Herzogenaurach
Vortrag

Viele Abtrünnige siedelten in Franken

Sehr großen Zuspruch erfuhr der Heimatverein bei seiner jüngsten Vortragsveranstaltung zum Thema "Österreichische Exulanten in Franken". Reinhard Rusam, eme...
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Sehr großen Zuspruch erfuhr der Heimatverein bei seiner jüngsten Vortragsveranstaltung zum Thema "Österreichische Exulanten in Franken". Reinhard Rusam, emeritierter evangelischer Theologe aus Ansbach, referierte gleichsam aus eigener Erfahrung, denn seine Vorfahren hatten die Ausweisung von evangelischen Christen (Exulanten) aus Ober- und Niederösterreich am eigenen Leib erfahren.
Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfreute sich die Lehre Luthers in den österreichischen Landesteilen des Heiligen Römischen Reiches größter Beliebtheit. Man war begeistert von der Abschaffung der Ohrenbeichte und des Ablasshandels. Die einfache Bevölkerung folgte den meisten Adligen und trat zum neuen Glauben über. Immer häufiger traten die Zerwürfnisse zwischen dem habsburgisch-katholischen Kaiser und den protestantischen Adligen zutage. Die Obrigkeit ordnete im Jahre 1600 an, dass alle Abtrünnigen vom alten Glauben binnen dreier Monate das Land, speziell die heutigen Bundesländer Ober- und Niederösterreich, verlassen mussten. Die Glaubensstreitigkeiten eskalierten letztlich im Prager Fenstersturz (1618), der wiederum zum 30-jährigen Krieg führte. Bald kämpften nicht nur die beiden Konfessionen mit ihren militärischen Machtblöcken gegeneinander; vor allem Süddeutschland wurde zum Schlachtfeld.
Evangelischen Gläubigen untersagte man generell die freie Religionsausübung, belegte sie mit Kirchenstrafen und harten finanziellen Bußen. Nachdem durch ein "Mandat" (Erlass) in den heutigen österreichischen Ländern 1624 angeordnet worden war, dass Lutheraner innerhalb von acht Tagen das Land zu verlassen haben, suchten viele Flüchtlinge im benachbarten Bayern und vor allem in Franken Zuflucht. Besonders im südlichen und westlichen Mittelfranken waren durch den Krieg inzwischen weite Teil entvölkert, so dass die protestantischen Flüchtlinge willkommene Neusiedler waren. Sie brachten neue Fertigkeiten und Wörter aus ihrer Heimat mit. Zahlreiche Familiennamen verweisen zudem heute noch auf zugewanderte Österreicher, wie einige Endungen beweisen: -brunner/en (Schrettenbrunner; Kaltenbrunner), -holz (Schlagholz, Frischholz), -wald (Frühwald, Grünwald), -garten/gartner (Baumgartner), -maier (Lugmaier, Lohmaier), -ham (Ru(h)sam).
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