Bad Staffelstein

Vor den Krapfen floss der Schweiß

Praktizierte Ökumene für Touristen: wenn flaches und gewölbtes Backwerk auf dem Teller landet.
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Mit der Idee, den Krapfen zum Wanderziel zu machen, lag Wanderführerin Hildegard Wächter in Stublang goldrichtig. Fotos: Markus Häggberg
Mit der Idee, den Krapfen zum Wanderziel zu machen, lag Wanderführerin Hildegard Wächter in Stublang goldrichtig. Fotos: Markus Häggberg
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Der lateinische Satz "Per aspera ad astra" bedeutet, dass man über raue Pfade zu den Sternen gelangt. Oder zu den Krapfen, wie im Falle der Genusswanderung am vergangenen Mittwoch.

Es sollte ein weiterer kleiner Höhepunkt dieser Wanderserie des Kur- und Tourismusservice werden. Der Sommer sollte sich an diesem Tag etwas Zeit lassen. Um 10 Uhr jedenfalls, als sich 21 Teilnehmer am Wanderparkplatz zum Aufbruch fanden, war er noch nicht zu spüren. Eigentlich beste Wanderbedingungen, erst recht wenn man gleich zu Beginn einen Aufstieg nehmen muss.

An Che Guevara vorbei

Der geschah unter den Augen Che Guevaras, zumindest passierten die Wanderer in Loffeld einen waldnahen Punkt, an dem eine Fahne mit dem Konterfei des marxistischen Revolutionärs hing. Dann ging es auf einem Hohlweg durch ein Waldstück in Richtung Westen und in Richtung Dornig. Hier zeigte sich der Wert des Gemeinschaftserlebnisses Wandern, denn durch Gespräche und Pläusche war man zu abgelenkt, um Klage über die Steilheit zu führen. Oben auf der Lichtung angekommen, kam es zur ersten Rast mit Sicht auf Wolken, die noch unterhalb des Gipfelkreuzes vom Staffelberg hingen. Abgesehen von den Krapfen, die bald um diese Uhrzeit schon bei Karin Schorn im Zielort Stublang vorbereitet wurden, lag noch etwas Geschichte auf dem Weg.

Wie keltische Gräberstätten beschaffen waren und wo man solche entlang der Tour findet, dazu hatte sich Wanderführerin Hildegard Wächter längst kundig gemacht. Jenseitsvorstellungen der Kelten, die sich auf ihre Begräbnisrituale auswirkten, wurden bei einer kleinen Rast besprochen, ebenso wie der Umstand, wonach Kelten neben Bier auch zum Wein gefunden hätten. Klar, dass Wächter eine kleine Überraschung parat hatte und Wein ausschenkte. Den führte sie in ihrem Rucksack in mehreren Flaschen mit, öffnete diese und schenkte ihren Wanderern am Aussichtspunkt Dornigspitze ein. Dabei bediente sie sich eines keltischen Trinkspruchs: "Auf all die guten Qualitäten von uns, die nicht wenige sind." Es sind Gesten wie diese, die Wächter eine gewisse Stammkundschaft bei den Wanderungen einbrachte.

Im Grunde war es vergnüglich zu bemerken, dass das Wanderziel nur wenige Steinwürfe vom Ausgangsort entfernt war, aber über unterhaltsame Umwege angegangen wurde. Bald war man aber doch in Stublang, und wieder gab es was zu lernen: Krapfenformen scheinen konfessionell gebunden zu sein. Die flache Variante gilt im Volksmund als evangelisch, die gewölbte und vergleichsweise barocke als katholisch. Manch ein Wanderer sollte zum Kaffee auf seinem Teller Ökumene praktizieren und sowohl flache als auch gewölbte zu sich nehmen.

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