Thurn

Wald, Wiesen, Wechselwirkung

Auf der Streuobstwiese am Fürstberg in Thurn, an der Grenze zum Wald, haben die Staatsforsten im vergangenen Jahr Blühwiesen und Bienenweiden geschaffen. Revierleiter Peter Grumann zieht Bilanz.
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Staatsforsten-Referendar Simon Hösch (l.) und Imker Herbet Saam inspizieren die Blühstreifen am Waldrand. Fotos: Pauline Lindner
Staatsforsten-Referendar Simon Hösch (l.) und Imker Herbet Saam inspizieren die Blühstreifen am Waldrand. Fotos: Pauline Lindner
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"Der Wald ist aufgeblüht", konstatiert Revierleiter Peter Grumann von den Bayerischen Staatsforsten, als er zusammen mit Imker Herbert Saam und seinem Referendar Simon Hösch die Streuobstwiese am Abhang des Fürstbergs in Thurn inspiziert. Vergangenes Jahr hat er zwei breite Streifen im Wiesengelände umackern und eine Wiesenblumenmischung einsäen lassen.

Jetzt, Mitte Juli, wirkt das Gelände recht braun, weil insbesondere die Kornblumen und Gräser ihre Samenstände ausgebildet haben. Das ist für den Imker und seine Bienen kein Problem und schon gar nicht für die vielen Schmetterlinge, Käfer, Wanzen und Heuhüpfer. Dem Pferdewirt, der einmal im Jahr die fünf Hektar große Wiese abmäht, ist das sogar willkommen, denn Pferde wollen gern Stängel knabbern. "Eine Woche wird er noch warten müssen", sagt Grumann, während er bei einem Kornblumenfruchtstand überprüft, ob die Samen schon ausgefallen sind.

Wenn die Nahrung knapp wird

Für den Imker ist die Hauptblütezeit in Mai und Juni wichtig, weil seine 21 Völker dadurch kontinuierlich Nahrung - sprich Pollen - finden. Der Mai ist die Zeit, in der Bienenvölker sich teilen. Wird da die Nahrung knapp, greifen die altenstarken Arbeitsvölker nicht selten die jungen an und versuchen deren Honig zu rauben. Mit der Folge, dass das junge Volk verhungert.

Diese Situation verschärft sich noch, wenn die Immen keinen Waldhonig produzieren können. Sein Ausgangsstoff stammt nicht von irgendwelchen Baumblüten, sondern ist das Ausscheidungsprodukt einer Blattlausart. Gehen schon bald im Jahr die Temperaturen stark nach oben, bekommt das den Läusen gar nicht. Sie vermehren sich kaum und gehen infolge der Hitze zugrunde, ehe die Bienen sie "melken" konnten. "Würden wir nichts tun, wäre diese Wiese bald wieder Wald", erklärt Hösch mit Blick auf die Ränder, an denen Jungbäume, besonders Eichen, hochkommen.

Wäre das nicht besser, weil Bäume doch Kohlendioxid binden? Das verneint der Jungförster. Würde man kein Holz schlagen, wäre der Wald gewissermaßen gesättigt. "Nur wenn ein Baum gefällt und zu einem Balken verarbeitet wird, bleibt das CO2 in ihm gebunden, und der Aufwuchs um den Wurzelstock bindet wieder neues CO2 ."

Abwehrmechanismen

Für Hösch und Grumann ist das feine Zusammenspiel zwischen hochgewachsenem Wald und Offenland (Äcker und Wiesen) wichtig, dass durch eine Waldsaum-Buschzone ein Übergang besteht, der bestimmten Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet. Dazu zählen viele räuberische Insekten wie zum Beispiel die Schlupfwespen. Sie legen ihre Eier in andere Insekten - und darunter sind etliche, die in Massen Bäume befallen und zum Absterben bringen können. Damit unterstützen die die Schlupfwespen quasi die Abwehrmechanismen der Bäume.

"Da hat der Mechanismus aber versagt", sagt Grumann und zeigt auf einige hohe Kiefernwipfel, die auffallende rotbraune Nadeln haben. Der Auslöser ist ein Pilz, der hier schon immer heimisch war. Die Kiefer wehrt sich gegen ihn und den verfressenen Prachtkäfer normalerweise, indem sie mehr Harz absondert. Doch in trockenen Jahren fehlt dem Baum Wasser, um Harz auszubilden. Durch die Dürre 2018 und ihre Folgen wurde in der Region deshalb sozusagen die Sterbestunde der Gemeinen Kiefer oder Föhre eingeläutet.

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