Herzogenaurach

Vom Teddy bis zum Gameboy

Spielsachen werden seit jeher gerne zum Fest verschenkt. Doch die Spielwaren-Welt verändert sich ständig.
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Ein Kaufladen um das Jahr 1920 aus dem Puppenmuseum in Coburg  Foto: Jochen Berger
Ein Kaufladen um das Jahr 1920 aus dem Puppenmuseum in Coburg Foto: Jochen Berger

Klaus-Peter Gäbelein Unter dem Weihnachtsbaum und später im Kinderzimmer besonders gefragt sind in diesem Jahr Klassiker: Spielzeug mit Pferden, Eisenbahnen, Bausteine, kleine Fahrzeuge und Puppen gehören weiter unter den Weihnachtsbaum. Das teilt der Bundesverband der des Spielwaren-Einzelhandels (BCS) in Nürnberg mit. "Es muss nicht immer Elektronik dabei sein", betonen die Verantwortlichen.

Sehr gefragt sind Figuren aus Filmen. Immer wenn neue Filme ins Kino kommen, steigt die Nachfrage nach Spielen oder Figuren von Harry Potter bis zum Pferd Spirit, Disneys Eiskönigin und Lizenzspielwaren aus "Star Wars". Für Mädchen sind aber immer noch Baby-Puppen ein großer Renner: Sie fühlen sich inzwischen realistischer an, dank eingebauter Sensoren reagieren sie wie Menschen: Sie trinken und lernen sprechen.

Doch zur Zeit unserer Eltern und Großeltern war das alles anders. Werfen wir einen Blick auf die "Hitliste der Spielwaren" seit 1900. Man höre und staune: Vor 120 Jahren standen bei den Kindern Wachsmalstifte an vorrangiger Stelle. Auch verantwortliche Pädagogen waren da begeistert, denn die Malversuche ermöglichten es den Kindern, ihre Fantasien, Ideen und Gedanken zu Papier zu bringen. Gleichzeitig trainierte das Malen die motorische Koordination der beiden Hände.

Doch schon zehn Jahre später (1910) eroberte der Teddybär die Kinderzimmer. Das niedliche Kuscheltier soll auf den US-Präsidenten Theodore Rossevelt zurückgehen, der sich auf einer Bärenjagd 1902 geweigert hatte, auf einen kleinen Grizzly zu schießen. Sein Spitzname "Teddy" sollte fortan als Vorbild für das Knuddeltier dienen. Angeblich gehen 38 Prozent der "jungen Erwachsenen" heute noch immer mit ihrem Plüschtier ins Bett.

Die "Bärenstopfer" von Neustadt

Aus dem Verbreitungsgebiet des FT verdienten sich zahlreiche Familien in der "Puppen- und Spielzeugstadt Neustadt bei Coburg" lange Jahre ihren Lebensunterhalt als "Bärenstopfer" für die Spielzeug- und Plüschwarenindustrie Es war gang und gäbe bei den Heim- und Lohnarbeiterkindern, auf die Frage, was die Eltern arbeiten, zu antworten: "Sie stopfen Armla (Arme für Bären), Beela (Beinchen) und Wamsla (Körper)" mit Holzwolle für die Arbeitgeber in der Spielwarenindustrie.

Und die Psychologen wurden nicht müde, zu betonen, dass die Plüschtiere Kindern Sicherheit zu geben und sie unterstützen, Mut und Sicherheit zu gewinnen.

Und dann kamen die Vorkriegs- und Kriegsjahre nach 1910. Soldaten und Militärspielwaren marschierten in die Kinderzimmer ein. Von den USA aus eroberten sie den deutschen Markt und wurden sowohl im Ersten Weltkrieg wie in der Zeit des Nationalsozialismus ein wichtiger Bestandteil der Spielsachen bei den Buben.

Auch hier tat sich die Spielwarenstadt Neustadt hervor. Die Firma "Hausser-Spielwaren in NEC" (Neustadt-Coburg) produzierte die Soldaten aus tonartiger Masse zu Tausenden. Und viele Frauen bemalten die Landser und Offiziere in Heimarbeit. Später löste dann "Elastolin" (ein Vorläufer des Plastiks) die Tonerde ab.

Und als das Soldatenspiel verpönt wurde, produzierte man bei Hausser Cowboys und Indianer; im Sog der Karl-May-Welle musste ein echter Junge eben kämpfen, auch wenn die Rothäute im Regelfall die Verlierer waren. Und schließlich stieg man bei Hausser um auf hölzerne Roller und Tretroller, lange bevor metallene Fahrzeuge ihren Einzug in die Kinderzimmer hielten.

Für Mädchen gab es in den 30er Jahren nicht Schöneres, als Puppenmama zu spielen. Eine der Kinderschauspielerin Shirley Temple in den 30er Jahren nachempfundene Puppe wurde der Kassenschlager. Und wieder traten die Psychologen in den Vordergrund: Durch das Spiel mit einer Puppe in Form eines Neugeborenen ahme das Kind (das Mädchen in erster Linie) die Bemutterung nach und so lerne das Kind, Verantwortung zu übernehmen. Der Begriff "Emanzipation" war damals noch nicht bekannt!

Legosteine und Kaufläden

In der Nachkriegszeit, genauer 1949, kamen dann die ersten Lego-Steine auf den Markt. Das Unternehmen, das die ersten Prototypen dieser bunten Bausteine herstellte, ist heute der größte Spielzeughersteller der Welt. Beim Zusammenbau der vorgefertigten Sets trainieren Kinder ihr räumliches Vorstellungsvermögen, die verschiedenen Farben, Formen und Größen der Lego Steine regen zusätzlich die Kreativität an.

Noch aber beherrschten Kaufläden, Puppen(Kasperl-) theater und erste mechanische Spielwaren den Gabentisch für die Jüngsten. Im Kaufladen gab es nachgebildete Verpackungen von Knorr, Maggi oder "Linde-Kaffee", man konnte Mini-Bonbons oder bunte süße Perlen in kleinen Babyflaschen erwerben und sich wie in den ersten Supermärkten auf den Einkauf als Hausfrau vorbereiten. Also steckte auch hier die Vorbereitung für die Zeit als Hausfrau im Hinterstübchen der Hersteller.

Als sich in den 60er Jahren immer mehr Bundesbürger ein Auto leisten konnten, wippten im Fonds zahlreicher Opel-, Ford-Taunus-, Borgward-Karossen schlanke blonde Mädchen mit Pferdeschwanz. Es war die "Bild-Lily", eine 20-25 Zentimeter große Figur aus der gleichnamigen Zehn-Pfennig-Zeitung. Auch sie wurde ursprünglich in Neustadt/Coburg entwickelt und produziert. Und als das Produkt vom US-Konzern Matell aufgekauft wurde und einen neuen Namen erhielt, überschwemmten Ende der 50er Jahre Millionen von nachgebauten und verbesserten "Barbies" den Weltmarkt.

Und was die Barbie nicht alles benötigte? Natürlich kam mit Ken ein männlicher Partner dazu, dann benötigte die fesche Dame ein Haus, ein Pferd oder ein Auto, kurzum der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt, zumal Barbie auch als Ärztin, Pilotin oder Polizistin eingesetzt werden konnte. Und der Markt boomte!

Wettrennen im Kinderzimmer

Die 70er Jahre waren der erste Höhepunkt der "Hot Wheels": Ganz gleich, ob Sportwagen oder Schaufelbagger, Traktor und Polizeiauto, mithilfe der Miniaturausgaben lernten die Kinder nicht nur die Vielfalt der Fahrzeuge kennen; diese wurden gleichzeitig beliebte Sammlerstücke für die Eltern und Großeltern und zieren heute noch manchen Schrank in Omas Wohnzimmer. Und als diese Fahrzeuge immer größer und erwachsener wurden, dienten sie auch Erwachsenen als sportlicher fahrbarer Untersatz: Auf Fahrzeugen aus dem Hause BIG aus Fürth bzw. aus dem Zweigbetrieb im fränkischen Burghaslach werden inzwischen sogar spektakuläre Wett- und Rennfahrten ausgetragen.

"Das technische Zeug"

1989 kam die erste Spielkonsole auf den Markt, der "Gameboy" der japanischen Firma Nintendo. In den 90er Jahren wurde dieses neue technische Wunderwerk weltweit 200 Millionen Mal verkauft, sehr zum Leidwesen vieler älterer Zeitgenossen, die das "technische Zeug, das zur Verblödung führt" rigoros ablehnte, schließlich fehlte den Benutzern jegliche Interaktivität und körperliche Aktivität.

Doch nicht genug der technischen Erfindungen und "Spielsachen", die zuletzt die Gabentische überhäuften: Playstation und Tablet. Das Tablet bildet inzwischen als Multifunktionsgerät eine Plattform für tausende unterschiedliche Spiel- und Lern-Apps.

Und wer unter den Lesern jetzt mit dem "verfluchten technischen Zeug" nicht zurande kommt, sollte einfach den acht-jährigen Enkel fragen, denn der führt ihn sicher in die Tiefen der für die ältere Generation unbekannten Technik ein.

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