Münnerstadt
Rundgang

Viel Wissenswertes bei Erkundungstour rund um das Rathaus

Am Donnerstagabend versammelte sich ein kleines Trüppchen Interessierter, um sich in der Reihe "Oh! Wie schön ist Münnerstadt" auf Erkundungstour "Rund ums Münnerstädter Rathaus" zu begeben. Franz Goc...
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Das Foto zeigt den östlichen Rathauseingang und darüber die Jahreszahl der Erbauung 1467, wobei die 4, wie einst üblich, als "halbe 8" geschrieben wurde, wie Franz Gock erläuterte.  Foto: Nicolas Zenzen
Das Foto zeigt den östlichen Rathauseingang und darüber die Jahreszahl der Erbauung 1467, wobei die 4, wie einst üblich, als "halbe 8" geschrieben wurde, wie Franz Gock erläuterte. Foto: Nicolas Zenzen

Am Donnerstagabend versammelte sich ein kleines Trüppchen Interessierter, um sich in der Reihe "Oh! Wie schön ist Münnerstadt" auf Erkundungstour "Rund ums Münnerstädter Rathaus" zu begeben. Franz Gock, der als langjähriger Stadtführer über einige entsprechende Erfahrung verfügt, gelang es auf spannende Weise die Geschichte Münnerstadts anhand des Rathauses lebendig werden zu lassen. Dabei kamen sowohl die "großen" historischen Themen, wie die Stadtgründung durch die Henneberger, Reformation und Gegenreformation oder der 30-jährige Krieg zur Sprache, als auch die netten Anekdoten aus der Historie der Stadt. So konnten sich noch mehrere der Anwesenden an die öffentliche Waage erinnern, die früher vor dem Rathaus installiert war, und sogar an die Ochsen, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch dort angebunden wurden.

Ein Käser aus der Schweiz

Neben dem Rathaus selbst kamen auch die geschichtsträchtigen Gebäude darum herum zur Sprache. Eine überraschende Erkenntnis war für die meisten Teilnehmer, dass die "Schweiz" ihren Namen daher hat, dass in diesem stattlichen Hof einst ein Schweizer Käser die Milch, die dort gesammelt wurde, weiterverarbeitete. Die sogenannte Marienanstalt hingegen wurde 1578 von dem damaligen Bürgermeister Andreas Oesterreicher errichtet, der als Protestant die Stadt bald darauf jedoch verließ. Bei beiden Gebäuden waren sich die Anwesenden einig, dass es sich um Schmuckstücke der Altstadt handelt, und sehr zu hoffen ist, dass ihre Sanierung bald in Angriff genommen wird, um sie zu erhalten. Denn Verluste an historischer Bausubstanz sind schon genug zu beklagen, wie etwa das einstige Gasthaus "Zum Goldenen Löwen", das ein imposanter Fachwerkbau war. Franz Gock erinnerte sich, dass es dort 1958 bereits einen Fernseher gab, auf dem er damals als Schüler die Fußball-WM in Brasilien verfolgte.

Doch um 1960 wurde das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, was aus heutiger Sicht kaum noch nachzuvollziehen ist. Auch das Kriegerdenkmal für die "Helden" des Deutsch-Französischen Kriegs 1870, das bis in die 1970er-Jahre noch am Rathaus stand, wurde abgeräumt und ist heute in Fragmenten auf verschiedene Orte verteilt. Warum man es damals von seinem angestammten Platz entfernte, konnte keiner der Anwesenden mehr sagen. Ob man es vielleicht nicht mehr passend fand, den Sieg über Frankreich zu feiern, als man 1979 die Städtepartnerschaft mit Stenay schloss?

Bei der Vielzahl an Geschichten verging die Zeit wie im Flug. Nur die hereinbrechende Dunkelheit und vor allem die herbstlichen Temperaturen führten nach einer guten Stunde dazu, den kleinen Rundgang abzuschließen. Als dann die meisten Teilnehmer bereits gegangen waren, fiel Franz Gock noch Einiges ein, worauf er nicht eingegangen war, wie zum Beispiel die Geschichte, warum die Münnerstädter als "Nächelsieder" bezeichnet werden.

Doch dies wird im Rahmen der Erkundungstouren von Kilian Düring und Nicolas Zenzen ja nicht der letzte Ortstermin in der Altstadt gewesen sein, so dass alles Vergessene nachgeholt werden kann. Als nächstes geht es in zwei Wochen, am 18. Oktober, allerdings wieder in einen Stadtteil, nämlich nach Reichenbach. red

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