Gemünda

Vielfalt mit Seltenheitswert

Der Zweckverband Naturschutzgroßprojekt "Das Grüne Band" hat unter anderem an der Heiligenleite bei Gemünda Flächen erworben, um sie in das Schutzgebiet zu integrieren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Frank Reißenweber zeigt auf die Fläche am gegenüberliegenden Hang, die jetzt für das Naturschutzgroßprojekt "Das Grüne Band" angekauft wurde. Fotos: Rainer Lutz
Frank Reißenweber zeigt auf die Fläche am gegenüberliegenden Hang, die jetzt für das Naturschutzgroßprojekt "Das Grüne Band" angekauft wurde. Fotos: Rainer Lutz
+1 Bild

Schritt für Schritt fügen sich immer mehr Mosaikteile zum Naturschutzgroßprojekt "Das Grüne Band" zusammen. Bei der jüngsten Sitzung des Zweckverbandes wurden weitere Ankäufe von Grundstücken beschlossen. Stefan Beyer vom Projektteam berichtete außerdem über vollzogenen Grunderwerb und erfolgte Anschaffungen.

Zu den aufgekauften Grundstücken gehören einige im Bereich der Heiligenleite bei Gemünda. Frank Reißenweber, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Coburger Land, betont die Bedeutung dieser Flächen. "Das gesamte Gebiet weist eine sehr hohe Artenvielfalt auf." Neuntöter, Nachtigall und Wendehals zählt er auf, nennt das Esparsettenwidderchen als seltenen Schmetterling und die Küchenschelle als Pflanze, die nicht mehr oft zu finden ist. "Deswegen ist ein Teil des Gebietes schon seit den 90er Jahren Naturschutzgebiet", erklärt er.

Entlang der Leite und im Tal darunter gehören schon viele Flächen der Stadt Seßlach, dem Landesbund für Vogelschutz, dem Wasserwirtschaftsamt und nun eben auch dem Zweckverband Grünes Band. Halboffenen Hängen, extensiv genutzten Weiden oder Mahdwiesen folgt ein Waldstück in der Obhut des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten. "Da ist noch deutlich die Niederwaldstruktur zu erkennen, aus der der heutige Bestand gewachsen ist", sagt Frank Reißenweber.

In dieser alten Nutzungsform wurden in den Wäldern Bäume als Stockausschläge genutzt. Eine Nutzungsform, die wieder interessant werden könnte, in Zeiten, in denen Holz wieder eine Rolle spielt als nachwachsender Energieträger. In den kommenden Jahren soll Stück für Stück dieses Waldes bei Gemünda tatsächlich wieder auf den Stock gesetzt werden - hier vor allem, um diese spezielle Art von Lebensraum zu erhalten, an dessen Rand der Pyrenäen-Milchstern entdeckt wurde, der in Deutschland nur an einer Handvoll Standorten wächst.

Anschluss an das Grüne Band

;

Im Grund reicht das Gebiet bis an die ehemalige innerdeutsche Grenze heran, die jetzt das Grüne Band bildet. So wird sie zu einem Schwerpunktbereich des Naturschutzgroßprojektes, an dem die vier Landkreise Coburg, Kronach, Sonneberg und Hildburghausen beteiligt sind.

Ein Feuchtgebiet im Tal ist mit Röhricht bewachsen. "Das wird immer zum Teil entfernt", erklärt Frank Reißenweber. Zweck ist dabei, dass die Blaukehlchen, die hier vorkommen, auch den Boden erreichen können. Es bleibt aber immer genug Schilf stehen, um als Rückzugsgebiet und Deckung für Tiere zu dienen.

Weil das Wasser, das hier die kleinen Tümpel speist, zum Teil aus Quellbereichen am Hang kommt, trocknete ein Kleingewässer hinter dem Röhrichtgürtel auch in diesem Dürresommer nicht ganz aus. "Wenn solche Sommer häufiger werden, weiß ich allerdings nicht, ob das Wasser dann noch reicht", meint Frank Reißenweber. Es wäre schade, denn der Tümpel ist unter anderem Heimat seltener Libellenarten.

Über das Naturschutzgroßprojekt können die Flächen effektiv gepflegt und erhalten werden. Das kommt auch dem Rotmilan zugute, der hier ebenso brütet wie der Mittelspecht.

Flächen im Blick

;

Kaufinteresse hat der Zweckverband auch an einer Fläche im Itzgrund bei Oberwohlsbach. Diese ist schon jetzt von hohem naturschutzfachlichen Wert als Biotopfläche mit Schilf und Biotopgewässern.

Durch ihre Nähe zum Grünen Band passt sie gut zum Großprojekt. In der landwirtschaftlichen Nutzung spielt sie schon jetzt kaum noch eine Rolle.

Voran geht es auch mit Anschaffungen des Zweckverbandes für die Beweidung von angekauften Flächen mit Rindern, Pferden oder Schafen. Dafür werden derzeit noch Zäune gebaut und Tränkewagen für die Tiere angeschafft. Die Wagen bleiben im Besitz des Zweckverbandes und werden für die Halter der Weidetiere zur Verfügung gestellt.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren