Pressig
Kirche

Vom Zollbeamten zum Diakon: der ungewöhnliche Weg des Alfred Trebes

Diakon Alfred Trebes aus Pressig wird am Mittwoch, 13. November, in den Medinos-Kliniken Sonneberg in den Ruhestand verabschiedet. Der gebürtige Windheimer und in Pressig wohnende Diakon war seit 2009...
Artikel drucken Artikel einbetten
Diakon Alfred Trebes hält manchmal "Göttliche Liturgie", eine Gottesdienstform mit byzantinischem Ritus.  Foto: K.- H. Hofmann
Diakon Alfred Trebes hält manchmal "Göttliche Liturgie", eine Gottesdienstform mit byzantinischem Ritus. Foto: K.- H. Hofmann

Diakon Alfred Trebes aus Pressig wird am Mittwoch, 13. November, in den Medinos-Kliniken Sonneberg in den Ruhestand verabschiedet. Der gebürtige Windheimer und in Pressig wohnende Diakon war seit 2009 Klinikseelsorger in den Medinos-Kliniken Sonneberg und Neuhaus/Rennweg, in der Hennebergklinik Hildburghausen und im Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie in Hildburghausen sowie zu einem kleinen Teil im Dienst der katholischen Gemeinde St. Leopold Hildburghausen.

Von seinem Weihetag an, dem 29. April 1995 bis zum 14. April 2009, war er in der katholischen Pfarrei St. Stephan in Sonneberg in der Gemeinde- und Klinikseelsorge tätig. Im Gespräch mit ihm erfahren wir mehr über seinen bemerkenswerten Lebensweg zum Diakonat, der auch mit der Wende im Jahr 1989 zu tun.

"Gottes Wege sind unergründlich", setzt er an den Anfang des Gesprächs. Trebes wurde 1952 in Windheim geboren und ist im elterlichen landwirtschaftlichen Anwesen in einer Mehrgenerationenfamilie mit katholischer Tradition aufgewachsen. Nach dem Besuch der Hauptschule erlernte er den Schreinerberuf. 1970 bis zum Juni 1995 war er bei der Bundeszollverwaltung im mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst beschäftigt. Dies führte 1970 auch zum Domizilwechsel nach Pressig. Seine Frau Irene heiratete er1972. Sie wurden Eltern von drei Söhnen und freuen sich über fünf Enkelkinder.

"Unsere ehemaligen Nachbarn bekamen jedes Jahr Besuch vom Cousin aus Magdeburg in der DDR", erzählt Trebes, wie er Diakon wurde. Er durfte wegen eines Arbeitsunfalls, der zur Frühverrentung führte, damals zu Verwandtschaftsbesuchen in den Westen reisen. "Wir haben uns ausgiebig unterhalten, denn die Lebensumstände in der DDR haben auch mich interessiert", so Alfred Trebes.

Eine schicksalhafte Frage

Einmal habe er zum Gegenbesuch in die DDR eingeladen, was für ihn als Zollbeamten nicht so einfach gewesen sei. "Trotzdem wagten wir, nach Abklärung aller Formalitäten, einen Besuch in Langenweddingen. Hier gab es sogar eine katholische Kirche. Wir gingen zusammen am Sonntag in den Gottesdienst, und ich lernte den Diakon Richard Schelenz kennen, der uns zu sich nach Hause einlud. Er erklärte dabei die Situation der katholischen Kirche in der DDR. Nach längerem Gespräch fragte er mich, ob Diakon auch nicht etwas für mich wäre. Diese Frage ließ mich nicht mehr los", sagt Trebes.

Er erzählte dem damaligen Priester in Pressig, Pfarrer Hans Endres, von der Begegnung und dem Gespräch. Pfarrer Endres wurde zu seinem spirituellen Begleiter. 1982 begann Trebes das Fernstudium der Theologie an der Domschule Würzburg. Auch hier trat wieder ein Mensch in sein Leben, dem er vieles zu verdanken habe. Diakon Georg Zenk, Lehrer am Kaspar-Zeuß-Gymnasium, wurde von nun an sein theologischer Ziehvater, weit über das Studium hinaus. 1989 konnte er das Studium abschließen.

Nach mehreren Kontakten mit dem Erzbistum Bamberg musste er einsehen, dass der Weg des Diakonates hier für ihn nicht möglich war. Und dann kam die Wende im November 1989. In Berlin fiel die Mauer, Deutschland wurde wieder vereint. Für alle Zollbeamten begann eine Zitterpartie um den Arbeitsplatz. Denn die Grenze gab es nicht mehr.

Der Wegbereiter

In dieser Zeit lernte er den Pfarrer von Sonneberg, Joachim Kügler, kennen. "Beim Gespräch mit ihm über die gescheiterten Versuche, im Erzbistum Bamberg als Diakon tätig zu werden, warf er die Frage auf, ob ich nicht im Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen eine Anfrage starten möchte. So wurde Pfarrer Kügler zum Wegbereiter meines Diakonates." 1992 erhielt Trebes die Zustimmung für diesen Weg und begann eine Ausbildung zum Diakon im Bistum Würzburg, denn damals gehörte Sonneberg zum Bistum Würzburg." 1994 wurde das Bistum Erfurt wieder gegründet, und er wechselte in einen neugegründeten Diakonatskreis nach Erfurt. Am 29. April 1995 wurde Alfred Trebes im Dom zu Erfurt mit zwei Mitbrüdern zum Diakon geweiht.

Drei Monate vor seinem 25- jährigen Dienstjubiläum bei der Bundeszollverwaltung gab er seinen Beamtenstatus auf und stieg in das Boot der Kirche. Bis heute ist Alfred Trebes mit Leidenschaft in Gottesdiensten und in seinen diakonischen Aufgaben mit Herzblut dabei. "Mir ist bewusst geworden, wie Gott auf wundersame Weise in mein Leben eingewirkt hat und mich Menschen begegnen ließ, ohne die ich diesen Weg nie gefunden und geschafft hätte."

Diakon Alfred Trebes ist in seiner Heimatgemeinde Pressig auch Ortsobmann im Bayerischen Bauernverband. Oft hilft er im liturgischen Dienst in Pfarrgemeinden im Frankenwald aus. Seine Verabschiedung als Klinikseelsorger findet am Mittwoch, 13. November, um 18.30 Uhr in der Krankenhauskapelle der Medinos-Klinik in Sonneberg statt. eh

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren