Bamberg

Von der Garde zum Bundeskader

Der Bamberger Tanzsportclub TSC Rhythmus hat eine neue Trainerin. Sophia Schnobrich will die Standardpaare aufs Treppchen schicken.
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Die neue TSC-Trainerin Sophia Schnobrich (links) korrigiert die Haltung des Turnierpaars Jasmin Männel und Patrick Schulte-Wieking. Foto: privat
Die neue TSC-Trainerin Sophia Schnobrich (links) korrigiert die Haltung des Turnierpaars Jasmin Männel und Patrick Schulte-Wieking. Foto: privat

Der Tanzsportclub Rhythmus hatte noch kaum den Weggang seines verdienten Trainers Adrian Florea verdaut, da ist Sophia Schnobrich auf der Tanzfläche erschienen. Bundeskader, zehnter Platz bei der Deutschen Meisterschaft, Sechste der deutschen Rangliste. In Bamberg übernimmt die erfolgreiche Tänzerin eine Gruppe Standard-Turnierpaare und schafft es bereits in ihrer ersten Stunde, dass jedes Paar eine Verbesserung beim gemeinsamen Tanzen feststellt.

Als Fünfjährige Feuer gefangen

Kein Wunder: Am eigenen Tanzen arbeitet Sophia bereits seit 16 Jahren. Als Fünfjährige hat sie sich damals vom Anblick der Garde-Mädels beim Frankenfasching mitreißen lassen und wollte selbst auf die Bühne. Große Unterstützung gab es sofort von Seiten der Oma, die zu ihrer Zeit Ballettmeisterin war und das tänzerische Interesse der Enkelin sofort befürwortete. Nach zwei Jahren Garde bog die Tanzkarriere der siebenjährigen Sophia jedoch schon in eine andere und tatsächlich endgültige Richtung ab: In Regensburg machte die gebürtige Oberpfälzerin ihre ersten Schritte in Latein und in ihrer späteren Paradedisziplin: Standard.

Fürs Tanzen gependelt

Anfänglich über den Breitensport führte ihr Weg in den Leistungssport, den sie ab dem 14. Lebensjahr bereits beim renommierten Tanzsportverein Rot-Gold-Casino Nürnberg betrieb und der sie für das Tanzen sogar pendeln ließ. Als sie sich vor einigen Jahren am Formationstanz versuchte, wurde sie mit einem Partner zusammengesteckt, der einen ungeahnt großen Einfluss auf ihren weiteren Werdegang haben würde: Krisztián Kuljak, mit dem sie sich in den letzten drei Jahren bis in den Bundeskader getanzt hat und mit dem sie heute auch eine glückliche Beziehung abseits der Tanzfläche führt.

Formation tanzen die beiden allerdings schon lange nicht mehr. "Es war eine gute Erfahrung, aber irgendwann hat das auch gereicht", meint Sophia. Die persönlichen Ziele fordern auf ihrem Level alles, was die Freizeit hergibt. "Der Tag hat eben nur 24 Stunden." Aus diesem Grund entschieden sich die beiden auch letztlich dafür, sich ausschließlich auf das Standardtanzen zu konzentrieren und Latein hintenan zu stellen. "Wir haben festgestellt: Es gibt eine Sache, die mag man, und eine Sache, die liebt man. Und bei uns ist das Standard."

Erfolgreich fahren sie mit dieser Entscheidung bislang allemal: Seit drei Jahren arbeiten sie sich bei den Deutschen Meisterschaften immer weiter nach oben und sind aktuell sogar Sechste in der deutschen Rangliste sowie Mitglieder im Bundeskader. Kürzlich stand bereits die nächste Deutsche Meisterschaft an; ein klein bisschen zeigten sich davor die Nerven: "Ich habe bestimmt schon über 200 Turniere in meinem Leben getanzt, aber das Lampenfieber geht nie ganz verloren", sagt Sophia.

Familiäre Unterstützung

Zwei bis drei Wochen vorher merke sie die Nervosität, bei Krisztián gehe es ein paar Tage vor dem Turnier los. "Am Turniertag selbst ist mein Papa am angespanntesten", erzählt sie aber. Von ihm komme dann auch mal bei einem Wiener Walzer ein Anfeuerungsruf à la "Rockt das Parkett!". Familiäre Unterstützung, über die sich Sophia unheimlich freut, doch das gesamte Team um ein Tanzpaar auf dem Niveau der beiden ist noch viel größer, wie sie berichtet: "Wir haben einen Fitnesscoach und Physiotherapeuten, einen Mentaltrainer, eine Sponsorin für meine Kleider, einen Sponsor für Krisztiáns Frack und trainieren bei drei Trainern, von denen einer aus NRW kommt und ein anderer aus Norwegen."

Haupttrainerin der beiden ist die Nürnbergerin Julia Belch-Köbe, die am Höhepunkt ihrer Karriere eines der größten und weltweit renommiertesten Turniere überhaupt gewann: das Blackpool-Dance-Festival. Für ihre eigene tänzerische Zukunft hat Sophia Schnobrich einen konkreten Traum: "Einmal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen." Betrachtet man ihren bisherigen Werdegang, stehen die Zeichen dafür auch gar nicht schlecht. Ob sie einmal vom Tanzen leben möchte, als aktive Tänzerin oder Trainerin, weiß sie allerdings noch nicht. "Schön wäre das natürlich, aber voraussehen kann man es ja nie. Man muss nur einmal die Treppe runterfallen oder angefahren werden und alles kann vorbei sein."

Deshalb steckt die mittlerweile Wahl-Fürtherin auch ebenso viel Zeit und Ehrgeiz in ihr derzeitiges Studium "Biomanagement" an der TH Nürnberg.

Noch ist nichts entschieden

Bis das einmal beendet ist, hat sie noch die Freiheit, sich für keine der Welten entscheiden zu müssen. Eine glückliche Fügung, sowohl für Sophia als auch für den Bamberger Tanzsport, der sich auf das große Wissen der Bundeskader-Tänzerin freut. Und - mit ihrer Hilfe - womöglich auch auf das ein oder andere Treppchen.

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