Erlangen

Von wegen ein "Scheißjob"

Bergarbeiter (4)  Unser Bergreporter hat sich diesmal das Klohäuschen für seinen Arbeitseinsatz ausgesucht. Denn neben trinken, essen und feiern gehört auch das Geschäft mit dem Geschäft zum Erlanger Berg.
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von unserem Redaktionsmitglied 
Michael Busch

Berg — Sie sind alle gleich. Die Dame auf den Pumps bewegt ihren Hintern an dieselbe Stelle, wie kurz zuvor der 17-jährige Punk, der Professor an der Uni setzt sich auf den Platz, den kurz zuvor der Gammler aus der Fußgängerzone belegt hat. Nirgendwo sind die Menschen gleicher als auf dem stillen Örtchen, das einfach jeder, der den Berg besucht, früher oder später betreten wird.
Allerdings, von "still" kann ich als mitarbeitender Bergreporter nicht wirklich sprechen. Denn an diesem Platz ist Bewegung drin. Nicht nur durch die Gäste, denn ausgerechnet am Pfingstmontag ist es recht ruhig. "Das macht die Hitze", weiß die Chefin Nadine Huffman. Bei meiner Einweisung erzählt sie von ihren Erfahrungen.

Große Mannschaft fürs Geschäft

"Die Leute schwitzen das Getrunkene wieder aus", daher ist die Hitze nicht nur für die Festwirte nicht gut, auch der Frau am Klohaus wird das Geschäft verhagelt. "Wer glaubt, dass wir hier die Maschine zum Gelddrucken stehen haben, der irrt gewaltig", korrigiert sie die Meinung von vielen Berggängern, wenn die jene mit Münzen gefüllten Körbe sehen. Denn die bis zu sechs Hilfen wollen bezahlt werden. Ob das Geschäft mit dem Geschäft nun läuft oder nicht.
Im Grunde ist der Job einfach, aber er kostet ein wenig Überwindung. Der Bergreporter darf bei den Männern arbeiten. "Das ist einfacher, denn die Vorurteile, die man über Frauen am Klo hat, stimmen!" Das erklärt mir Kathi Haase, die sowohl private als auch geschäftliche Partnerin dort am Bergklo bei der Feuerwehrstation. Männer seien in der Regel reinlicher, die Klos selten so massiv verschmutzt. Außerdem gehen Männer zeitsparend aufs Klo. "Es sei denn, es schläft mal einer ein!" Was die Frauen hinter verschlossenen Türen alles machen, überrasche die Chefin selbst immer mal.
Für die Arbeit heißt es: Wenn Männer nicht nur an das Urinal wollen, 50 Cent einkassieren, dann wird die Türe zum kurzen Glück aufgeschlossen. Kein Zeitlimit, keine weiteren Vorgaben. Nach Beendigung des Geschäftes ein Wegwerftuch nehmen, Desinfektionsmittel drauf, einmal drüber wischen, Tuch ins Klo und einmal kräftig spülen. Gegebenenfalls die Bremsspuren in der Porzellanschüssel mit der Bürste entfernen.
Dann noch ein Blick auf das Klopapier, das sollte nie zu knapp werden. Weit über 2000 Rollen werden allein an diesem Klohaus während Bergzeiten verbraucht. "Die Kosten trage ich", erklärt Nadine, die sonst das "Chaplins" in der Erlanger Innenstadt betreibt. "Ich habe das Häuschen von der Stadt gepachtet." Gestartet ist sie vor 17 Jahren, hat dann aber fünf Jahre pausiert, um vor fünf Jahren wieder ins Klo-Geschäft einzusteigen. "Die Schausteller wollten mich wieder haben und die Stadt hat bei mir angefragt", erklärt die Chefin stolz.
Denn wie sie zugibt, ist sie eine strenge Chefin. "Die Menschen kommen gerne zu mir, weil sie wissen, dass ich ein sauberes Haus habe." Man hat tatsächlich den Eindruck, dass es viele Stammgäste gibt. Nadine wird immer wieder gedrückt und geherzt. "Schön, dass es Dich gibt", ein Kompliment, das durchgängig auftaucht. Liegt vielleicht auch ein wenig an der schnoddrigen Schnauze, mit der sie das Geschäft führt. Die Besucher genau einschätzend gibt es mal einen frivolen Spruch, mal etwas Aufbauendes, mal ein betontes Dankeschön, weil ein Gast deutlich mehr als die 50 Cent in den Korb gelegt hat.

Putzmittel ist teuer

Das mit dem Geld führt aber auch immer wieder zu Diskussionen. Denn die Männer brauchen das Geld nur zu zahlen, wenn sie die Kabine aufgeschlossen haben wollen. "95 Prozent der Männer bezahlen aber auch für das kleine Geschäft." Es sind die Frauen, die meist Unverständnis zeigen.
Dabei ist es so einfach: Zum einen schreibt die Stadt den Betrag vor. Weiterhin müssen die Putzfeen am Häuschen bezahlt werden. Dass die Männer, wenn sie nicht sitzen müssen, nichts bezahlen sollen, hat seinen Grund. Denn Erfahrungen zeigen, dass die Stehpinkler zu 99 Prozent Bäume, Zäune und fremde Vorgärten als Toilette missbrauchen. Die Folgen der Wildpinkelei mag man sich gar nicht vorstellen. Weder sehend noch riechend.
Für mich als Bergreporter war es ein spannender Job, definitiv kein Scheißjob. Im Gegenteil: Nadine, Kathi und deren Mannschaft gehört höchste Anerkennung für ein tolle Arbeit, die sie Tag für Tag am Berg leisten.

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