Bamberg

Vor 175 Jahren kam der erste Zug nach Bamberg

Die Zuschauer wichen ehrerbietig aus, als am 25. August 1844 um 9 Uhr der erste Zug in den Bamberger Bahnhof einfuhr. Was damals noch als Provisorium dastand, feiert am Sonntag einen runden Geburtstag.
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Der Bamberger Bahnhof heute Foto: Barbara Herbst
Der Bamberger Bahnhof heute Foto: Barbara Herbst
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1844 erhielt Bamberg den Anschluss an ein neues Verkehrsmittel - die Eisenbahn. Es war eine bewegte Geschichte, als der Betrieb der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn begann. Die Eisenbahn trug zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt bei und gab Generationen von Eisenbahnern Lohn und Brot.

Die Erfolge der privaten "Ludwigs-Eisenbahn" von Nürnberg nach Fürth ermutigten die Betreiber zu einer Erweiterung. Verschiedene Verlängerungen wurden in Betracht gezogen. Das 1836 geplante Projekt der "Nürnberg-Nordgrenze-Eisenbahngesellschaft" sah einen Streckenverlauf von Nürnberg über Bamberg bis nach Hof vor. Durch Fehleinschätzungen und zu hohen Kosten war das Vorhaben bereits 1840 wieder zum Scheitern verurteilt.

So entschied König Ludwig I. nach Beratung mit seinem Minister des Innern, Karl von Abel, per Gesetz eine Eisenbahn in Richtung Norden auf Staatskosten bauen zu lassen. Am 14. Januar 1841 schloss das Königreich Bayern mit dem Königreich Sachsen und dem Herzogtum Sachsen-Altenburg einen Vertrag zum Bau einer Eisenbahn von Nürnberg über Bamberg an die nördliche Reichsgrenze bei Hof und von da eine Weiterführung in Richtung Leipzig. Eine Verlängerung in Richtung Süden über Augsburg nach Lindau wurde in Aussicht gestellt.

Am 1. Juli 1841 nahm die "Königliche Eisenbahnbau-Commission" unter Friedrich August Pauli in Nürnberg ihre Arbeit auf. Sie war eine dem Staatsministerium des Innern unterstellte Zentralstelle. Nach Grunderwerbungen konnten ein Jahr später die Bauarbeiten beginnen. Zu Ehren des Königs erhielt diese erste Staatsbahnstrecke, die diagonal durch das Königreich Bayern verlief, den Namen "Ludwig-Süd-Nord-Bahn". Die Königliche Eisenbahnbau-Commission bestellte für den Betrieb auch 24 Lokomotiven der Gattung A I, damals noch "Dampfwagen" genannt.

Nachdem die Streitfrage in Bamberg über den geeigneten Standort des Bahnhofplatzes endlich geklärt war, erfolgte am 8. Juli 1844, am Geburtstag Ihrer Majestät Königin Therese, die Grundsteinlegung für das Stationshauptgebäude.

Zu Ehren Seiner Majestät König Ludwig I. war bereits an dessen Geburts- und Namenstag, dem 25. August, die Eröffnungsfeier des ersten Streckenabschnittes von Nürnberg nach Bamberg geplant. Daher war Eile geboten. Weiter südlich, etwa im Bereich des heutigen Atriums, mussten ein provisorisches Stationsgebäude, es war nur ein kleines Holzhäuschen, und ein provisorischer Stationsplatz errichtet werden. Für die Damen wurde eine Tribüne aufgestellt, der Handelsstand errichtete ein Zelt. Ein neuer Fahrweg vom Bahnhof zur Stadt durch die Lausing, heute Luitpoldstraße, entstand.

Der Magistrat erstellte eine genaue Fahrordnung für die Lohnkutscher, die am Festtag Gäste vom Bahnhof in die Stadt und zurück fahren sollten. Die Königliche Eisenbahnbau-Commission in Nürnberg legte für die beteiligten Städte einen 15 Punkte umfassenden schriftlichen Programmablauf fest. Die München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft ordnete einen Teil ihrer Belegschaft ab, um bei der Eröffnungsfeier behilflich zu sein.

Bestaunt wie "Wundertiere"

Ab dem 10. August fanden täglich einzelne Übungs- und Probefahrten mit voll besetzten Zügen statt. Das Fahrpersonal musste sich mit den neuen Lokomotiven vertraut machen und den Betriebsablauf einüben. Die Dampfwagen wurden von einer großen Menschenmenge wie "Wundertiere" bestaunt. Am 22. August wurden abends 300 Billetes verteilt, damit auch Bamberger Bürger das Fahrvergnügen genießen konnten. Deren glückliche Inhaber konnten dann am nächsten Vormittag mit einem Probezug nach Nürnberg und am Nachmittag wieder zurück fahren. Am 23. August erfolgte die Generalprobe für den Eröffnungszug.

