Oberaurach

Vom Baum ans Handgelenk

Maximilian Sefz verkauft Armbanduhren aus Holz in Trossenfurt. Im Interview erzählt er von seinem Online-Shop "Stock & Stein - Holzuhren" und wie er es ohne die Hilfe von Fördermitteln schaffte.
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Maximilian Sefz steht voll und ganz hinter seinem Unternehmen "Stock & Stein" und trägt seine Kreationen auch am Handgelenk. Foto: Jutta Rudel
Maximilian Sefz steht voll und ganz hinter seinem Unternehmen "Stock & Stein" und trägt seine Kreationen auch am Handgelenk. Foto: Jutta Rudel

Maximilian Sefz führt neben seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens zwei Holzuhren-Geschäfte von seinem Elternhaus in Trossenfurt aus. In den sozialen Medien ist er gut vernetzt, dass er keine externe Hilfe benötigte. Vor wenigen Wochen konnte so seine Firma "Stock & Stein - Holzuhren" an den Markt gehen. Herr Sefz, wie kamen Sie dazu, Holzuhren zu verkaufen? Maximilian Sefz: "Stock & Stein" ist mein zweiter Onlineshop. Zuerst habe ich "2nd Liar" ins Blaue hinein gegründet. Ich wollte ausprobieren, wie es läuft. Die Holzuhren stießen direkt auf Interesse. Ich habe über eineinhalb Jahre konstruktives Feedback entgegengenommen. So wünschten sich die Kunden ein geometrisches Design, eine hochwertigere Homepagegestaltung und einen deutschen Firmennamen. Auf Grundlage der Erfahrungen habe ich "Stock & Stein" gegründet. Start-ups werden vom Landratsamt gefördert. Das kam für Sie aber nicht infrage. Wieso? Meine Firmen wurden ohne Fördermittel und Investoren gegründet. Investitionen werden aus den laufenden Einnahmen finanziert. Ich möchte, dass meine Unternehmen langsam und organisch wachsen. Dabei sollen meine Visionen so umgesetzt werden, wie ich es mir vorstelle. Und wie stehen Sie zum Wirtschaftsstandort Haßberge? Da wären wir bei einem ärgerlichen Thema! Wir vertreiben unsere Uhren ausschließlich online. Theoretisch sind wir örtlich unabhängig. Jedoch haben wir aufgrund der geringen Übertragungsleistung und der Netzschwankungen bei uns im Ort durchaus Wettbewerbsnachteile. Ich denke ich spreche für viele in der Region, wenn ich sage, dass hier noch erheblicher Handlungsbedarf besteht!" Sie sprechen oft von "wir" - wer produziert mit Ihnen die Uhren und wie läuft die Produktion ab? Auf Basis meiner Design- und Konstruktionsanforderungen entstehen in Zusammenarbeit mit einem Produktionspartner Muster. Passt alles, bekomme ich die montagefertigen Einzelkomponenten geliefert. Die Uhren setzen wir zusammen, und in 48 Stunden werden sie geliefert. Bei Versand, Service und Buchführung unterstützt mich meine Familie, wofür ich auch sehr dankbar bin. Wie möchten Sie sich von der Konkurrenz abheben? Wir bieten neben 48 Standardmodellen als einzige in Deutschland die Möglichkeit, die Uhr zu personalisieren: Im Konfigurator kann man Form, Größe, Holzart, Ziffernblatt und das Armband selbst zusammenstellen. Insgesamt gibt es mit den Wechselarmbändern 400 Modelle. Und nutzen die Kunden das auch? Ja. Über 90 Prozent der verkauften Uhren sind personalisiert. Preislich liegen die Uhren, je nach Zusammenstellung, zwischen 120 und 150 Euro. Bisher wächst das Geschäft ganz gut. Wer kauft die Uhren? Können Sie die Kunden charakterisieren? Wir bieten Damen- und Herrenmodelle an, die in jedem Alter getragen werden können. Der Großteil meiner Kunden ist zwischen 18 und 35 Jahren alt. Ich würde sie als modern und umweltbewusst beschreiben, mit einem Sinn für Ästhetik. Und das finden sie alles bei Ihren Armbanduhren? Ja. Ich könnte endlos viele Vorteile einer Holzuhr aufzählen: Sie ist eine nachhaltige Alternative zu einer Uhr aus Edelstahl oder anderen Materialien. Sie sind zur Verwunderung meiner Kunden federleicht und im Sommer schwitzt man darunter deutlich weniger. Durch die Nutzung des Holzes und natürlichen Steines ist jede unserer Uhren ein Unikat. Da wir schon beim Holz sind: Welche Rolle spielt bei dem Ganzen das Thema Nachhaltigkeit? Eine große Rolle! Es werden nur Hölzer verwendet, die nicht auf der Artenschutzliste CITES stehen. Darüber hinaus wird beim Kauf einer Uhr ein Spendenbeitrag vom Verkaufspreis an die Firma "I Plant A Tree" abgegeben. Von diesem Geld wird dann, größtenteils in Deutschland, ein Baum gepflanzt. Sie sind mit Herzblut dabei ... Ja, der Prozess von der Idee zum fertigen Produkt macht mir großen Spaß, auch der Kontakt mit den Kunden und die Vermarktung. Am schönsten ist es, wenn ich positives Feedback erhalte. Das Programmieren und Arbeiten an der Shop-Software ist aber schon knackig. In der Klausurenphase ist es anspruchsvoll, Geschäft und Studium unter einen Hut zur bringen. War das eine Herausforderung? Das ist es täglich! Der Weg bis zur Marktreife ging tatsächlich über Stock und Stein. Von der Idee bis zur Veröffentlichung waren drei Monate geplant, am Ende wurden es 13! Der Webshop und der Konfigurator müssen auf allen erdenklichen Endgeräten fehlerfrei funktionieren. Das erfordert in der Bereitstellung und Pflege viel Arbeit. Was sind Ihre nächsten Ziele? Mein langfristiges Ziel sind weiterhin zufriedene Kunden! Kurzfristig erwarte ich ein gutes Weihnachtsgeschäft, eine Uhr ist ein beliebtes Geschenk. Wir haben ausreichend Ware auf Lager, sind also bestens gerüstet. Das Interview führte Jutta Rudel.

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