LKR Kulmbach

Von der Kirche zur Schule

Aus den Steinen der Ruine bei Neufang wurde eine Lehranstalt errichtet.
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Um die Ruine der Heilingskirche bei Neufang ranken sich etliche Sagen. So spricht man von ihr auch als "Geisterkirche". Foto: Olbrich
Um die Ruine der Heilingskirche bei Neufang ranken sich etliche Sagen. So spricht man von ihr auch als "Geisterkirche". Foto: Olbrich
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Erich und Marcus Olbrich Steigt man vom tief eingeschnittenen Tal der Koser den Koserfelsen hoch und lenkt seine Schritte nach Neufang bei Wirsberg, so steht man auf einer weithin sichtbaren Anhöhe unvermittelt vor einer eindrucksvollen, freistehenden Stirnwand, die an der Spitze eines Waldstückes ihre altersgrauen Steine in den Himmel reckt.

Die ehemalige Kirche war 100 Fuß lang und 42 Fuß breit. Um eine Vorstellung von der Größe zu geben: Der Eisenstab als Maß des Fußes am Kulmbacher Rathaus ist 29 Zentimeter lang. Die Grundmauern der Ruine wurden 1936 unter der Leitung von Eduard Marcherie ausgegraben.

Forscher nehmen an, dass es sich um eine Wallfahrtskirche handelt und dass ihr Name von den heiligen drei Marien stammt (Maria Salome, Maria Jacobi und Maria Magdalena), denen sie geweiht wurde, und weshalb man sie auch "Kirche zu den drei Marien" nannte. Diese wurden angefleht, das Land vor weiteren Einfällen vom Osten her zu schützen.

Möglich ist aber auch, dass sie der Mutter Gottes, der heiligen Kunigunde (Gemahlin von Kaiser Heinrich II.) und der heiligen Barbara zu Ehren erbaut worden war, die in Franken besonders verehrt wurden.

Teilweise wird behauptet, dass die Wallfahrtskirche im Jahr 1430 von den Hussiten unter Prokop zerstört worden sei, was sich aber geschichtlich in keiner Weise belegen lässt. Der verstorbene Ehrenvorsitzende des Colloquium Historicum Wirsbergense, Eduard Margerie, vertrat vielmehr die Meinung, dass die hochragende, weithin sichtbare Kirche 1430, zur Zeit des Hussiteneinfalles noch gar nicht erbaut war. Sie wurde demnach erst später, in der Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet, und zwar von dem in ihrer Nachbarschaft begüterten Heilinghofbauern, der ein entsprechendes Gelübde geleistet hatte und durch seine Erfüllung Schutz vor weiteren feindlichen Einfällen zu erreichen hoffte.

Glocke kam zur Plassenburg

Nachdem sich 1528 die Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth dem Protestantismus zugewandt hatte, blieben die Wallfahrer aus und die Kirche verfiel. Im Jahr 1561 wurde auf Befehl des Hauptmanns Wolf von Schaumburg die Glocke abgenommen und auf die Plassenburg gebracht.

Im Jahre 1564 bewilligte man der Gemeinde Wirsberg, aus den Steinen der Ruine das erste Schulhaus zu bauen. Es steht jetzt noch an der Schorgastbrücke, dient aber mittlerweile als Wohn- und Geschäftshaus. Beim Einbau eines Ladens fand man darin Teile einer steinernen Heiligenfigur, die Köpfe kamen in das Luitpoldmuseum nach Kulmbach.

Im Volksmund gab es früher freilich, wie das bei Burg- und Klosterruinen oft der Fall war, eine Sage von verborgenen Schätzen der ehemals reichen Wallfahrtskirche. Von zwölf goldenen Aposteln wurde erzählt und von einem Geheimgang zur nahen Leonhards-Kapelle. Aber auch von der "Geisterkirche" wurde schaudernd geraunt, die ihre Plünderer bestrafte.

1983 wurde die Mauer renoviert. Als geschichtliches Denkmal soll sie erhalten bleiben.

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