Herzogenaurach

Von "Kümmel" bis "Napoleon"

Kreisheimatpfleger Manfred Welker erklärt in seinem neuen Buch die Herzogenauracher Haus- und Spitznamen.
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Der "Herrnbuch" (Hirtenbuck) mit dem Gasthof "Gambrinus" kommt ebenfalls im Buch vor.
Der "Herrnbuch" (Hirtenbuck) mit dem Gasthof "Gambrinus" kommt ebenfalls im Buch vor.
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Kreisheimatpfleger Manfred Welker hat ein Büchlein zu Herzogenauracher Haus- und Spitznamen herausgebracht und es unlängst gemeinsam mit seinen Unterstützern beim "Bauern Marerl" in der Hauptstraße 73 in Herzogenaurach vorgestellt.

In Herzogenaurach endete die Ära der Tuchmacher mit der Einführung der mechanischen Webstühle, daher sattelten viele auf die Schuhmacherei um. Da sie vor allem Hausschuhe, also Schlappen, herstellten und sie in der Region als Hausierer an die Frau oder den Mann brachten, hatten sie schnell ihren Necknamen "Schlappenschuster" weg.

In der Stadt selbst gab es Hausnamen, die variantenreich, oftmals zutreffend, meist nur den Eingeweihten vertraut waren und sich über Generationen hinweg hielten. Nicht selten lagen sie auf dem Haus selbst und wurden beim Verkauf auf den neuen Besitzer "weitervererbt". Dazu kommen noch Spitznamen, die auf eine Person zugeschnitten sind und daher nach einer Generation wieder in Vergessenheit geraten.

Mit Zylinder zur Feldarbeit

Bereits das vorletzte Herzogenauracher Heimatblatt des ersten Jahrgangs 1925 beschäftigte sich mit Hausnamen. Darin ist zu erfahren, dass die Bewohner des Anwesens Engelgasse 6 als "Napoleon" tituliert wurden. Der Urheber dieses Namens trug den bürgerlichen Namen Lierheimer, er erklärte ungeniert jedem, selbst der Kaiser Napoleon zu sein und fuhr deswegen standesgemäß mit dem Zylinder zur Feldarbeit. Der Name verblieb auch nach dem Aussterben des Familiennamens auf dem Haus und wurde ebenso auf die Familie Kitterer angewandt, die danach das Anwesen besaß.

In Herzogenaurach ist der Familienname Welker nicht selten. Er geht zurück auf die ehemalige Tuchmachertradition, wurde teilweise als Wellcker, Weleckher, Wellacher geschrieben und rührt von "walken, der Walker" her. Ebenso lassen sich Hausnamen wie "Färber" oder "Färber-Maier" auf diesen starken Berufszweig zurückführen.

Um die einzelnen Familienzweige der Welker besser unterscheiden zu können, wurden Hausnamen "verliehen". So soll ein Welker seinen blauen Frack vom Militärdienst mit nach Hause gebracht und ihn bei der Feldarbeit getragen haben. Aus diesem Grund wurden die Familienmitglieder nur als die "Blaua" oder "Blobm" tituliert.

Welker ist nicht gleich Welker

Ein weiterer Zweig, die "Kunerli", erhielt seinen Namen vom Kunerla, also Konrad Welker, der von 1803 bis 1861 in Herzogenaurach lebte. Aber woher kommt der Hausname "Kümmel"? Hat ein Urahn diesen angebaut oder lediglich sein Essen gerne mit Kümmel gewürzt?

Zur Unterscheidung gab es noch die "Kurz'n", die "Großer" und die "Färber", außerdem "Hans-Pat", die alle den Familiennamen Welker trugen. Nicht mehr verbreitet sind dagegen die Familiennamen "Welschen", "Stegen", "Schwarzschuster", "Schustersgleich" oder "Schwarzbauer", die Luitpold Maier noch in einem Vortrag vor Mitgliedern des Familiennamens Welker 1936 ausführte. Ebenso war "Biener" (d. h. Büttner) ein Hausname für eine Welker-Familie.

Ohne das umfassende Wissen von Schmiedemeister Valentin Welker über Herzogenaurach hätte dieses Werk nicht entstehen können. Weitere Informationen und Korrekturen steuerten Rita Bitter, Franz Daigfuß, Elmar Ellwanger ("Schnitzer"), Georg Frey, Hans Gaschbauer ("Gaschi"), Robert Glas, Helmut Fischer, Günther Graf ("Dusa"), Konrad Grumann, Michael Hagen ("Spitz"), Robert Keller, Gunda Kroder, Gotthard Lohmaier, Karin Maier, Heinrich Müller ("Schulters"), Christine und Ludwig Peetz, Georg Peetz, Horst Ploner ("Gree"), Fritz Spieß, Johann Walz ("Panzer"), Rainer Welker ("Kunerla"), Stefan Welker ("Hans-Pat") und Hans Zenkel bei.

Christian Kaltenhäußer ("Baggers") brachte die Noten zum Lied vom "Blobm-Dobbers" zu Papier. Es entstand im "Herrnbuch", also im Hirtenbuck, mit seinem unbestrittenen Zentrum, der Gastwirtschaft "Gambrinus", und verarbeitet ein eher harmloses Ereignis, den Diebstahl eines Presssacks, auf humorvolle Weise. Überliefert hat es Christof Krumm, Jahrgang 1912, ein echter "Herrnbiecher", aufgewachsen im Anwesen Adlerstraße 1, der sich vermutlich sein erstes Geld damit verdiente, als Kind in der Kegelbahn des "Gambrinus" Kegel aufzustellen.

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