Bad Staffelstein

Viele Fragen rund um die "Residenz"

Zu dem in Nedensdorf geplanten Projekt "Residenz am Hirtenberg" gingen etliche Stellungnahmen ein - von der Zufahrt bis zum Frischwasser. Am Ende stimmte der Bauausschuss dem Vorhaben im Grundsatz zu.
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Der dreiflüglige Baukörper der "Residenz am Hirtenberg" in einer Planansicht Foto: Mario Deller
Der dreiflüglige Baukörper der "Residenz am Hirtenberg" in einer Planansicht Foto: Mario Deller
Ein enormes Programm zu bewältigen hatte der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung, wobei sich die Behandlung der eingegangenen Stellungnahmen im Rahmen des in Nedensdorf geplanten Projekts "Residenz am Hirtenberg" erwartungsgemäß besonders komplex gestalteten.
Ein Investor plant auf dem Areal in rund 200 Metern Entfernung von der bestehenden Nedensdorfer Ortsbebauung Richtung Wiesen Folgendes: einen dreiflügeligen Baukörper auf rund 1,6 Hektar mit 27 Appartements, außerdem Wohneinheiten für betreutes Wohnen, eine Palliativstation sowie in einem der Flügel einen kleineren Hotelbereich für Gäste, insbesondere für Verwandtenbesuche.
Im Juli 2017 hatte der Bauausschuss den ersten Planentwurf gebilligt, nun hatte sich das Gremium mit etlichen Stellungnahmen zu befassen. Eindeutig auf Ablehnung stößt das Vorhaben beim Bund Naturschutz (BN). Dieser kritisiert den Standort auf dem Land, hätte die Umsetzung lieber im städtischen Bereich gesehen. Der BN prangert ferner den Flächenverbrauch an und befürchtet Probleme im Begegnungsverkehr angesichts der mit 4,70 Metern nach Ansicht des BN zu schmalen Zufahrt.


Kein stadtnahes Grundstück

In der mit zwei Gegenstimmen abgesegneten Antwort der Stadt hierauf wird die Standortentscheidung begründet: Trotz intensiver Suche sei es nicht möglich gewesen, ein stadtnahes Grundstück oder einen Leerstand in benötigter Größe zu finden. Ein regelmäßig verkehrender Shuttle-Bus soll die Einbindung der rüstigeren Bewohner in das öffentliche Leben der Innenstadt gewährleisten.
Für die bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche werde eine Ausgleichsfläche von mindestens 4760 Quadratmetern Intensivgrünland in eine artenreiche Extensivwiese umgewandelt, heißt es weiter.
Angesichts des beschriebenen Portfolios des künftigen Betreibers werde keine erhebliche Zunahme des Ziel- und Quellverkehrs erwartet, so die Stellungnahme der Stadt. Die vorhandene Breite der Straße erachtet das Gremium mehrheitlich als ausreichend.


Anlieger-Ängste entkräftet

Drei Anlieger am Hirtenberg reichten ebenso Stellungnahmen ein. Darin brachten sie Befürchtungen hinsichtlich Baulärm zum Ausdruck und dass sie womöglich für Straßenschäden durch den Bauverkehr aufkommen müssten. Ängste betreffend finanzieller Belastungen konnte die Stadt entkräften - wenn solche entstünden, sei der Verursacher hierfür verantwortlich. Die Emissionsbelastung sei nur auf tagsüber begrenzt, außerdem sei eine Herabsetzung des Tempolimits in der Bauphase vorgesehen.
Kreisbrandrat Timm Vogler sieht in seiner Stellungnahme die Zufahrt im Hochwasserfall zwar als grundsätzlich gesichert an, hatte aber eine Zufahrtsstraße vorbei am Feuerwehrhaus Nedensdorf über den vorhandenen "Grünweg" empfohlen. Letztgenannte Möglichkeit sei, so die Antwort der Stadtvertreter, durchaus geprüft worden, habe sich aber aufgrund der Topografie als schwer realisierbar erwiesen . Im Brandfall sei über den "Grünweg" eine sehr gute Löschwasserversorgung über eine Schlauchleitungsstrecke der Entnahmestelle "Main" gegeben. Der Löschwasserbedarf soll durch die Errichtung eines ausreichend großen Löschteichs gesichert werden.


Kläranlage ist aufnahmefähig

Auf weitere wichtige Aspekte wies das Wasserwirtschaftsamt hin. Wie die Stadt hierauf erläuterte, könne das erwartete erhöhte Schmutzwasseraufkommen von der Kläranlage aufgenommen werde, wie auch das zuständige Ingenieurbüro noch einmal bestätigt habe.
Die Frischwasserversorgung sei, so hieß es in der Sitzung weiter, qualitativ und quantitativ im Prinzip gesichert - in Sachen Quantität ist dieser Satz allerdings in Verbindung mit einer eingearbeiteten Ergänzung versehen: Zur Absicherung für eventuell in Sommermonaten auftretende Verbrauchsspitzen ist als Auflage zur Realisierung die Installation eines Frischwasserspeichers ein Muss.
Zum Ende des Tagesordnungspunktes fasste das Gremium mit einer Gegenstimme den für den Fortgang des Verfahrens notwendigen Grundsatzbeschluss. Nun folgt als nächster Schritt im Prozedere die förmliche Beteiligung.


Umbau zum Notariat

Eindeutig als größere Baumaßnahme zu betrachten ist auch der geplante Einbau einer Notariatskanzlei im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss eines Gebäudes in der Bahnhofstraße in Richtung Unterer Lauterdamm, zumal das Vorhaben mit weiteren Bau- und Umbaumaßnahmen einhergeht. Konkret geplant sind nämlich außerdem die Errichtung einer Wohneinheit im Dachgeschoss, der Anbau eines Treppenhauses mit Aufzug zur Herstellung der Barrierefreiheit sowie die Errichtung von Balkonen und Kfz-Stellplätzen.
Das Objekt gehört derzeit noch der Stadt, deshalb stellte der Bauwerber einen in solchen Fällen sinnvollen "Antrag auf Vorbescheid". Bereits vor dem Einreichen eines offiziellen Baugesuches kann der Bauwerber so durch die Entscheidung des Gremiums klären lassen, ob sein Vorhaben dem Grund nach zulässig ist und es sich lohnt, das Grundstück zu kaufen. Das Gremium sieht aktuell keine Einwände gegen das Vorhaben. Harald Konietzko (SPD) sprach von einem "Zugewinn" und einer "optischen Aufwertung" durch die Maßnahme. Das seit Anfang Juni leer stehende Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, es besteht aber ein Ensembleschutz. Es ist vorgesehen, dass der Bauherr die Baumaßnahme mit dem Amt für Denkmalpflege abstimmen soll.


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