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Vorreiter beim Thema Inklusion

Arbeiten mit Beeinträchtigung? Bei Baur ist das kein Problem. Der Versandhandel wurde für seine überdurchschnittlich hohe Beschäftigungsquote gewürdigt. Das Unternehmen gibt sich damit aber nicht zufrieden.
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Vertrauensmann für Schwerbehinderte Uwe Glätzer und Pressesprecher Manfred Gawlas sind stolz auf das Engagement bei Baur.  Foto: Jutta Rudel
Vertrauensmann für Schwerbehinderte Uwe Glätzer und Pressesprecher Manfred Gawlas sind stolz auf das Engagement bei Baur. Foto: Jutta Rudel
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Der Versandhändler Baur will eine Vorreiterrolle bei der Integration von Menschen mit Behinderung innerhalb des Konzerns und in der oberfränkischen Heimatregion einnehmen. Diese sollen gleichberechtigt und selbstbestimmend arbeiten können. "Baur steht für Inklusion", so der Pressesprecher der Baur-Gruppe, Manfred Gawlas. "Wir haben eine überdurchschnittlich hohe Beschäftigungsquote von Mitarbeitern mit Beeinträchtigungen", begründet er. Und das schon seit vielen Jahren. "Die Bandbreite ist breit gefächert. Dazu zählen zum Beispiel unsere gehörlosen und blinden Mitarbeiter, die Rollstuhlfahrer, aber auch Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen", ergänzt Uwe Glätzer, Vertrauensmann der Schwerbehinderten und Gleichstellungsbeauftragter.


Auszeichnung für Top-Quote

Aktuell arbeiten mehr als 430 Menschen mit Einschränkungen in der Unternehmensgruppe. Damit stieg die Beschäftigungsquote im vergangenen Jahr von 11,5 auf 11,8 Prozent. Den absoluten Spitzenwert weist das Einzelunternehmen Baur mit einer Quote von 13,6 Prozent auf. "Die zweistelligen Quoten sind, gerade im Vergleich zu anderen Unternehmen, außergewöhnlich hohe Werte", sagt Manfred Gawlas. Denn die gesetzlich festgelegte Quote liege bei fünf Prozent. Die erhaltenen Fördermittel seien zwar eine Motivation, jedoch nicht der Grund für das hohe Engagement. "Wir sind sehr stolz auf die hohe Quote. Sie ist kein Glück oder Zufall, sondern gelebte Unternehmenskultur." Baur arbeite eng mit dem Inklusionsamt zusammen, die Quote soll weiterhin steigen.
Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller würdigte dieses Engagement. Im Bayreuther Inklusionsamt überreichte sie ein Emblem mit der Aufschrift "Inklusion Bayern - Wir arbeiten miteinander".


Vollständige Barrierefreiheit

Um das Arbeitsleben für beeinträchtigte Mitarbeiter zu erleichtern, sollen alle Baur-Verwaltungsgebäude bis 2020 zu 100 Prozent barrierefrei werden. "Wir sind zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen. Derzeit liegt die Barrierefreiheit bereits bei über 90 Prozent", sagt Gawlas. Der Verwaltungsstandort in Burgkunstadt sei im vergangenen Jahr entsprechend umgestaltet worden.
In dem Callcentern seien vor allem Querschnittsgelähmte eingesetzt, für die alle Räume rollstuhlgerecht umgebaut und ein Aufzug mit ebenerdigem Zugang eingerichtet wurde, erklärt Uwe Glätzer. Auch die Bürotische seien höhenverstellbar. In der Logistik wurden für die gehörlosen Mitarbeiter die Flurfahrzeuge mit LED-Lichtern versehen, damit keine Unfälle passieren.
Darüber hinaus "setzt sich das Unternehmen auch gezielt für Einzelfälle ein". Eine blinde Kollegin, die in der IT-Abteilung arbeitet, habe eine spezielle Tastatur erhalten. Ein Auszubildender sei seit einem Unfall querschnittsgelähmt. Weil er mehrere verschiedene Bereiche betreten müsse, würden für ihn alle Türen elektronisch ausgerüstet und ein Behindertenparkplatz eingerichtet.


Gelebtes Miteinander

"Viele Krankheiten sind nicht ersichtlich. Bei uns herrscht absolute Vertraulichkeit. Wenn der Betroffene nicht offen mit seiner Erkrankung umgeht, dann wird das auch nicht thematisiert", sagt der Vertrauensmann. Im Großen und Ganzen sei das Miteinander absolut harmonisch.
Kleine Probleme gebe es dennoch: "Wenn jemand zum Beispiel nur Frühschicht arbeiten kann, weil ihn die Medikamente ab Mittag schläfrig machen, dann stößt das bei manchen Kollegen auf Unverständnis. Ich sage in solchen Fällen immer: Sei einfach zufrieden damit, dass dir nichts fehlt."
Meist sei man erst sensibilisiert für das Thema Behinderung, wenn man selbst betroffen ist. "Das große Engagement des Unternehmens rührt aus der Vergangenheit, da der Gründer selbst betroffen war." Dessen Frau war an Kinderlähmung erkrankt. Die Integration beeinträchtigter Menschen sei Baur daher schon immer wichtig.
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