Lichtenfels

Vier Straftaten, aber keine Verurteilung

Ein gewisser Aufwand war am Mittwochvormittag durchaus gegeben: Der Gefangene wurde unter Aufsicht von zwei Polizeibeamten aus der Justizvollzugsanstalt in Nürnberg in Fußfesseln zum Amtsgericht gebra...
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Ein gewisser Aufwand war am Mittwochvormittag durchaus gegeben: Der Gefangene wurde unter Aufsicht von zwei Polizeibeamten aus der Justizvollzugsanstalt in Nürnberg in Fußfesseln zum Amtsgericht gebracht, ein Schöffenrichter wurde vor Prozessbeginn noch eigens vom vorsitzenden Richter Matthias Huber vereidigt und dann wurde die Anklage verlesen.

Das nahm eine Weile in Anspruch, denn die Anklagepunkte hatten es in sich. So habe sich der 41-jährige Angeklagte vor einem Lokal in Bad Staffelstein einen ausländisch wirkenden Mann mit "Na Kanake, Heil Hitler!" angesprochen. Als das gesagt war, habe er das Lokal betreten und sich auf den Platz des Beleidigten gesetzt, dessen Rückkehr abgewartet und ihn einmal geschlagen. Eine Viertelstunde später, so gegen 0.42 Uhr, betraten Polizeibeamte den Raum, um den Vorfall abzuklären und ihnen gegenüber gab der 41-Jährige laut Anklage an, dass er sie "abstechen" würde, so sie ihn auch nur anfassten.

Dennoch wurde der Mann aus dem Lokal geschoben, nicht jedoch, ohne mit Drohungen um sich zu werfen. "Ich werde allen da drin aufs Maul hauen", sei dabei der entscheidende Satz gewesen.

Sechs Männer mussten ihn halten

Auf jeden Fall wurde der Störenfried fixiert und selbst da, so die Anklage, habe er keine Ruhe gegeben. Nachdem es bei ihm zu Zuckungen kam, wurde er in die stabile Seitenlage gebracht, nicht aber, ohne wieder Scherereien zu betreiben. So verweigerte er nicht nur eine ärztliche Behandlung, sondern habe den eingetroffenen Arzt auch noch mit seinem Blut bespuckt. Nicht jedoch, ohne dem mitzugeben, dass er Hepatitis A habe.

So kam es auch erst zu einer Blutuntersuchung und dann zum zwangsläufigen Verpassen einer Spuckmaske. Gegen 4 Uhr morgens wurde der Mann ins Coburger Klinikum gebracht und habe dort in Rage die Kräfte von vier Polizeibeamten nebst zwei Pflegekräften gebunden. "Hurensöhne, Schwuchteln" und mehr habe er gerufen und gedroht, dass, wenn er hier rauskommt, deren Frauen töten werde.

Alles in allem summierte sich die Anklage auf versuchte Körperverletzung, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzliche gefährliche Körperverletzung und dem Verwenden von verfassungsfeindlichen Kennzeichen.

Aber kurz nach Anklageverlesung sollte die Sache ihr Bewenden haben. Die Staatsanwaltschaft signalisierte, dass sie gegen Einstellung des Verfahrens nichts einzuwenden habe, was an gewissen Hintergründen lag.

Tatsächlich wurde der Angeklagte im Sommer 2019 im Lichtenfelser Amtsgericht schon zu 16 Monaten Haft plus Unterbringung in eine Entziehungsanstalt verurteilt. Dagegen hatte sein damaliger Anwalt Berufung eingelegt und in der Zwischenzeit kam es zu den neuen Straftaten. Gleichzeitig erwartet den Mann noch ein Gerichtsverfahren in Nürnberg, weshalb er sich dort derzeit in Sitzungshaft befindet.

Nun aber zog die Verteidigung die Berufung zurück und der Lichtenfelser wird seine gegen ihn verhängte Strafverbüßung antreten. Überdies ist ohnehin noch der Nürnberger Prozess anhängigt, so dass das Verfahren eingestellt und der Lichtenfelser wieder in die Frankenmetropole gebracht wurde.

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