbeiten im Wald: Damit er nicht zu tief in den Boden einsinkt, sind Kettenbänder aufgezogen. Das Bild zeigt nicht die im Artikel beschriebenen Arbeiten im Nordsteigerwald, sondern dient der Veranschaulichung. Nach Angaben des Forstbetriebs Ebrach war der von ihnen eingesetzte Harvester mit bodenschonenden Moorbändern bestückt. Foto: Rainer Lutz/Archiv
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Andreas Lösch

Wer mit einer großen Holzerntemaschine durch den Wald fährt, richtet zwangsläufig Schäden an. Die tonnenschweren Maschinen hinterlassen ihre Spuren. Wenn die Harvester in sensible Waldgebiete vorrücken, wird es problematisch.
Im Naturschutzgebiet Weilersbachtal zwischen Fabrikschleichach (Gemeinde Rauhenebrach) und Hundelshausen (Kreis Schweinfurt) befindet sich ein Laichbiotop des geschützten Feuersalamanders. Hier fuhren nun ein solcher Harvester (Holzerntemaschine) sowie ein Forwarder (Tragrückeschlepper) im Auftrag des staatlichen Forstbetriebs Ebrach hindurch, was erheblichen Unmut bei Naturschützern erzeugte.
Und auch von behördlicher Seite gab es dafür Kritik: Die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken in Würzburg bezeichnet den Eingriff als "nicht im Einklang mit dem Schutzcharakter der betroffenen Gebietskulisse". Künftig seien solche Maßnahmen mit den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Haßberge und Schweinfurt (je nach Zuständigkeit) abzustimmen, gegebenenfalls auch Würzburg einzubinden. Der Forstbetrieb Ebrach dagegen bejubelt seine Aktion zwar nicht, rechtfertigt sein Vorgehen aber und bezeichnet es als "eine absolute Ausnahme".


"Brachiale Holzernte"

Der Reihe nach: Der Verein Nationalpark Nordsteigerwald kritisiert in einer Pressemitteilung scharf, dass der Forstbetrieb Ebrach "durch Holzerntemaßnahmen" einen Waldbach und ein Laichbiotop "massiv geschädigt" hat. Die schweren Maschinen seien "auf einer Strecke von über 100 Metern im Bachbett eines Zulaufes des Weilersbaches gefahren und haben diesen mehrfach durchquert", heißt es darin.
"Durch diese brachiale Holzernte wurde der natürliche Bachlauf in dem Bereich zerstört", kritisiert Adolf Hümmer, einer der Vorsitzenden des Nationalparkvereins. "Die Querungen und das Fahren im Bachbett durch das schwere Forstgerät haben vermutlich nicht nur etliche Feuersalamander-Larven direkt getötet, sondern die Wasserqualität des ganzen Bachlaufs - auch bachabwärts - durch Schwebstoffe stark geschädigt", sagt er.


Drohende Borkenkäfergefahr

Ulrich Mergner, der Leiter des staatlichen Forstbetriebs Ebrach, weißt die Anschuldigungen zurück. Zunächst habe es sich gar nicht um gewöhnliche Holzerntemaßnahmen gehandelt. Bei der Aktion sollten laut Mergner Fichten aus dem Waldstück entfernt werden, die bei einem Frühjahrssturm umgefallen waren "und wegen der drohenden Borkenkäfergefahr aufgearbeitet werden mussten".
Die besagten schweren Maschinen seien deswegen eingesetzt worden, weil bei von Stürmen umgeworfenen Bäumen eine unberechenbare Spannung im Holz herrscht, so dass händische Arbeit zu gefährlich sei. "Dass auf über 100 Meter im Bachbett gefahren wurde, ist übertrieben", erklärt er weiter. Und: Dass Laichgewässer zerstört worden seien, widerlege die Tatsache, "dass nach wie vor im gesamten Bachlauf Feuersalamanderlarven leben".
Laut Mergner gibt es im nördlichen Steigerwald über 40 quellnahe Bäche, in denen Feuersalamander vorkommen. Den größten Teil dieser Bäche habe der Forstbetrieb bereits aus der forstlichen Nutzung genommen. "Im kritisierten Fall war dies wegen der noch vorhandenen standortfremden Fichten noch nicht möglich. Da inzwischen alle Fichten im Talgrund entfernt sind, wird künftig eine Befahrung nicht mehr erforderlich sein und die alte Rückegasse aufgelassen."
Der Nationalparkverein bleibt bei seiner Auffassung und wird deutlicher. "In seinem Naturschutzkonzept verspricht der Forstbetrieb einen besonders sensiblen Umgang mit quellnahen Fließgewässern, wobei das Befahren mit schweren Forstmaschinen zu vermeiden ist", heißt es in der Pressemitteilung. "Dieses aktuelle brachiale Vorgehen in einem Naturschutzgebiet zeigt einmal mehr, dass die Zusicherungen des Forstbetriebes nur Blendwerk sind." Ziel sei, davon abzulenken, "worum es eigentlich geht: Der Staatsforst will im Steigerwald primär das Holz nutzen und dazu im großen Stil dicke Bäume fällen".


Kein Einklang mit Schutzcharakter

Letzteren (wirtschaftlichen) Aspekt bewertet die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken in ihrer Stellungnahme zu dem Vorfall zwar nicht, gibt aber der Kritik des Nationalparkvereins grundsätzlich recht. "Aus Sicht der Naturschutzbehörden stehen die durchgeführten Forstarbeiten nicht im Einklang mit dem Schutzcharakter der betroffenen Gebietskulisse und widersprechen auch einzelnen Bestimmungen der Naturschutzgebietsverordnung", teilt die Regierung von Unterfranken mit. "Durch das Zerfahren des Bachlaufs wurde zudem eine Fortpflanzungs- und Ruhestätte des Feuersalamanders in der Fortpflanzungszeit geschädigt."
Die vom Forstbetrieb Ebrach im Mai 2018 durchgeführte "Bergung von 17 Windwurffichten zur Eindämmung eines Borkenkäferbefalls" verlief also nicht regelkonform. Aus Sicht der Höheren Naturschutzbehörde "geht es jetzt vornehmlich darum, den eingetretenen Schaden baldmöglichst wieder auszugleichen". Aus fachlicher Sicht sei "eine vorsichtige Wiederherstellung des Bachlaufs" erforderlich. Die zu treffenden Maßnahmen seien mit Fachleuten für Feuersalamanderschutz unter Beteiligung der Unteren und Höheren Naturschutzbehörde im September 2018 zu beraten sowie ergebnisbezogen umzusetzen.


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