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Forchheim

Vom Geheimnis der großen Liebe

Gabriele und Egon Landgraf aus Forchheim feiern heute diamantene Hochzeit. In Zeiten von Corona leider ohne lange Gästeliste. Sie erzählen von ihren 60 Ehejahren und wie sie einst eine schwere Notsituation zusammenschweißte.
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Gabriele und Egon Landgraf sind seit 60 Jahren glücklich verheiratet. Foto: Michaela Hofmann
Gabriele und Egon Landgraf sind seit 60 Jahren glücklich verheiratet. Foto: Michaela Hofmann

"Am 2. April feiern wir, Gabriele und Egon Landgraf, diamantene Hochzeit. Da aufgrund der Corona-Epidemie die sonst übliche Ehrung des Oberbürgermeisters im Haus entfällt ..." Mit diesen Zeilen wandte sich das Jubelpaar vor einigen Tagen an den Fränkischen Tag. Doch wer will, so lautet eine Redewendung, der findet Wege: Dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten und unter Einhaltung des derzeit gebotenen sozialen Abstands kann über diese glückliche Lebens- und Liebesgeschichte, die vor 60 Jahren mit dem Ja-Wort besiegelt wurde, berichtet werden.

"Zum ersten Mal begegneten wir uns im Oktober 1958", beginnt Egon Landgraf zu erzählen. Der damals 25-jährige Forchheimer trat eine neue Arbeitsstelle in der Schuhfabrik Karl Roth in Linz/Österreich an. Seine Zukünftige war die Tochter des Chefs: Gabriele - genannt Lilli - Nelbröck unterstützte als Büroangestellte den Betrieb des Vaters. "Zarte Bande entwickelten sich", verraten beide augenzwinkernd.

Wie häufig im Leben schweißte sie eine Notsituation dauerhaft zusammen. "Im Mai 1959 diagnostizierte man bei mir eine offene Lungentuberkulose", berichtet der staatlich geprüfte Schuhtechniker. Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, durfte er nicht zurück in seine Heimat Forchheim. "Es klingt paradox: Es war mein größtes Glück, dass ich vom Fleck weg in eine geschlossene Lungenheilstätte, 15 Kilometer südlich von Linz, eingewiesen wurde", erinnert sich Egon Landgraf, "durch diese Verfügung blieb ich ganz in der Nähe von Lilli und in der Folge geschah etwas, was für heutige Verhältnisse schier unvorstellbar ist: Lilli besuchte mich täglich nach Büroschluss mit meinem VW Käfer mit deutschem Kennzeichen - ohne im Besitz eines Führerscheins zu sein."

Kurz nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus läuteten am 2. April 1960 die Hochzeitsglocken für das glückliche Paar. "Wir heirateten in Stift Wilhering. Die Trauung vollzogen mein Onkel Felix, seines Zeichens Abt von Stift Göttweig, und zwei Pfarrer: unser Brautvater, Pfarrer von St. Severin, und der Pfarrer von Pupping zum Assistieren", blickt Egon Landgraf zurück.

"Es war eine unvergessliche, glanzvolle Zeremonie", schwärmt auch seine Frau Gabriele. Bald darauf wagten sie einen großen Schritt in eine neue Zukunft: Sie zogen von Linz nach Forchheim, um die von Egons Vater Anton Landgraf stillgelegte Panthaus-Schuhfabrik wieder aufzubauen. "Es muss für Lilli ein großes Opfer gewesen sein, als sie, ohne lang zu überlegen, den sicheren Hafen ihres Elternhauses verließ und mit mir nach Deutschland ging", meint Egon Landgraf. Dank harter Arbeit und vertrauensvoller Partnerschaft gelang ihnen im "ehelichen Zwei-Personen-Betrieb" der Neustart: Sie belebten den Betrieb mit einer Tagesproduktion von zunächst 20 Paar Plüschpantoffeln. Zwölf bis 14 Stunden aufopfernde Arbeit täglich, kaum ein Wochenende und das auf viele Jahre. Doch es hat sich gelohnt: Der Erfolg war phänomenal, sind sie sich einig.

1965 erwarben sie den modernsten Schuhbesohlungsautomaten der Welt, der damals einen Wert von mehreren Einfamilienhäusern hatte. Mit dieser Anschaffung erwirtschafteten sie sich den ersten Platz unter den Hausschuh-Produzenten in Deutschland. Im Jahr 1989 übergaben sie den Betrieb in voller Blüte an Sohn Robert.

Das Ehepaar Landgraf erreichte gemeinsam vieles: Mit vereinten Kräften reaktivierten sie ein Familienunternehmen. Sie gründeten eine Familie und schenkten drei Kindern das Leben - Irene, Christian Andreas und Robert. Sie blicken heute auf 60 glückliche Ehejahre zurück.

Das Erfolgsrezept

Gibt es dafür ein Erfolgsrezept? "Das Geheimnis ist ganz einfach: aufrichtige Liebe vom ersten Tag an bis heute. Ein Eheleben nach althergebrachter Art: Der Ehemann garantiert Schutz und Auskommen, die Ehefrau ein liebevolles Zuhause. Und unbedingte Verlässlichkeit. Hilfreich sind außerdem Harmonie, beruflicher Gleichklang und gemeinsame Interessen", zählt das Jubelpaar auf. Beide sind sportlich aktiv, lieben Bergsteigen und Wandern und setzen auf die Kneippsche Lehre. Außerdem engagieren sie sich sozial: "Mit der Anton-Landgraf-Stiftung unterstützen wir bei Altersarmut und haben damit die Krönung unseres Lebenswerks vollzogen."

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