Hilpoltstein

Vögel und die Liebe

Die einen sind ihr Leben lang treu, andere wechseln gerne regelmäßig den Partner.
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Blaumeisenweibchen nutzen nach Angaben des Landesbundes für Vogelschutz in den Morgenstunden den Schlaf des Partners für ein Stelldichein mit einem anderen. Foto: LBV
Blaumeisenweibchen nutzen nach Angaben des Landesbundes für Vogelschutz in den Morgenstunden den Schlaf des Partners für ein Stelldichein mit einem anderen. Foto: LBV

Die Vogelwelt ist ebenso bunt wie die Liebesgewohnheiten ihrer Bewohner. Tatsächlich sind die meisten Vögel ihrem Partner treu und leben biologisch gesehen monogam. Doch genau genommen gehen die meisten nur eine monogame Partnerschaft auf Zeit ein, für einige Jahre oder sogar nur für eine Brutsaison.

"Treu sind viele Vogelarten und zwar ihrem gerade aktuellen Partner. Der wechselt aber im Laufe ihres Lebens öfter einmal, so dass sie mehrere Lebensabschnittsgefährten haben", sagt Agrarbiologe Alf Pille vom Landesbund für Vogelschutz. Andere wiederum verpaaren sich auf Lebenszeit oder haben jede Nacht einen neuen Partner. "Das Musterbeispiel einer treuen Seele ist der Waldkauz, der Storch wiederum ist seinem Nistplatz treuer als seinem Partner und eine Meisterin im Fremdgehen ist die Blaumeise", erklärt Erlwein weiter.

Der Waldkauz lebt die perfekte Liebesgeschichte. Haben sich zwei Waldkäuze gefunden, bleiben sie ein Leben lang zusammen. Das gemeinsame Revier wird nicht nur während der Brutzeit, sondern das ganze Jahr über verteidigt. "Das Herz einer Waldkauzdame gewinnt das Männchen ganz einfach mit Futter, denn auch bei ihr geht die Liebe durch den Magen", sagt Pille.

Bei aller Liebe sind Seitensprünge jedoch nicht unüblich. Die Blaumeise stellt sich dabei als äußerst geschickte Fremdgeherin an. "Das Blaumeisenweibchen stiehlt sich in den frühen Morgenstunden aus dem Nest zu ihrem Stell-dich-ein, wenn ihr Partner noch schläft, und kommt vor dem Erwachen von selbigem wieder zurück", so Alf Pille. Auch das Weibchen des Haussperlings geht hin und wieder fremd. Doch das Geschrei ist dann groß, denn das betrogene Männchen singt nun lauter als sonst. "Das Klagelied soll den Rivalen abschrecken und die Liebste wieder zurückholen, ganz nach dem Motto: Siehst du nicht wie toll ich bin?", sagt Pille. Aber nicht nur die Spatzenweibchen gehen fremd: Je älter die Männchen werden, umso häufiger gehen auch sie stiften.

Weniger romantisch ist auch der Weißstorch: Er ist vielmehr mit seinem Nistplatz verheiratet als mit seinem Partner. "Kommt ein anderer Weißstorch früher aus dem Winterurlaub im Süden zum Horst zurück, kann der verspätete Bewohner aus dem Vorjahr am Nest schon mal sein blaues Wunder erleben, weil er kurzfristig durch einen anderen ersetzt wurde", so Pille. Biologen bezeichnen das als eine "Ortsehe".

Einige Vogelarten fahren gerne mehrgleisig und leben biologisch gesehen polygam. Der Star, Vogel des Jahres 2018, pflegt sein Rockstarimage als schillernder Sänger: "Seine zahlreichen weiblichen Fans unterstützt er meist in unterschiedlichem Maße bei der Brut und Aufzucht der Jungen", sagt Pille. Auch der Zaunkönig hat manchmal mehr als eine Frau, wenn es die Größe seines Reviers erlaubt.



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