Mit den Probezügen kamen auch etwa 600 Nürnberger nach Bamberg. Die Mitreisenden konnten das Angenehme des Fahrens nicht genug loben. Alle seien "ganz erregt" vor Freude auf den großen Festtag.

Am Sonntag, den 25. August 1844, war es soweit. Zur feierlichen Eröffnung des ersten Streckenabschnittes marschierte früh die königliche Landwehr nach dem "schön gezierten Bahnhof", wo bereits eine Abteilung des III. Jäger-Bataillons und des Cheveauxiegers-Regiment aufgestellt waren. Das Ereignis lockte eine große Menge Zuschauer aus nah und fern herbei, die sich am Bahnhof und längs der Bahnlinie versammelten. Die Gebäude und Gerüste wurden bekränzt. Von hohen Stangen wehten die bayerische und sächsische Flagge. Bereits ab 6 Uhr früh gab es bei der neu eröffneten "Bahn-Wirthschaft" frisch gebackene Krapfen und sonstige Speisen und Getränke.

Seine Königliche Majestät konnte selbst an der Feier nicht teilnehmen, er reiste zu seinem zweitgeborenen Sohn, König Otto von Griechenland. In Vertretung schickte er den Herrn Finanzminister Graf von Seinsheim.

Um 9 Uhr traf der aus 14 Wagen bestehende, festlich geschmückte Zug mit den Ehrengästen und der Lokomotive "Bavaria" in Bamberg ein. Diese Lok wählte man bewusst für den Eröffnungszug aus, denn sie wurde von J.V. Maffei in München hergestellt und sollte die Leistung der "vaterländischen Werkstätte" besonders hervorheben. Das technische Wunder kündigte sich durch große Rauchwolken und ein schrilles Pfeifen an. Alle wichen ehrerbietig aus.

Die Ehrengäste wurden mit Böllerschüssen und Festreden begrüßt. Seine Exzellenz der Regierungspräsident von Oberfranken, Ministerialrat Volz, der hohe Stadtmagistrat, der hochwürdige Domprobst, die übrigen Zivil- und Militärbehörden der Stadt empfingen feierlich die Ehrengäste. Die Musikkapellen wurden durch die Hochrufe der Menschenmenge übertönt.

Eine halbe Stunde später folgte der zweite Sonderzug mit 15 "unbedeckten Wagen" und der Lokomotive "Saxonia" (nicht zu verwechseln mit der namensgleichen sächsischen Lok). Der Zug war besetzt mit den am Bahnbau beteiligten Arbeitern und den Gewerken, wie Schlossern, Schmieden, Sattlern und Wagnern mit ihren buntfarbigen Zunftfahnen. Eine dritte Lokomotive, die "Germania", stand in Nürnberg für alle Fälle in Bereitschaft.

Nach den Festgottesdiensten im Dom bzw. in der protestantischen Kirche St. Stephan lud die Stadt etwa 70 Ehrengäste zu einem Festessen ins "Deutsche Haus" ein. Dem außerordentlich schönen Morgen folgte gar bald ein unfreundliches Wetter. Um 14.15 Uhr fuhr der Hauptzug mit den Ehrengästen und der Lokomotive "Bavaria" zurück nach Nürnberg. Um 14.30 Uhr folgte der zweite Zug mit der Lokomotive "Saxonia".

Der Finanzminister, Graf von Seinsheim, erstattete dem König dann einen schriftlichen Bericht über die Feierlichkeiten. Er war beeindruckt von der nicht abreißenden Menschenmenge längs der Bahn, den geschmückten Häusern und den Jubelrufen. Das Tagblatt druckte in seinen Berichten aber auch eine gewisse Skepsis über das neue Verkehrsmittel ab. Die Zeitgenossen empfanden, dass die "schnelle Eisenbahn" die Reisenden gegenüber der durchfahrenden Landschaft abstumpfen lasse. Es wurde aber auch erwähnt, dass während des Festes nicht die geringste Unordnung stattgefunden hat.

Der planmäßige Zugbetrieb zwischen Nürnberg und Bamberg wurde dann am 1. Oktober 1844 mit zunächst täglich drei Zugpaaren aufgenommen.

Norbert Heidrich ist Gruppenleiter bei der Stiftung Bahn-Sozialwerk für die Gruppe Eisenbahngeschichte Bamberg.

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