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Bad Staffelstein

Vollkornbrötchen und Brotaufstriche

Beim Kochkurs mit Waltraud Hartmann im Landwirtschaftsamt gab's aber auch Stromausfall und unerwarteten Herrenbesuch.
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Interessiert schauen die Frauen zu, wie der Brötchenteig löffelweise auf die Backform kommt (rechts: Waltraud Hartmann). Foto: Monika Schütz
Interessiert schauen die Frauen zu, wie der Brötchenteig löffelweise auf die Backform kommt (rechts: Waltraud Hartmann). Foto: Monika Schütz

Stromausfall, unerwarteter Herrenbesuch und ein Anruf bei der Polizei: Der Kochabend im Amt für Landwirtschaft begann am Mittwoch mit einigen Überraschungen. Nur einen kurzen Augenblick, nachdem die Ernährungsfachfrau Waltraud Hartmann festgestellt hatte, dass der Projektor, den sie für ihre Präsentation benutzen wollte, defekt war, ging im gesamten Gebäude das Licht aus. Knapp 20 Frauen saßen im Dunkeln, lediglich der Bildschirm von Hartmanns PC leuchtete noch ...

Gemeinsam machten sich Kursleiterin und Pressevertreterin auf die Suche nach einem Sicherungskasten, von denen es zwar jede Menge gab, die aber allesamt abgeschlossen waren. Plan B musste her, der Anruf beim Hausmeister Höppel, dessen Nummer praktischerweise gleich neben Feuerwehr und Notruf stand. Nächste Überraschung: Herr Höppel befindet sich zur Zeit in stationärer Behandlung. Er sicherte telefonisch zu, jemanden zu schicken. Die Stimmung im Vorzimmer der Lehrküche war dennoch gut, man kann sich ja auch im Dunkeln unterhalten.

Abbrechen war keine Option

Rund zehn Minuten später: Hauke Petersen traf ein. Diesmal nicht als Zweiter Bürgermeister von Ebensfeld, sondern als Mitarbeiter im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF.). Aufatmen. Vor allem als er mitteilte, auf dem Weg nach Bad Staffelstein seien auch zwei Supermärkte "dunkel" gewesen. Es lag also nicht am Projektor, stellte er grinsend fest. Ein kurzes Telefonat mit der Polizei und Petersen konnte den Damen mitteilen, dass die Eon bereits mit Hochdruck auf Fehlersuche ist. Den Kochabend abbrechen, war keine Option, viele Teilnehmerinnen kamen von auswärts.

Außerdem hatte die Ernährungsfachfrau bereits einen Teig zum Brötchenbacken angesetzt, der auch verarbeitet werden wollte. Nach gut einer Stunde war der Strom wieder da. Man hörte ein zufriedenes "Ahhh!" Gentleman-like tauschte Petersen noch den defekten Projektor gegen einen anderen aus und half bei der Einstellung. Der Kochkurs konnte beginnen. Letzte Überraschung: Nach einer weiteren viertel Stunde klingelte das Handy der Kursleiterin. Es war Hausmeister Höppel, der sich nach dem Wohlergehen der Gruppe erkundigte. Respekt.

Und der Abend sollte noch interessanter werden. Bei den - legalen - Tricks, die die Lebensmittelindustrie einsetzt, blieb mancher der 16 Frauen die Spucke weg. Aromazusätze, um teure Rohstoffe und Gewürze zu sparen, Wasser als billige Zutat, Konservierungsmittel und Stabilisatoren, dazu noch Enzyme, Säureregulatoren und Feuchthaltemittel, gekrönt von Emulgatoren und Antioxidationsmitteln. Das ist nicht die Grundausstattung eines Chemielabors, sondern das steht auf der Zutatenliste eines Weizenbrötchens, das man verpackt in jedem Supermarkt kaufen kann. Dabei ist das Selbermachen so einfach. Mehl, Wasser, Salz und Backtriebmittel (zum Beispiel frische Hefe). Dazu nach Geschmack Mohn, Leinsamen, Sonnenblumenkerne oder Nüsse und: Zeit. "Der Teig braucht Zeit zum Gehen. Zeit, die die Industrie nicht hat", erklärte Waltraud Hartmann, Auch in der Lehrküche benötigte der frisch angesetzte Teig Zeit zum Gehen. Die nutzten die Frauen, um in verschiedenen Teams einfache bis ganz besonders raffinierte Brotaufstriche herzustellen. Nuss-Apfel-Aufstrich, orientalischer und italienischer Linsenaufstrich, Zubereitungen mit Mango, Avocado oder Rote Bete, sogar ein Rezept mit Pistazien war im Repertoire der Ernährungsfachfrau und wurde in der Lehrküche ausprobiert. Derweil duftete es langsam nach den selbst gebackenen Baguettes, Brötchen und gedrehten Vollkornstangen. Ein Genuss für alle Sinne.