Erlangen

Vor Gericht in die Verlängerung

Am Ende flogen die Fäuste und zwei blutige Nasen wurden gezählt, ehe die Polizei im Juni aufs Sportgelände des ASV Möhrendorf gerufen wurde: Nach Spielschluss hatten sich der Spielmacher und ein Trainer in die Haare bekommen.
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Unschöne Bilder am Spielfeldrand: Statt fairen Worten gab es Beleidigungen und einen Kopfstoß, der ein Nasenbein zertrümmerte. Foto: H. Kowalsky
Unschöne Bilder am Spielfeldrand: Statt fairen Worten gab es Beleidigungen und einen Kopfstoß, der ein Nasenbein zertrümmerte. Foto: H. Kowalsky

Michael Busch Es sind nicht immer die Fans einer Sportart, die sich in die Haare bekommen, manchmal sind es die Akteure selbst. Der Sportbeobachter weiß, dass das unsportliche Verhalten auf dem Platz immer wieder beim Eishockey, aber auch beim Fußball zu beobachten ist. Doch, dass es nach Spielende auf dem Feld weitergeht, ist eher unüblich.

In Möhrendorf ist im vergangenen Juni aber genau das passiert. Die Sportvereinigung Reuth (SpVgg) traf dort auf den Türk SV aus Erlangen. Nach dem 3:1 für die Erlanger Mannschaft endete aber auch der sportliche Höhepunkt eines spannenden und sportlich dramatischen Spiels. Nicht weniger dramatisch kam es dort zu Beleidigungen und einem Kopfstoß durch den Trainer des unterlegenen Forchheimer Vereins.

Hurensohn führte zum Blackout

Mit genau diesem Vorwurf ging es nun in eine Verlängerung vor Gericht. Hagen Förster, (Schieds-)Richter am Erlanger Amtsgericht, ließ sich den Fall nochmals genau erläutern. Die Staatsanwältin referierte, dass eben in den Abendstunden, nach dem Spiel, der Trainer auf den Kapitän des Gegners mit dem Kopfstoß reagiert habe. Dies führte zu einem Nasenbeinbruch des 25-jährigen Sportlers.

Der Vorwurf der Körperverletzung wurde von dem Trainer auch unumwunden zugegeben, allerdings hätte das Geschehen vor und dann auch nach dem Spiel eine wichtige Rolle gespielt. "Bereits vor acht Monaten mussten wir gegen den Türk SV spielen und bereits dort gab es Beleidigungen", führte der 44-jährige Forchheimer aus. Nach der Niederlage seien dann die Spieler der Gewinnermannschaft über den Platz gezogen und hätten sich bereits unfreundlich verhalten. "Ich bin selber als Hurensohn bezeichnet worden", führte er aus. Was dann wirklich passiert sei und warum er so überreagiert habe, könne er nicht erklären. "Es war eine Kurzschlussreaktion!" Er selber erkannte, dass er als Trainer natürlich eine Vorbildfunktion einnehme, die mit dieser Handlung nicht zusammenpasse.

Schutz der Polizei gesucht

Dennoch sei dieses Nachspiel zu dieser Zeit noch nicht zu Ende gewesen. Die Familie des gegnerischen Mannschaftskapitäns habe ihn ebenfalls bedrängt und nur im Schutz seines Vorstandes habe er den Platz verlassen können. "In Forchheim habe ich sogar die Polizei gerufen, weil die Familie und Freunde des Angegriffenen mit vier bis fünf Autos bei mir aufgetaucht sind." Dennoch habe er sich ein paar Tage später entschuldigen wollen, ist aber über den Kontakt des Bruders nicht bis zum eigentlichen Opfer durchgekommen. "Wir hatten zwar ein langes Gespräch, aber auch da schwangen weitere Drohungen mit."

Der in Baiersdorf lebende Angegriffene schilderte diesen Vorgang allerdings anders. Ihn selber habe der Trainer nicht erreicht, wohl seinen Bruder. Aber auch die Beleidigungen oder weitere Drohungen seien nicht gefallen. In seiner Aussage belastete er den Beschuldigten auch nicht weiter. "Nach vier Wochen war die Nase wieder in Ordnung, ein kleiner Huppel ist geblieben", gibt er vor dem Gericht an.

Auch ein durch den Rechtsanwalt des Beschuldigten aufgeführter Schlag auf den Hinterkopf seines Mandanten durch den Geschädigten wies dieser zurück. Er gab allerdings zu, dass er trotz Krankschreibung bereits drei Tage später für ein weiteres Spiel auf dem Platz gestanden habe. "Für meine Mannschaft", erklärte er. Was aber in einer Bewertung für den Tathergang unerheblich sei, wie Richter Förster betonte.

Kein harmloser Schlag

Für die Vertreterin des Staates war alles klar: "Der Angeklagte hat den Vorwurf zugegeben. Ein Kopfstoß ist äußerst heftig und entsprechend zu bestrafen." Ein Jahr Gefängnis auf Bewährung ausgesetzt, war die Forderung von ihrer Seite.

Die Replik des Rechtsanwaltes startete mit einer grundsätzlichen Ausführung zum Fußball. "Wir reden von einem Relegationsspiel und Entschuldigung, es ist kein Damenfußball. Hier spielen Männer, hier spielen Türken." Er habe bei anderen Spielern nachgefragt, die alle erklärt hätten, dass sie ebenso heftig auf die angeblichen Beleidigungen reagiert hätten. Aber, so der Rechtsanwalt: "Hand, Faust, das wäre O. K. gewesen, aber ein Kopfstoß geht gar nicht!" Da sei er bei der Auffassung des Richters. Aber durch diese Vorgänge sei es letztlich ein minderschwerer Fall, der mit einer Geldbuße zu ahnden sei.

"Da gehört schon was dazu, dass man die eigene Stirn dem anderen ins Gesicht rammt", sagte Richter Förster bei seiner Urteilsbegründung. Und ergänzte: "Mir ist es egal, ob die Äußerungen für Türken eine schwere Beleidigung sind oder nicht, Beleidigungen gehen generell nicht, ebenso die Gewalt in Folge."

Zehn Monate, allerdings auf Bewährung, lautete der Richterspruch. Außerdem muss der Angeklagte 1000 Euro an den Geschädigten zahlen, weitere 1000 Euro an die Kriegsgräberfürsorge. Förster ging nochmals auf die besondere Rolle des Angeklagten als Trainer ein: "Sie haben ihren Spielern gezeigt, wie man es nicht macht. Sie können froh sein, dass nicht mehr passiert ist."

Nachsatz zur Aussage des Rechtsanwaltes, dass dieses Spiel kein Damenfußball gewesen sei: Die Staatsanwältin hatte für diesen Satz nicht allzu viel Verständnis. Denn sie sagte nach der Sitzung, dass sie selber in der Oberliga gespielt habe, mit Mannschaften der zweiten Bundesliga trainiert. Auch wenn es keine Rote Karte für die Bemerkung des Rechtsanwaltes gab, in dem Fall war es ein Punktsieg für die Staatsanwältin.



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