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Bad Staffelstein

Vielgepriesen und fast einmalig

Für schon viele Touristen auf dem Main-Radweg ist Oberbrunn die letzte Rettung bei einer Panne gewesen. Im Ebensfelder Gemeindeteil steht die Station der Schlossbergfreunde - mit Werkzeug und Luftpumpe.
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Alles, was der Radler braucht: Im Ebensfelder Gemeindeteil Oberbrunn steht die wohl einzige ehrenamtlich betriebene Service-Station auf dem 600 Kilometer langen Main-Radweg. Olaf Märkl, Jan Schlichting und Stefan Wagner-Baumeister (von links) zählten zu denen, die die Idee für den Service hatten.
Alles, was der Radler braucht: Im Ebensfelder Gemeindeteil Oberbrunn steht die wohl einzige ehrenamtlich betriebene Service-Station auf dem 600 Kilometer langen Main-Radweg. Olaf Märkl, Jan Schlichting und Stefan Wagner-Baumeister (von links) zählten zu denen, die die Idee für den Service hatten.
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Wolfgang aus Bielefeld hat den Schlossbergfreunden sogar ein Gedicht gewidmet: "Wer so an die Mitmenschen denkt, gehört ein dickes Lob geschenkt. Viel Freude ihr so manchem gebt, so hoff ich, dass ihr noch lange lebt." Nachzulesen in einem Eintrag von Ende Mai 2019 im Gästebuch der Oberbrunner Fahrrad-Service-Station. Das kleine Büchlein ist voll mit Einträgen von Radlern. Frankreich, Niederlande, England, Schweiz, Schweden, ja sogar Schottland - egal, wo sie herkommen: Alle sind begeistert.

Uli Amon ist Nachbar und Aufpasser, dass sich keine Randalierer am Werkzeug und der Luftpumpe vergreifen. Auf die Station angesprochen, muss er lachen, wenn er erzählt: "Jeder dritte Radfahrer dreht um und macht ein Foto." Denn so was wie in Oberbrunn, das schreiben auch Ralf und Markus aus Berlin, ist auf dem Main-Radweg "wirklich einmalig".

Dabei war die Wand mit der radlerspezifischen Werkzeugauswahl samt Luftpumpe ursprünglich zwar keine Schnaps-, aber eine Bieridee. Olaf Märkl, Stefan Wagner-Baumeister, Jan Schlichting und Berthold Köhler saßen beim Kerwafrühschoppen 2013 zusammen und rätselten im Spaß, wie man denn die vielen Radfahrer vom Main-Radweg weg aufs ein bisschen versteckt liegende Festgelände hinter der "Alten Schule" locken könnte. Eine Luftpumpe hinzustellen - mit diesem Vorschlag ging es los, dann folgte eine Idee der anderen, und bei der Kirchweih im Jahr darauf wurde die Servicestation offiziell in Dienst gestellt.

So ganz einmalig, wie man es beim Lesen des Gästebuches glauben mag, sind die Oberbrunner natürlich nicht. Olaf Märkl, der ein bisschen radsportnärrisch ist und schon die Alpen überquert hat, weiß vom Gardasee, dass es auch andernorts solche Angebote gibt: "Aber die stehen fast immer vor Fahrradläden." In Oberbrunn stecken hingegen keinerlei wirtschaftlichen Interessen dahinter, die Kosten für Unterhalt und Service tragen die Schlossbergfreunde aus der Vereinskasse. Wobei da nicht übertrieben viel anfällt, erzählt Stationswart Märkl: "Die Köpfe für die Luftpumpe müssen regelmäßig gewechselt werden, aber sonst passiert nicht viel." Der Aufwand hält sich auch deshalb in Grenzen, weil Vandalismus in der Oberbrunner Ortsmitte noch kein Thema war. Eher das Gegenteil ist der Fall: Manchmal liegt im Aschenbecher der Station Geld, weil die Radler denken, es handele sich um eine Spendenbox.

Da kommt bestimmt noch was

Schnell stellte sich heraus, dass die viel genutzten Luftpumpen einen Schwachpunkt im System darstellen. "Die einfachen Pumpen sind alle vier Wochen kaputt gewesen", erzählt Stefan Wagner-Baumeister, der in der Anfangszeit quasi ständig von irgendwelchen Flohmärkten Ersatzmaterial mitbrachte. Inzwischen steht eine stabile Profipumpe an der Station, für deren nicht ganz einfache Finanzierung die Dorfvereine - neben den Schlossbergfreunden auch die Feuerwehr und die Gartenbauer - zusammenlegten. Inzwischen ist noch ein Automat hinzugekommen, aus dem man Fahrradschläuche ziehen kann. Den installierte die Unterneuseser Firma Hofmann, weil man dort begeistert vom Engagement der Oberbrunner war. Der Automat war gerade in den vergangenen "Corona-Wochen" ein Renner, weiß Olaf Märkl: "Weil es ja sonst nirgends Fahrradschläuche zu kaufen gab."

Wer die umtriebigen Oberbrunner kennt, weiß: Im Ebensfelder Gemeindeteil sind sie um Ideen nie verlegen. Die Ortsvereine wollen erneut Geld zusammenlegen, um einen überdachten Freisitz für die Maintal-Radler zu bauen. Dabei werden nach Lage der Dinge auch die E-Biker berücksichtigt. "Wir haben vier Ladestationen vorgesehen", erzählt Projektleiter Jan Schlichting. Gespräche über das passende Grundstück hat es im Ebensfelder Rathaus schon gegeben, mit ein bisschen Verhandlungsgeschick dürfte es nicht mehr lange bis zum Baubeginn dauern.

Und dann - spätestens dann - ist der Landkreis Lichtenfels an der Reihe, endlich sein Versprechen einzuhalten und den Oberbrunnern eine schöne, große Übersichtslandkarte für die Servicestation zu spendieren. Für Gemeinderat Horst Amon, der als Nachbar der Station auch immer mal einen prüfenden Blick auf den ordnungsgemäßen Zustand wirft, ist es dafür schon lange an der Zeit: "Wenn der Landkreis in seinen Prospekten schon mit Fotos unserer Station wirbt, dann darf er sich auch mal erkenntlich zeigen."