Viereth

Viereth findet seine Mitte

Der neue Dorfplatz strebt seiner baulichen Vollendung entgegen. Er kann zum Zentrum des örtlichen Lebens werden. Auch im Untergrund hat er einiges zu bieten.
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Wo jetzt der Dorfplatz (Bild ganz oben) ist, stand bis ins dieses Jahrzehnt das ehemalige Brauerei Gasthaus (Berg-) Jäck-Bräu Foto: Robert-Nüßlein
Wo jetzt der Dorfplatz (Bild ganz oben) ist, stand bis ins dieses Jahrzehnt das ehemalige Brauerei Gasthaus (Berg-) Jäck-Bräu Foto: Robert-Nüßlein
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Spätnachmittag an einem heißen Sommertag. Am Rande des Platzes sind noch ein paar Handwerker bei der Arbeit, ansonsten ist die weite Fläche aus Pflaster und Beton weitgehend verlassen. "Wir wollen hier ein grünes Wohnzimmer schaffen." Auf den ersten Blick ist die Aussage von Bürgermeisterin Regina Wohlpart (BG) nicht ganz nachvollziehbar. Doch ein paar Sätze später und bei genauerem Hinsehen tut sich das künftige Bild auf.

Der Dorfplatz von Viereth, zwischen Rathaus, dem neuen Dorf- und Vereinshaus und der Treunerscheune, die noch einer Sanierung und Umwidmung harrt, bietet viel Raum für Feste und Veranstaltungen. Seine Feuerprobe hat der künftige Platz der Begegnung bereits im Juli bei der Kirchweih bestanden, nur war es da quasi noch ein Baustellenfest. Wenn der neue Dorfplatz am 20. Oktober offiziell eingeweiht wird, soll aber alles fertig sein. Dann wird der obere Teil des Platzes von einer Pergola begrenzt, um die sich Wein rankt, der jetzt schon angepflanzt ist. Darunter finden sich schattige Sitzgelegenheiten. An der Mauer entlang der Schulstraße, die Teil des Platzes wird, wird Spalierobst gepflanzt. Zudem gibt es mehrere große Betonbecken für Sträucher oder kleine Bäume, wie etwa Felsenbirnen.

Kein Platz für große Bäume

Warum dann kein großer Baum, wie etwa eine Linde, auf dem neuen Dorfplatz? Das hat vor allem einen Grund: Unter dem Dorfplatz befindet sich eine historische Kelleranlage. Die wurde im Zuge der städtebaulichen Neugestaltung ebenfalls saniert - und wird bereits am 8. September, zum "Tag des offenen Denkmals" einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Tiefwurzelnde Bäume könnten da Probleme bereiten. Das sehe man auch schon bei der großen, alten Robinie, die am Rande des Platzes stehen bleibt. Deren Wurzelwerk reicht bereits bis in Teile der etwa 400 Jahre alten Kelleranlage, wie Wohlpart berichtet. Zudem wurde über der Kelleranlage zur bergbaulichen Sicherung eine Betonplatte gelegt.

Früher stand hier ein Wirtshaus

Außerdem ist der Dorfplatz in Viereth gar nicht historisch gewachsen. "Neue Ortsmitte" bedeutet eigentlich, dass Viereth erstmals einen Dorfmittelpunkt erhält. Denn diesen Anspruch erfüllten die engen und verwinkelten Gassen am Mainhang nicht. Und auch die Hauptstraße, die Bundesstraße unten im Tal, wird selbst nach der Sanierung mit teilweise neugestalteten Gehwegen kaum zum Flanieren und Verweilen einladen.

Wenn, dann war das legendäre Gasthaus Berg-Bräu später Jäck-Bräu der Brennpunkt des Dorflebens. "Da wurde die Kommunalpolitik am Stammtisch gemacht", weiß Wohlpart zu berichten, obwohl das lange vor ihrer Amtszeit (seit 2014) war. Und jenes Wirtshaus stand just dort, wo sich jetzt der neue Dorfplatz befindet. Das Bierbrauen wurde dort 1980 eingestellt, der Gär- und Lagerkeller danach nicht mehr benötigt. Das Gebäude darüber blieb aber bis Anfang dieses Jahrzehnts stehen.

Dem städtebaulichen Konzept für die Neugestaltung eines Dorfplatzes war in der Gemeinde Viereth-Trunstadt eine lange und kontroverse Diskussion über die Zukunft des Areals vorausgegangen. Erst Ende 2015 fand sich im Gemeinderat eine Mehrheit dafür, das Gelände samt zwei Dritteln des angrenzenden Anwesens Kirchberg 2 zu erwerben und in eigener Regie zu gestalten.

Schmuckes Vereinshaus

Das Gebäude ist inzwischen saniert und zu einem Schmuckstück des Dorfplatz-Ensembles geworden. Seit Ende vergangenen Jahres wird es bereits von verschiedenen Vereinen, wie etwa der Blaskapelle und der Reservistenkameradschaft genutzt, für Versammlungen und Veranstaltungen kann es von allen Ortsvereinen gebucht werden. Unten findet sich eine Ausschankküche für Feste und Veranstaltungen auf dem Platz. "Die Vierether feiern gerne", merkt Bürgermeisterin Wohlpart an.

Und für die Kellernutzung hat sich auch schon ein Verein angemeldet. Die Krippenfreunde wollen dort zu ihrem 20-jährigen Bestehen eine Ausstellung machen. Wohlpart hat auch schon weitere Ideen für die Vierether Unterwelt: "Wie wär's zum Beispiel mit Grusellesungen für Kinder?"

Besonders erfreut ist die Bürgermeisterin, dass am Tag des offenen Denkmals Viereth einen "Kellerzweiklang" mit den Nachbarn vom anderen Mainufer, mit Unterhaid, bildet. Da könne man die verschiedenen Kellerarten entdecken. Eine Verfüllung der Anlage, die - aus Kostengründen - ebenfalls im Gespräch war, hätte sie keinesfalls gewollt. Damit wäre Geschichte zugeschüttet worden.

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