Forchheim

Viele Kinder, wenig Betreuungspersonal

Die Ergebnisse des Ländermonitorings "Frühkindliche Bildungssysteme 2017" besagen für den Landkreis Forchheim, dass in einer Kindergruppe mit Kindern unter ...
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Die Ergebnisse des Ländermonitorings "Frühkindliche Bildungssysteme 2017" besagen für den Landkreis Forchheim, dass in einer Kindergruppe mit Kindern unter drei Jahren ein Personalschlüssel von 3,8 zu finden ist. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt einen Schlüssel von 3,0. Der Personalschlüssel für Kindergärten (Kinder über drei Jahre) liegt bei 9,4 im Landkreis Forchheim. Hier wird ein Schlüssel von 7,5 empfohlen.
Wer sich nur auf die Zahlen verlässt, könnte also meinen, in Forchheim wäre die Betreuung nicht ideal. Für die erhöhten Personalschlüssel gibt es aber Gründe.
"In nahezu allen Kindergärten im Landkreis Forchheim kann die Gruppenstärke optional um zehn Prozent überschritten werden", sagt Kathrin Schürr, Pressesprecherin des Landratsamts. "Diese in der Betriebserlaubnis enthaltene Klausel [...] gestattet den Einrichtungsträgern, für jeweils zehn Monate im Kita-Jahr von der genehmigten Höchstplatzzahl um bis zu zehn Prozent nach oben abzuweichen."
Da die vorhandenen Platzkapazitäten knapp bemessen sind, wird besonders im städtischen Raum die Überschreitung regelmäßig in Anspruch genommen, erklärt die Pressesprecherin weiter. "So werden aus sogenannten Notplätzen unwillkürlich fest eingeplante Betreuungsplätze." Der Personalschlüssel müsste dann angepasst werden. "Allerdings wird oftmals durch das Ausreizen von vorhandenen Personalpuffern das ohnehin - aufgrund unzureichender Rahmenbedingungen - grundsätzlich eher mittelmäßige Betreuungssetting zulasten von bestehendem Personal beeinträchtigt", sagt Schürr. Der Fachkräftemangel ist eine Ursache dafür.


Aufgabenspektrum wächst

"Fachlich anzumerken ist außerdem, dass sich die Gruppenstruktur in den Kindergärten und damit auch das Aufgabenspektrum der pädagogischen Kräfte drastisch verändert hat", weiß Schürr. "Zu nennen sind die Aufnahme von Kindern ab 2,5 Jahren, von Kindern mit Behinderung entsprechend dem politischen Inklusionsgedanken sowie von Kindern und ihren Familien mit Migrations- und Fluchthintergrund."
In Kinderkrippen ist die Gruppenstärke auf zwölf Kinder limitiert. "Eine Überschreitung der Gruppenstärke ist grundsätzlich nicht möglich", so Schürr, "einzelfallbezogene Ausnahmen sind nur auf Antrag des Trägers in einem eng befristeten Zeitrahmen und nach fachaufsichtlicher Prüfung möglich." Die Einhaltung von personellen Standards im Krippenbereich ist aufgrund des besonders schutzbedürftigen Entwicklungsstandes von Kleinkindern auch für das Landratsamt stärker im Fokus.
Die Bevölkerungszahlen im Kreis Forchheim wachsen. Deshalb wird mehr Kinderbetreuung notwendig sein. Das weiß auch das Landratsamt: "Aus fachlicher Sicht wäre für eine regional flächendeckende qualitative Weiterentwicklung der pädagogischen Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsqualität eine offensive Planung von ausreichenden Betreuungsplätzen geboten. Die Überbelegung von Gruppen könnte damit vermieden werden und zumindest die maximale Gruppenstärke als ein Gelingensfaktor für das Erreichen von guter pädagogischer Qualität eingehalten werden."
Das Landratsamt sagt, dass hier Kommunen aktiv werden könnten. Gegen den Fachkräftemangel ist aber auch das Landratsamt machtlos: "Das ist primär eine landes- bzw. bundespolitische Aufgabe. Auf lokaler Ebene könnte Personalakquise mit attraktiveren Arbeitsbedingungen betrieben werden." red
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