Gossenberg

Vom Reich der Mitte nach Gossenberg

Die promovierte Sinologin Dorothee Schaab-Hanke lebt in Gossenberg. Im "Studium Generale" der Volkshochschule Coburg hält sie den Vortrag "Zur Geschichte der Chinarezeption in Europa". Wie der Westen China sieht und wie es umgekehrt ist, verrät sie zum Teil im Gespräch.
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Die Sinologin, Professorin und Zeitschriftenherausgeberin Dorothee Schaab-Hanke aus Gossenberg  Foto: Oliver Heß
Die Sinologin, Professorin und Zeitschriftenherausgeberin Dorothee Schaab-Hanke aus Gossenberg Foto: Oliver Heß
Seit mehreren Jahren bietet das "Studium Generale" an der Volkshochschule Coburg die Möglichkeit, seine Allgemeinbildung zu erweitern und neue geistige Impulse zu erhalten. Das kommende Sommersemester steht ganz im Zeichen des Reiches der Mitte. Insgesamt zehn Vorträge vermitteln Wissen über die Geschichte, Kultur, Philosophie und Politik Chinas. Als erste Gast-Dozentin wird Dorothee Schaab-Hanke in ihrem Vortrag "Zeugen des erwachenden Riesen" auf das wechselhafte Chinabild in Europa vom 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eingehen. Seit dem Sommer 2007 wohnt Schaab-Hanke mit ihrem Mann im Coburger Land.

Frau Dr. Schaab-Hanke, im Jahr 1981 war China lange nicht so präsent in unserem Alltag wie heute. Was hat sie damals dazu bewogen, Sinologie zu studieren?
Dorothee Schaab-Hanke: Ich war damals vor allem neugierig, auf eine ganz andere Sprache, mit einer noch komplizierteren Schrift, die man nur lesen kann, wenn man schon etwas über ihr System weiß. - Aber so wenige waren wir damals, 1981, gar nicht - am Anfang haben sich 80 Studis in einem viel zu kleinen Raum gedrängelt, und im Sprachlabor wurden wir auf drei Gruppen aufgeteilt.

Sie sind in Darmstadt geboren, haben in Hamburg, in der VR China, aber auch in Taiwan gelebt. Wie sind Sie in Gossenberg gelandet?
Mein Mann und ich haben bereits während unserer Tätigkeit am sinologischen Seminar der Universität Hamburg viel mit redaktionellen Arbeiten zu tun gehabt. Nach meiner Habilitation schien es schwierig, als Sinologin mit Schwerpunkt Vormodernes China bald eine Professur zu bekommen. Da entschieden wir uns, einen auf Ostasien spezialisierten Verlag zu gründen und diesen an einem auch landschaftlich schönen Ort aufzubauen. Unsere Wahl fiel auf Oberfranken. Wir entdeckten dann im Internet ein Haus in Gossenberg, das uns perfekt für unsere Bedürfnisse zu sein schien, und da sind wir dann hingezogen.

Auch heute noch gibt es in der Wahrnehmung eine große Diskrepanz zwischen der einstigen Hochkultur und dem heutigen kommunistischen Staat China. Sind Vorurteile gerechtfertigt? Geht es in Ihrem Vortrag genau darum?
Ja, es geht in meinem Vortrag um die Hinterfragung von falschen Wahrnehmungen und um die Warnung vor deren gefährlichen Auswirkungen. Vor allem geht es mir aber darum, die unterschiedlichen historischen Voraussetzungen Chinas und der europäischen Länder deutlich zu machen, deren Unvereinbarkeiten im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts so verheerende Folgen für China gehabt haben.

Wie denkt man in China über den Westen?
In den verschiedenen Zeiten, zu denen ich in China war, habe ich hierzu sehr unterschiedliche Aussagen gehört. Auf jeden Fall bewundern uns die Chinesen für unsere guten Autos - das hört man immer gleich vom ersten Taxifahrer, der einem entlockt hat, dass man aus Deutschland kommt. Sie loben uns auch für unsere rationale und umsichtige Regierung und - zumindest als ich das letzte Mal in China war - für den Umgang der Deutschen mit den Flüchtlingen.
Die Fragen stellte Oliver Heß.


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