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Bamberg

Vom Garten zum Lebensraum

FT-Gartenexperte Josef Schröder meint, dass bei der Gartengestaltung weniger manchmal mehr ist. Schon mit einfachen Mitteln lassen sich zum Beispiel Nischen für Tiere schaffen. Als Trends sieht er Hochbeete und Gärtnern auf kleinem Raum.
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Vor einigen Jahren hat FT-Gartenexperte Josef Schröder den Garten einer Lichtenfelser Familie geplant. Lebensräume will er dabei schaffen - für Mensch und Tier. Auch das Hausdach wurde zur Grünfläche. Fotos: Ronald Rinklef
Vor einigen Jahren hat FT-Gartenexperte Josef Schröder den Garten einer Lichtenfelser Familie geplant. Lebensräume will er dabei schaffen - für Mensch und Tier. Auch das Hausdach wurde zur Grünfläche. Fotos: Ronald Rinklef
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Ein Quellstein - er wirkt wie das Matterhorn in Miniaturformat. Die Zauberhasel daneben trägt bereits die ersten Knospen. Hinter dem Blutweiderich sind ein paar Venusfliegenfallen zu entdecken. Der Übergang zwischen Sumpfzone und Teich verschwimmt: Die Seerosen haben sich bei diesen Temperaturen unter die Wasseroberfläche geflüchtet - der Tannenwedel leistet ihnen Gesellschaft.

"Wenn es wärmer wird, kommen die Schwimmblattpflanzen an die Oberfläche", erklärt Josef "Jupp" Schröder, und schlendert gemütlich durch den Garten von Familie Pülz in Lichtenfels. Der FT-Gartenexperte plante ihn vor einigen Jahren und überließ dabei nichts dem Zufall: "Wichtig ist, dass die Übergänge nahtlos sind. Dann wächst auch kein Unkraut in den Fugen. Gartengestaltung ist Raumgestaltung - das ist uns hier ganz gut gelungen", sagt er und ist sichtlich stolz.

Tatsächlich wurde der Garten zur natürlichen Fortführung der Terrasse. "Das ist toll für die Kinder. Die können so gleich rausstürmen", ergänzt Susanne Pülz. Sie betont, dass alles harmonisch angeordnet und auf die Natur abgestimmt sei.

"Manche lassen den Gärtner kommen und knallen alles voll. Dann entsteht oft ein riesiger Materialsalat. Davon halte ich nichts. Die Pflanzen, aber auch die Steine sollten überwiegend heimisch sein - und manchmal ist weniger mehr. Erst in der Beschränkung zeigt sich der Meister", sagt Schröder.

Praxistipps für eigenen Garten

Lebensräume wolle er schaffen. Und das mit simplen Mitteln: Ein Teich sei nicht nötig - schon ein Steinhaufen oder ein Holzstapel könnte den Tieren eine große Hilfe sein. In Letzterem könnten Vögel nisten oder Wildbienen heimisch werden - in den Felsblöcken fühlten sich Eidechsen wohl.

Ebenso könne ein Blumenrasen mit kleinen Wiesenabschnitten die Natur beleben. In diesem Gartenbereich könnten Kräuter, Schneeglöckchen und Wildpflanzen wachsen. Eine Saatmischung für niedrige Gräser und trittfeste Pflanzen eigne sich ideal zum Anlegen. Vom englischen Rasen hält Schröder wenig: "Der ist ein Leichentuch, bringt großen Aufwand mit sich und verbrennt sowieso im Sommer."

Damit die restlichen Pflanzen im Garten nicht verbrennen, rät er, mit Bedacht zu gießen. Das solle mit dem Wasserschlauch oder der Gießkanne und am Morgen geschehen. "Nicht einfach draufloswässern und die Pflanzen permanent beregnen", erklärt der passionierte Gärtner. Weil das vielen zu aufwendig sei, entschieden sich mehr und mehr Menschen für einen Schottergarten. "Die sollen nicht glauben, dass sie sich dadurch Arbeit sparen. In solch einen ,Garten‘ wehen Staub und Blätter - das bedeutet viel Aufwand."

Auf einer Grünfläche könnten die Blätter liegen bleiben. Das Laub sei Nahrung für Regenwürmer und diene im Winter als Frostschutz. Zudem halte es auf natürliche Weise das Unkraut fern.

Auch im Garten von Familie Pülz bleibt das Laub liegen. "Wir haben weniger Arbeit als zuvor", sagt Pülz. Nichtsdestotrotz müsse gelegentlich etwas getan werden. Das bleibe nie aus.

So mancher macht sich aus Schröders Sicht jedoch auch unnötigen Aufwand. Beispielsweise verpassten viele ihren Sträuchern mit der Heckenschere einen akkuraten "Hausmeisterschnitt". Das sei sinnfrei - vielmehr sollten die Pflanzen ausgelichtet werden. Hierbei schneidet man die alten Stämme heraus, damit Neue nachkommen können (siehe Infokasten). "So bleibt der Strauch ewig jung."

Die Trends für dieses Jahr

"Hochbeete sind eine spannende Sache", sagt Schröder und fügt hinzu: "Man kann im Stehen arbeiten - das ist besonders für ältere Menschen eine Entlastung." In solch einem Beet könnten Zucchini, Mangold, Salat, Rote Beete oder Knoblauch gedeihen - nachdem es am Boden mit Reißig und darüber mit Erde gefüllt worden sei.

Ein weiterer Trend in den Städten sei das "Urban Gardening". Bei diesem würden Kleinflächen zum Garten umfunktioniert. Oftmals kämen Kästen oder Kisten zum Einsatz. Es bestehe beispielsweise die Möglichkeit, ein Kräuterbeet anzulegen. Minze, Majoran oder Petersilie fänden hier ihren Platz.

Bei Familie Pülz gibt es auch ein Kräuterbeet. Sogar ein Schattenbeet ist zu finden. Selbst auf dem Dach des Hauses wachsen Pflanzen. Alles gibt ein stimmiges Bild ab. "Nur der Zaun ist noch vom Vorbesitzer. Der passt nicht so gut, wird aber auch irgendwann ersetzt", sagt Susanne Pülz und geht mit ihrem Sohn zurück ins Haus.

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