LKR Forchheim

Vor dem Schmücken wird geputzt

Mitte der 1960er Jahre wurden in nur 16 Dörfern der Fränkischen Schweiz insgesamt 28 Osterbrunnen geschmückt. Heute sind es über 400.
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Der Osterbrunnen in Engelhardsberg: 1956 (links) und heute Fotos: Heimatverein; Reinhard Löwisch
Der Osterbrunnen in Engelhardsberg: 1956 (links) und heute Fotos: Heimatverein; Reinhard Löwisch
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In alten Lokalzeitungen - 50 Jahre zurückgeblättert - finden sich viele Berichte zum Thema Osterbrunnen schmücken. Kein Wunder, mittlerweile gibt es davon über 400 in der Fränkischen Schweiz. Und da dieser Brauch ein sehr personalintensiver ist, pro Brunnen darf mit zehn Helfern gerechnet werden, sind derzeit viele, sehr viele Menschen mit den Vorbereitungen beschäftigt.

Ehrgeiz spornte an

Mitte der 1960er Jahre war für die "Fränkische" zu lesen, dass "immerhin in 16 Dörfern die Zahl der festlich geschmückten Osterbrunnen auf 28 hinaufgeklettert" ist. Fünf Jahre später waren es dann schon 61. Die Sache sprach sich anscheinend herum, es wurde modern, der Ehrgeiz spornte an, den eigenen Brunnen für Ostern zu schmücken. Früher lief das Schmücken allerdings etwas anders ab als heute: "Die männliche Jugend bringt in den Tagen vor Ostern den Mädchen kleine Tannen- oder Fichtenbäumchen, die von den Mädchen mit bunten Bändern, Papierfähnchen und leeren gefärbten Ostereiern geschmückt und dann am oder über dem Dorfbrunnen angebracht werden", schreibt die Lokalpresse 1955.

Doch damit nicht genug: "Mit dem Schmücken der Osterbrunnen muss auch das Brunnenputzen vorgenommen werden. Burschen und Mädchen helfen da einträchtig zusammen und säubern den Brunnen oder die Quelle von Unrat, der Rand des Brunnens und der Bereich der Quelle wird hernach mit Bändchen und Grünzeug dekoriert", heißt es da weiter.

Dem Brauchtum um Ostern wurde vor einem halben Jahrhundert noch großer Stellenwert eingeräumt: Es brachte Glück, die Kinder an Ostern taufen zu lassen. Denn schließlich wird in der Osternacht auch das Taufgelübde erneuert. Das kostbare Weihwasser vom Karsamstag wurde überall dort versprüht, wo es wichtig war: auf den Feldern, in den Ställen, im Wohnhaus. Am Gründonnerstag gab es noch vor einigen Jahren zum Mittag "Küll" als Gemüse; eine Art Spinat vermischt mit bis zu 25 verschiedenen Kräutern, die auf der Flur gesammelt wurden.

Das Osterlicht wurde noch in den 60er Jahren in Form einer Kerze oder in der Laterne nach Haus getragen, um damit den Herd in der Küche zu befeuern. Dadurch wurde der Winter vertrieben und der Erdboden geheiligt. Ein ganz besonderer Tag der Versöhnung war der Ostersonntag, an dem auch im Wirtshaus mit Tanz gefeiert wurde. Die Lokalzeitung schrieb: "Menschen, die sich böse waren und seit Wochen oder Monaten kein Wort miteinander sprachen, reichten sich die Hände, verziehen einander und waren wieder gute Freunde."

Vor einigen Jahrzehnten gab es auch noch den Brauch, gekochte Eier, die die Kinder im Nest in der Wiese gefunden hatten, so lange in die Luft zu werfen, bis die Schale platzte, um sie anschließend essen zu können. Dumm nur, wenn der Opa sich alter Zeiten erinnerte und ein Holzei unter die anderen mogelte. Da konnte man lange werfen, bis es kaputt ging oder der Schwindel aufflog.

Patenbündel

Auch das Patenbündel in evangelischen Gegenden dürften noch einige kennen. Es wird bis zur Konfirmation jedes Jahr an den Ostertagen zum Patenkind gebracht. Es enthielt zwölf gekochte Eier, einen Patenteller mit der Aufschrift "Von deinem Paten" und einen gebackenen Hasen mit Fahne. Die Hülle des Bündels bestand aus Leinen und war damit ein wertvolles Geschenk. Ein Sprichwort lautet: "Je reicher der Pat', desto größer das Patenbündel."

Um den Brauch des Osterbrunnen wieder im Gedächtnis der Einheimischen zu verankern, kam der Fränkische-Schweiz-Verein 1971 auf die Idee, ein "Brunnenjahr" auszurufen. Der Gedanke dahinter: "Vorhandene Brunnen zu erhalten, beschädigte zu reparieren, noch wild fließende Quellen zu fassen und dem Wanderer wie dem Naturfreund dienstbar zu machen". Unbewusst griff der Heimatverein ein Thema auf, dass auch schon im 19. Jahrhundert populär war: Der Schutz des Brunnens. Am 20. Mai 1840 übermittelte das Landgericht Ebermannstadt der Gemeindeverwaltung einen Erlass zur "Förderung der Sauberhaltung der öffentlichen Brunnen". Das "sehr unschickliche Trinken aus dem Brunnenrohr" wurde darin scharf gerügt, weil dadurch nicht nur das Wasser verunreinigt, sondern auch der Brunnen selbst beschädigt, ja wohl gar "das Brunnenrohr locker gemacht oder ganz herausgerissen" werde. Außerdem hat die Obrigkeit die Eltern angehalten, ihre Kinder nicht in der Nähe des Brunnens spielen zu lassen, weil jene das Brunnenwasser durch "Einwerfen von Sand und Steinen" verschmutzen könnten.

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